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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
Seite - 297 -
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Seite - 297 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21

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Parhamer 297 Parhamer Lehren, die Bedrückung der Untergebenen u. f. w. ernst rügte, so legte er ebenso auch dem niederen Volke seine Laster und Gebrechen nahe, tadelte seine Trunksucht und Arbeitscheu, hielt ihm seine Ueber« Hebung gegen Gott und die Obrigkeit, die Nichterfüllung seiner Pflichten in ein< dringlicher Weise vor und verschonte so Niemand, übertrat aber auch nie die ihm durch Zweck und Sitte gegebenen Schran- ken, wirkte immer als Seelenfreund und verirrte sich nie auf das publicistische Gebiet, das mit jenem der Kirche, seit Christus gelehrt, nie etwas gemein gehabt hat. Die Wirkung, die dieser edle Priester überall hervorbrachte, war so groß, daß, obgleich er sich jede Ehrenbezeugung, jeden feierlichen Empfang auf das Ent» schiedenste verbat, seine Reise zuletzt doch einem Triumphzuge glich. Im Jahre 4738 wählte Kaiser Franz I. Ste- phan. Mar ia Theresia's Genial, den I>2t6r Parhamer zu seinem Beicht» vater; nach des Kaisers Tode wurde P. Beichtvater der Erzherzogin Elisabeth. Auch begleitete er den Hof auf Verschiß denen Reisen, so 1764 zur Wahl und Krönung Joseph I I . , 1763 zum Bei. lager des Erzherzogs Leopold nach Innsbruck. Endlich aber sollte dem tvür. digen, ja hochwücdigen Priester ein Wir» kungskreis angewiesen werden, zu dem er ganz besonders berufen war und durch den vornehmlich die Erinnerung an ihn bei der Wiener Bevölkerung noch heute lebendig geblieben und es wohl noch lange bleiben wird. Im Jahre 4739 übenrug die Kaiserin dem wackeren ?2ter die Leitung des Wiener Waisen» Hauses, das urspünglich die Stiftung des Wiener Bürgers Michael von Kienmayr ist. Das Waisenhaus nahm damals die umfangreichen, weitläufigen Räume der Artilleri>Gebäude am Rennwege und der Landstraße ein, wozu die Kaiserin auf Parhamer's Anrathen noch die anliegenden Gebäude und Gründe kaufte, so daß diese ausgedehnten, mehrere Höfe haltenden Gebäude die Wohnungen für sämmtliche Kinder, das Lehr« und Wartepersonale, die Lehrzimmer, das Spital für die kranken Kinder, ein Km» derbad u. dgl. m. umfaßten. Unter P.'S umsichtiger Leitung wuchs diese philan« tropische Anstalt in erstaunlicher Weise. Als er sie im Jahre 1739 übernahm, enthielt sie nur 188 Knaben und 123 Mädchen. Im Jahre 1774 war diese Zahl fast auf das Dreifache, und zwar auf 348 Knaben und 247 Madchen gestie« gen. Nähere Angaben über die Zunahme dieses Instituts, über seine Dotirung und Organisirung sind in Schimmer's, in den Quellen näher bezeichneter „Bio- graphie des ?Ht6r Parhamer" ent> halten. Nur einige allgemeine Andeu« tungen mögen zum Verständniß deS Wirkens Parhamer's hier folgen. Außer dem gewöhnlichen Elementarunter» richle wurde den Knaben ein Handwerk, das Spiel auf einem Instrumente gelehrt und gewisse Tagesstunden waren zu militärischen Uebungen bestimmt. Die Madchen erhielten Unterricht in allen Arten von Näharbeit, im Sticken, Netzen, Spitzenklöppeln und hatten überdieß die Zurichtung und Instandhaltung der Hauswäsche zu besorgen. Die Handwerke, welche durch eigene Meister im Hause gelehrt wurden, waren: Schneiderei, Schusterei, Tischlerei. Der Musikunterricht zerfiel in die Singschule, an der auch die Madchen theilnahmen, und in die AuS- bildung auf verschiedenen Instrumenten. Das Waisenhaus besaß so eine vollstän- dige Capelle. welche sich in die ordinäre Bande und in die ganze türkische Musik theilte, welche letztere im Kirchendienste
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich O'Donnel-Perényi, Band 21
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
O'Donnel-Perényi
Band
21
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1870
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
542
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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