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unvollendeten Bildung zur Scbau tra>
gend, zeigt er sich aber auf dem ernsteren
Gebiete der Geschichte; nichtsdestoweni.
ger, während seine Arbeiten in dieser
Richtung von der Fachkritik entschieden
zurückgewiesen wurden, erquickte sich
weidlich daran der Janhagel, dem das
Stoffliche genügte, um seine Leselust zu
befriedigen, dem aber Kenntnisse. Einsicht
und gesundes Urtheil fehlen, um die Be>
arbeitung des Stoffes zu prüfen, Lüge
von Wahrheit zu unterscheiden und auf
Rechnung des Parteistandpunctes ,;u
legen, was durch derbe, im Deco»
rationsfarbentone aufgetragene Darstel»
lung besticht und ungebildete Sinne vor«
weg einnimmt. Noch schlimmer ging es
ihm mit den Uebersetzungen, bei denen
seine vom Gesichtspuncte des geistigen
Eigenthums beanstandete Manipulation
zu wiederholten Malen öffentliche und
verdiente Zurückweisung erfahren mußte.
Hier folgen nun Patuz; i 'S im Drucke
erschienene Schriften nach dem Zeit«
Puncte ihres Erscheinens: „Nrr önstere
Herzllg". „Nie Canke i>e°l Erstgebornen". „Nie
todte .Schwester". Novellen, alle drei im
2. Bande der Sammlung: „Bunte Reihe
deutscher Original Novellen der beliebte-
sten Erzähler neuester Zeit" (Grimma
1840); — „Ne5 Wanderers Pilgerfahrt unt>
Heimkehr, Müerkrllnz" (Ulm 1841 , Neb-
ling, 42".); — „Schwäbische Zugen-Chranik"
(ebd. 1844. Heerbrandt u. Thämel.
gr. 12«.); — ^Drr Ehran nun Württemberg.
Dichtungen" (Chur 1848, G.Hitz. gr. 8".),
eine poetische Chronik des Hauses Würt-
temberg, unstreitig das Beste, was P.
geschrieben hat; — „Nünig und Zlebtissin.
Craurrspiel in drei Hutzligen nebzt einem 3m»
spiele", bildet die 14. Lieferung des bei
Wal l ishausfer (jetzt Klemm) in
Wien seit 1853 erscheinenden „Wiener
Theater'Nepertoirö"; — „Beschichtetester. reichs, dem Volke erzählt. Mit Illustrationen",
Heft 1—31 (Wien 1864, Wenedikt,
hoch 4".), dieses Weck wurde von der
Kritik entschieden abgelehnt. I n der dern
Schlüsse des Werkes beigefugten Ueber«
sicht der Künstler, Dichter, Schriftsteller
u. s. w. Oesterreichs hat P. natürlich
auch seinen Namen — und gewiß mit
Recht — eingefügt. Die Art und Weise
jedoch, wie er sich scibst beurtheilt,
zeigt ebenso wenig von schriftstellerischem
Tacte, wie von einer bei dergleichen
Arbeiten kaum zu entbehrenden Objecti-
vität, und wird doch dieses Selbstlob
seine Geisteskinder der Vergessenheit,
welcher sie für alle Zeiten verfallen sind.
nicht zu entziehen im Stande sein. I n
diesem Jahre erschien auch von ihm als
vollständige deutsche Ausgabe: „Grnsr
Aenlln's Beben Jesu, übersetzt" (Wien,
Wenedikt. gr. 8".. mit Renan's Portr.);
gegen diese Ueberfetzung legte ein Berli-
ner Verleger — wenn wir nicht irren,
Schlinge mann — entschiedene Vei>
wahrung ein, nachweisend, daß sie das
Plagiat einer in seinem Verlage heraus-
gegebenen Uebersetzung des Werkes sei,
an welcher nur die Anfangszeilen jedos
Capitels umgeändert sind, das Nebrige
aber wörtlich abgeschrieben ist. Es
ist dem Herausgeber dieses Lexikons-
nicht bekannt, daß P. irgendwelche
Schritte gethan, die Anschuldigung die-
ses ihm ernstlich vorgehaltenen literari»
schen Diebstahls irgendwie zu entkräften;
— die „GeschiHtc w Päpste" (Wien 1867,
Wenedikt, hoch 40.), an deren Vollen-
düng P. durch seinen Tod gehindert
wurde; jedoch wurde die Fortsetzung die«
ses WerkeS anderen Handen anvertraut.
Die „Neue freie Presse" schreibt über
dasselbe: „Welch riesiges Material
stand dem Verfasser zu Gebote, was
bringen aber die vorliegenden Hefte?
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon