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und b5irgl. Handelsmann I gebo
ren den 24. Ju l i 1732 > gestorben
den 48. Ma i 1829." — Johann
Georg hatte in seiner Ehe sieben Kinder,
von denen zwei in der Kindheit starben;
die Namen der fünf am Leben gebliebenen
sind: Franz, Georg, Joseph. Io<
hann Nepomuk und Anton. Franz
war Factor in der kais. Porzellanfabrik
und starb im Alter von erst 32 Jahren.
Ueber die drei folgenden, Georg, Io«
feph und Johann Nepomuk ver>
gleiche das Nähere in den Quellen S. 332;
über Anton, den weitaus bedeutendsten
und interessantesten dieser Poetenfamilie,
geben die folgenden Zeilen nähere Nach«
richt. Anton Passy war ein kränkliches,
aber ein geistvolles Kind. I n seinem
Knabenalter waren Meß- und Hochamt«
lesen und Predigthalten seine liebsten
Spiele, und nie mischte er sich in die
kriegerischen seiner Brüder, zu denen er
sich jedoch immer in gleicher Liebe wie sie
zu ihm hingezogen fühlte. Die Studien
beendete er. obgleich in Folge seiner
Kränklichkeit mit Unterbrechungen, an
den Lehranstalten und zuletzt an der
Hochschule WienS. Im Jahre 1809 be<
gann er das Studium der Theologie
und trat in das Alumnat zu St. Polten
ein. Neben seinem Berufsftudium trieb
er mit großer Vorliebe Poesie, Geschichte
und Erziehungskunde, aber schon nach
einem Jahre mußte er seiner schwäch,
lichen Gesundheit wegen das geistliche
Erziehungshaus verlassen. Er widmete
sich nun ausschließlich der Pädagogik und
trat als Lehrer in das seiner Zeit in
großem Ansehen stehende Krause'sche
Erziehungs'Institut, in welches angese-
hene Familien ihre Kinder zu geben
pflegten, auch hielt er in hohen Herr«
schastshäusern Vorlesungen über Ge-
schichte. Im Jahre 1817 nahm ihn Franz ! de Paula Graf Szächsnyi als Biblio«
thekar und Lector in seinem Hause auf,
und in dieser Stellung, die ihm viele
Muße gewährte, setzte er wieder seine
theologischen Studien fort. Im Haufe deS
Grafen lernte P. auch den I'a.ter Clemens
Hoffbauer M . IX, S. 134) kennen.
Als der Graf Szöchänyi im I . 1820
starb, trat P. sofort in die Versammlung
des h. Erlösers sRedemptoristen. Ligouria»
ner, inntato noru,in6: Jesuiten^ ein, welche
sich eben damals constituirte. Es geschah
dieß offenbar unter dem Einflüsse H off«
bauer's, zu dem sich P. von allem
Anbeginn sehr hingezogen fühlte. Am
18. März 1821 erhielt P. die Priester-
weihe und feierte am 23. März d. I .
seine erste Messe in der damals neueröff«
ncten Kirche Maria am Gestade (Maria
Stiegen). Zacharias Werner. Passy'S
Freund aus der ersten Jugendzeit her,
hielt die Primizpredigt über den Text
des Festevangeliums Lucas I. 34.: „Wie
soll das geschehen". Werner richtete
nun in seiner originellen Weise an den,
ihm auf einer Tribune gegenübersitzen»
den Primizianlen u. a. folgende Worte:
„Als ich im Jahre 1806 daS erste Mal
in Wien war, ging ich noch auf der
breiten Straße, die zur Hölle führt, Sie
noch nicht auf der schmalen' wenn uns
damals Jemand gesagt hätte, daß im
Jahre 1821 Sio ihre erste heilige Messe
in diesem neueröffneten Gotteshause le«
sen und ich unwürdigster der Knechte
Ihre Primizpredigt halten sollte, hatten
wir damals nicht beide ausgerufen: „Wie
soll denn das geschehen?" Passy blieb
mit Werner bis zu dessen Tode in inni-
ger Freundschaft verbunden und noch auf
seinem Sterbebette nannte Werner P.
seinen ältesten Freund in Wien. Unge«
achtet seiner immer schwankenden Ge>
sundheit verrichtete P. seine priesterlichen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon