Seite - 298 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
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Parhamer 298 Parhlliner
verwendet wurde und bei militärischen
Festlichkeiten aufzog. Die Knaben vom
3. Jahre aufwärts waren auf militärische
Weise in Compagnien abgetheilt, welche
fich durch die Farbe der Aufschlage von
einander unterschieden. Im Ganzen bil»
deten sie vier Compagnien, jene der
Kanoniere mit acht kleinen Feldstücken;
jene. der Grenadiere und zwei Füselier»
Compagnien. Jede Compagnie war
vollständig ausgerüstet und hatte voll-
zählig ihre Chargen vom Hauptmann
abwärts. Sin im Hause wohnender kai«
serlicher Officier führte die Leitung der
Exercitien und Wachen; erstere wurden
von der kleinen Mannschaft — das Exer-
ciren im Feuer mit den Gewehren und
Feldstücken mitinbegriffen — mit einer
Präcision ohne Gleichen ausgeführt. An
großen Kirchenfesten und sonstigen Srin«
nerungstagen des Waisenhauses fanden
große Kirchenparaden Statt. So schwang
sich das Waisenhaus zu einer der ersten
Sehenswütdigkeiten von Wien empor
und kein Reisender versäumte es zu be-
suchen. Wohl fehlte es nicht an Tadlern,
welche diese militärische Einichtung ver«
warfen und es erschien dagegen sogar
eine besondere Broschüre, gegen deren
erbitterten Inhalt P. folgende Schrift
richtete: „ Vollkommener Vericht unn der Nr-
schllffrnheit des Waisenhauses Unserer Neben
Frauen am Aeilnmege n. 5. 2." (Wien 1774),
worin P. alle Angriffe abwehrte und
überdkß die ganze Organisation des
Institutes darstellte. Ueberdkß muß be-
merkt werden, daß nicht Parhamer
diese militärische Organisation eingeführt
hat, denn diese bestand schon seit dem
I . 1747 undParhamer hatte erst im
Jahre 1739 die Leitung des Waisenhau»
ses übernommen. Aber als er die Nütz«
lichkeit dieser Exercitien und des ganzen
militärischen Organismus erkannte, be> hielt er nicht nur Alles, wie er eS vor«
gefunden, bei, sondern war noch auf
dessen weitere Ausbildung bedacht, was
ihm denn auch von den Wienern, die
überdieß mit dem Ganzen sehr wohl zu»
frieden waren, den Titel: „Kinder»
General" eintrug. Unter Parhamer's
Leitung nahm das Instituts wie schon
angedeutet worden, in erfreulichster Weise
zu, die wohlthatigen Stiftungen mehrten
sich, selbst vermögende Eltern brachten
ihre Kinder gegen Kostgeld im Waisen«
hause unter, und die Erzherzoge Leo-
pold (nachmaliger Kaiser), Ferdi-
nand. Kar l und Max imi l ian hat»
ten den ersten militärischen Unterricht
in Parhamer's Institute genoffen.
Unter den hohen Fremden, welche das«
selbe besuchten, ist des Papstes Pius VII.,
der im Jahre 4782 in Begleitung des
Erzherzogs Max imi l ian dahinkam. zu
gedenken. Mittlerweile war Parhamer
von der Kaiserin im Jahre 1777 zum
Titularpropst von Drozzo in der Trlauer
Diöcese, im Jahre 1782 aber zum insu»
lirten Abte von Lecker in der Waitzner
Diöcese ernannt worden. Der Kaiser
übertrug ihm die Oberdirection der Ar«
mencafse und sämmtlicher milden Stif.
tungen in Oesterreich, sowie jene des
Findelhauses. Bei der neuen Pfarrein«
theilung im Jahre 1783 wurde die
Kirche des Waisenhauses zur Pfarre er»
hoben und Propst P. zum Pfarrer an
derselben ernannt. Im Jahre 1784 tra-
ten mit dem Waisenhause große Ver«
anderungen ein, es wurde vom Nenn»
weg in das sogenannte spanische Spital
in der Alservorstadt verseht, wo die be«
schränkteren Räumlichkeiten eine Vermin»
derung der Zöglinge und die Ausschlie«
ßung der Kostkinder nothwendig machten.
Propst P. wurde Oberdirector der
sämmtlichen Waisenhäuser in der Monar-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon