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Patachich 342 Patachich
Daselbst erhielt er bei einem in Gegen
wart deS Kaisers Kar l VI. abgehalte
nen öffentlichen philosophischen Tentamen
auS der Hand des Monarchen eine gol
dene Halskette und von der philosophi
schen Facultät die Doctorwürde. Von
Wien wurde er nach Rom in'SCollegium
^.pollinars geschickt, wo er die thcolo
giscke Doctorwürde erwarb, und da er
sich als geschickter Poet bewährte, im
Jahre 1739 in die Gesellschaft der Arka-
dicr unter dem Namcn sii-aLiu.?
^.oroto^) Il.c>riu8 aufgenommen wurde.
Von Wien kehrte Adam in sein Vater-
land zurück und erhielt die Pfarre in
dem seiner Familie erblich gehörenden
Marktstecken Verbovetz. Nach zwei Iah.
ren wurde er Tilularabt der seligen
Jungfrau von Abraham; im April 1741
Domherr zu Agram, worauf ihn im
Jahre 1743 die Kaiserin Mar ia The-
resia mit der einträglichen Propstei des
h. Benedict von Kaposfö beschenkte. Im
Jahre 1731 ging er als Begleiter des
Agramer Bischofs Franz Klobusiczky
^s. d. Bd. XU, S. 111. in den Quellens
als dessen OknonioiiL a latsrs zum
ungarischen Landtage nach Preßburg, wo
er eine solche Umsicht in den Geschäften
an den Tag legte, daß ihn die Kaiserin
zum Nathe bei der ungarischen Hofkanzlei
und bald darauf zum Titularbischofe von
Novi ernannte. Neun-Jahre arbeitete P.
in der ungarischen Hofkanzlei, nun verlieh
ihm die Kaiserin am 29. August 1739
das Bisthum Großwardein, die Würde
des Obergespcins im Biharer Comitate
und jene eines geheimen Rathes. Als
Obergespan und Kirchenfürst entfaltete
P. durch neunzehn Jahre eine verdienst»
volle Thätigkeit, förderte das Unterrichts-
wesen in seiner Diücese, verbesserte die
verwahrloste bischöfliche Residenz und
deren ökonomische Verhältnisse, setzte den, von Paul Grafen von Forgacs begon«
nenen Bau der Kathedrale fort, errichtete
Schulen, den Unterricht in denselben per«
sönlich überwachend, und bezahlte die
Lehrer auS feinern Ginkommen. Zugleich
gründete er aus eigenen Mitteln in
Großwardein eine Bibliothek, welche
mehr als 13.000 Bande zahlte. Seine
Toleranz und Milde in religiösen Sachen
gewann Tausende von Seelen der römi-
schen Kirche. Eilf Dörfer mit 6000 See-
len, welche sich zur griechisch'Nichtunntcn
Kirche bekannten, kehrten wahrend der
Zeit, als er das BiSthum leitete, zur
katholischen Mutterkirche zurück. Mar ia
Theresia belohnte diese Verdienste des
Kirchenfürsten dadurch, daß. als Joseph
Graf Bat thy^ny sBd. I , S. 177^
damals Vrzbischof vonKalocsa, im Jahre
1776 Erzbischof von Gran und Primas
von Ungarn wurde, sie den Bischof P a-
ta chi ck zu dessen Nachfolger im Kalocsaer
Erzbisthum ernannte. Auch auf diesem
neuen Posten entwickelte P. eine wohl»
thuende Thätigkeit, er ließ den erzbiscböf»
lichen Pcilast neu herstellen, erbaute fünf
neue Häuser für die Domherrn, schenkte
der Kathedrale einen kostbaren, auf viele
Tausende geschätzten Pontisical-Apparat.
Als im Jahre 1777 die königl. ungar.
Universität von Tyrnau nach Ofen ver-
legt wurde, übertrug ihm die Kaiserin
die oberste Leitung des ungarischen Stu-
dienwesens und ernannte ihn zum Prasi«
dentcn deS literarischen Senates für
ganz Ungarn. Auch da wirkten sein Ein»
fluß, sein Wissen und sein Eifer belebend
und ermuthigend, das Schulwesen hob
sich, die literarische Produktion, von ihm
aufgemuntert, begann sich zu regen und
die Kaiserin ehrte diese unverdrossene
Thätigkeit des Staatsmannes,im Jahre
1778 durch Verleihung des Großkreuzes
des St. Stephan-Ordens. Mit den ge«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon