Seite - 328 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
Bild der Seite - 328 -
Text der Seite - 328 -
328 Passn
Obliegenheiten, unter diesen auch die sehr
anstrengende Seelsorge in mehreren
Strafanstalten mit großer Pünctlichkeit
und Ausdauer; auch wirkte er als Pre«
diger und seine Kanzelvorträge wurden
stark besucht. Wie Werner ihm. so hielt
Passy einem anderen berühmten Prie»
ster, dem vormaligen Arzte Doctor
Ve i th , als dieser seine medicinische
Laufbahn mit der priesterlichen ver»
tauschte, die Primizpredigt. Drei Jahre
nach Anton's Eintritt in die Congre«
gation trat auch sein Bruder Georg als
Laienbruder in dieselbe. Doppelte Bande,
die der Natur und der Kirche, verknüpf«
ten beide Brüder auf das Innigste, und
es war ein bitterer Verlust für Anton,
als er seinen Bruder im Jahre 4836
durch den Tod verlor. Seit dieser Zeit
siechte auch Anton merklich dahin und
seine Gesundheit nahm so sehr ab, daß er
sich dem Seelsorgerberufe nicht mehr wie
früher hingeben und die meiste Zeit in
seiner Zelle hinbringen mußte, in der er
freilich nicht unthatig war, wie das auf
den folg. Seiten mitgetheilte ansehnliche
Schriften-Verzeichniß zur Genüge beweist.
Passy besaß eine umfassende Bildung,
er sprach außer seiner Muttersprache sehr
gelaufig französisch, englisch und italie»
nisch, und genoß in Folge dieser Sprach»
kenntnisse wie seiner Bekanntschaft mit
'den höheren Lebensbedürfnissen das Ver-
trauen hochgestellter Personen im Beicht»
stuhle. Brunn er nennt ihn einen „lie-
denswürdigen, in feine Umgangsformen
von Jugend auf eingewöhnten Mann,
der selbst bei körperlichen Leiden sehr
bald zur Heiterkeit gestimmt war, sich
tolerant erwies und auch gern einen
Scherz vertrug. Studirende und junge
gebildete Leute besuchten P. häufig und
er übte auf dieselben einen sehr wohl«
thätigen Einfluß, weil er, ohne dem eigentlichen Ernst der Gesinnung etwel»
chen Abbruch zu thun, auch der Heiter,
keit und dem jugendlichen Frohsinn sein
gutes Recht zu lassen verstand". Die
schriftstellerische Thätigkeit Passy's war
eine ungemein fruchtbare. Nach Fächern
geordnet — in der spater folgenden
Uebersicht werden seine Schriften chro«
no logisch aufgezählt — umfaßt sie
3 kirchengeschichtliche, 3 biographische
Werke, 44 geistliche Poesien, 13 aszetische
Schriften, 6 Gebetbücher, ? Novenen,
3 verschiedene andere Andachtsbücher,
9 Uebersetzungen und 40 Miscellen,
Flugblätter und Monographien, ungerech-
net seine zahlreichen Beitrage in theolo»
Zischen und anderen Blättern, wie z.B. in
der von seinem Bruder herausgegebenen
Zeitschrift: „Oelzweige", in Häglsper.
ger'S „Chrysostomus". in den „Vater-
ländischen Blattern" , im „Religions»
freunde" und inBenkert's „Athanasia",
in welchen seine Aufsätze meist mit den
Initialen seines Namens ^.. I>. bezeichnet
sind. Als geistlicher Poet nimmt P. —
wenn auch keine Literaturgeschichte seinen
Namen nennt (!) — eine hervorragende
Stelle ein. Viele seiner Lieder leben seit
Jahren im Munde des Volkes fort. Ist
auch formell nicht alles tadellos in seinen
Gedichten, dem Inhalte nach sind es
Schöpfungen einer gottbegeisterten Phan»
tasie, echte Erhebungen des Herzens und
Geistes einer nach Wahrheit und Erkennt,
niß ringenden Seele. Seine — wenig oder
gar nicht gekannten — Sammlungen ent»
halten viel Gelungenes und manches so
Vortreffliche, daß es den Sing»Sang vieler
Drittels» und Dutzend-Poeten der Gegen«
wart lange überleben wird. Dabei ist die
Frömmigkeit und Andacht seiner Lieder
nicht gemacht, sie kommt aus dem Herzen
und geht zum Herzen. Es ist der reine
gottergebene Glaube, der so schlicht und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon