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Veränderungen aber, die in Dalmatien
vor sich gingen, übersiedelte die Fa«
milie Paravia nach Venedig. Dort
besuchte der Sohn das von Napo«
leon im Jahre 1807 begründete Con«
victs'Lyceum, wo sich ihm bald genug
Gelegenheit darbot, seine literarischen
Neigungen nach verschiedenen Richtungen
zu befriedigen, da ihm die Bibliothek des
ConvictS zu unbeschränkter Benützung
offen stand, ja seiner unmittelbaren Auf»
ficht anvertraut war. Später begab er
sich nach Padua, um dort die Rechte zu
studiren, ohne jedoch seine literarischen
Arbeiten zu vernachlässigen. In Padua
studirten zu jener Zeit auch der nachmals
berühmt gewordene Philosoph aus Ro>
veredo, Rosmini , und der nicht min«
der berühmte Kritiker Tommaseo. Im
Jahre 1818 erlangte P. die juridische
Doctorwürde und trat nun als Concepts«
Praktikant in den kaiserlichen Staats«
dienst. Indessen blieb er der Poesie treu
und neben kleineren Originaldichtungen
versuchte er sich auch in Uebersehungen.
So entstanden damals und später das
Gedicht: „^^<?ions". aus dem Lateini-
schen des Fracastaro. „Z^vl^s 6
1^<i?H?sl'n", ein Fragment aus Pyrker's
Epos: „Rudolph von Habsburg", „^.a.
Dansa", übersetzt aus dem Spanischen
des Quintana, u. a. Aber auch
manche literarhistorische Arbeit fallt in
diese Zeit, so die „Hisnzon's c?e (3?'nssAps
Fa?-z!o?2'") die einer Sammlung von
dessen Sonetten (1818) vorangehen; die
Biographien von Varano (1820), Ti>
raboschi und Bianchini (1823); die
„Notisis äei?. Huirioo Rossi", welche
mehrere von dessen nicht veröffentlichten
Dichtungen, xsr 110226 herausgegeben,
einleiten, dann die anR 0 smini gerichtete ferner:
äs'
und die „^0
"u. m. a., Alles Arbeiten, welche
innerhalb der Jahre 1817—1827 fallen.
Diese literarhistorischen Abhandlungen
aber waren so tüchtig und verriethen so
gründliche Studien von Seiten des
Autors. daß anerkannte Größen der
Schriftstellerwelt Italiens, wie ein An-
tonio Cesari sBd. I I , S. 323^> und-
Vincenzo Mont i Md, XIX, S. 36)
auf den jungen geistvollen Mann auf«
merksam wurden. Auch als Mitglied de5
^tsn6o äi Vsnesia scdrieb P. fleißig,
unter andern mehrere Uebersetzungen der
Biographien deS Cornel ius Nepos
und einiger Briefe des Pl in ius, ferner
die Biographien von Francesco Rez»
zauo und Onufr ius Minzon i ;
auch fiel auf ihn im Jahre 1829 die
auszeichnende Wahl zum Vortrage der
Eröffnungsreden in der Akademie der
Künste zu Venedig, in welcher er ein
Lebensbild von Fi l ippo Farsett i
gab, und 1830 bei der Enthüllungsfeier
des Denkmals von Goldoni , in wel«
cher er den Fürsten des italienischen 3ust>
spiels feierte. Als selbstständige Arbeit
folgte zunächst eine vollständige Ueber»
setzung der Briefe des Pl in ius (1830 bis
1832), von der fünf Auflagen erschienen
sind und mit welcher meisterhaften Arbeit
so zu sagen eine Lücke in der italienischen
Literatur ausgefüllt ward. Durch diese
Uebersetzung kam P. mit dem Grasen
Gianfrancesco Galeani-Napione,
einem Manne, der in Sardinien in An«
gelegenheiten des öffentlichen Unterrichts
als Autorität galt, in nähere Berührung,,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon