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Pamlikoroski 398 Pawlis
dadurch besitzt diese Sammlung einen für
jeden wahren Kunstfreund unschätzbaren Werth
und mitunter einen Reiz ohne Gleichen. Die
Sammlung der Münzen und alten Urkunden
sind auch beide sehr reich und enthalten auch
manchen kleinen Schatz, jedoch stehen sie in
Bedeutung den vorbeschriebenen Collectionen
nach.
Noch ist ein Constantin CHolewa von
Pawl ikowsk i , gewöhnlich nur Parol i ,
kowski genannt (geb. in Galizien um das
Jahr 4802). bcmerkensroerth. Dieser ist. wenn
nicht ein Bruder des obenerwähnten Samm»
lers Johann Gua lbe r tP . , so doch ein
naher Verwandter desselben und seit mehr als
zwei Iahrzehnden in Wien ansässig, wo er
viele Jahre hindurch in der Vorderbrühl bei
Mödling, in der sogenannten Klause, lebte, in
der letzten Zeit aber in die Residenz zurück,
kehrte, wo er sich zur Zeit. aber sehr leidend,
aufhält. P. ist von großer Begeisterung für
Musik beseelt und legte eine werthvolle
und sehr reichhaltige Sammlung alter und
seltener Mufikalien an. die bei Kennern in
großem Rufe stand. Zu Anfang der Vier«
zigerIahre bewarb sich P. um di-e Pachtung
des k. k. Hof-Opcrntheaters, auch war die
Sache dem Abschlüsse schon ziemlich nahe,
kam aber schließlich doch nicht zu Stande.
Spater wurde sein Name in anderer, dieser
operistischen Richtung ziemlich entgegengesetz.
ten, viel genannt. P. hatte sich nämlich an
den katholischen Bestrebungen, welche seit den
Fünfziger-Jahren sich in Wien kundgaben und
gegen die rationalistische Richtung der Zeit
Front machten, in ganz entschiedener und
einerseits eigenthümlicher Weise, nämlich durch
die sogenannte „Iudenfresserei" hervorgethan
und bekannt gemacht. Einige Zeit aber, l831
bis 1837, glänzte sein Name auch unter den
Vorständen des Severinus-Vereins, später
legte er dieses Amt nieder. Wie bemerkt, ganz
besonders hatte P. es auf die Juden, die ge»
rade in den Fünfziger«Iahren an ihrer Eman»
cipation mit rastloser Energie arbeiteten, ab-
gesehen und war gegen dieselben in einer
Neihe von geharnischten Schriften aufgetreten,
in welchen er mit dem erstaunlichsten, einer
besseren Sache würdigen Eifer und Fleiße die
Materialien zu ihrer Verurthcilung (?) zu-
sammenbrachte. Diese Werke ließ er theils
in Wien, theils im Auslande drucken. Da
dieselben in den Bücherkatalogen von Kay'
ser, HeinsiuS und Kirchhof vergeblich
gesucht werden, so mögen sie als bibliogra- phische Curiosa ihrer Art mit ihren vollstän,
digen Titeln hier angeführt stehen. Es sind
folgende: „Eine Christenantwort auf die Iu<
denfrage". 3 Hefte (Wien l859/60, Mayer u.
Comp., 8o.); — „Hundert Bogen aus mehr
als fünfhundert altm und neuen Büchern
über die Juden neben den Christen. Ein lite»
rar«historischer Beitrag zur Geschichte der
Juden feit Christus. Zusammengestellt und mit
den nöthigen Negistern versehen", j . Aothlg.
(Freiburg im Breisgau <859, Herder. 8«.); —
„Die unschuldig verfolgten wehrlosen Juden
und Rebb Mayer Mintz. der Kämpfer für
Recht und Wahrheit" (Wien 1860. Mayer.
8".); — „Der Talmud in der Theorie und in
der Praxis. Eine literar-historische Zusam»
menstrllung" (Regensburg l866 Manz, 8°).
Seit dieser Zeit (1866) hat P. nichts mehr
erscheinen lassen. Wohl aber dürfte er auch
der Verfasser der viele Jahre früher erschiene«
nen Schrift.- „Ivrötka uauka o ckovie onieo
xoprann^ok, d. i. Kurze Anleitung zur Zucht
veredelter Schafe (Lemberg l840. Milikowski,
l2v, mit 5 Taf. Abbildungen), sein.
Pllwlis, Johann (Ton setz er und
Tonkünstler, geb. zuZditz in Böh«
men 43. Mai 1849). I n öechischen
Werken mit V, Pavl is . Im Alter von
12 Jahren erhielt cr Unterricht im Vio»
linspiele, ein Jahr sväter auf der Trom«
pete und machte die entschiedensten Fort»
schritte. Im Jahre 1834 kam er in's
Konservatorium nach Prag, wo er sechs
Jahre blieb und einer der besten Schüler
auf der Trompete war. Im Jahre 1840
wurde er Kapellmeister des 3. Huszaren»
Regiments. Aus Gesundheitsrücksichten
legte er schon zwei Jahre spater seine
Stelle nieder und kam im Jahre 1843
als erster Posaunist in's Orchester des
National-Theaters in Prag. Zu gleicher
Zeit machte er es sich zur Aufgabe, junge
talentvolle Musiker zu Kapellmeistern her«
anzubilden und zugleich schrieb er fleißig
Tonstücke für Militärcapellen. Im Jahre
1849 unternahm er eine Kunstreise durch
Süddeutschland und ließ sich in mehreren
Städten als Virtuos auf der Posaune
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon