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praktischen, vorzüglich administrativen
undUrbarialfragen, vor allem aber in den
Beschwerden der protestantischen Kirche
sehr bewandert. So wurde er denn auch
auf dem berühmten Landtage 4823/1827,
wiederholt für den kurzen des Jahres
4830, dann auf den vierjährigen von
1832/l836 und auf den des Jahres
4840 als Deputirter gewählt. Auf den
Landtagen von 4830 und 1832 war
P. einer der einflußreichsten Führer der
Opposition, in seiner Wohnung fanden
die Berathungen seiner Partei Statt, zu
welcher Männer wie Sornsich, Pon>
gracz. Thomas Ragaly i u. A. ge-
hörten. I n jeder großen Frage gehörte
P. zu den Matadoren der Opposition,
der alle Waffen seiner haarscharfen zu>
treffenden Logik auf die Gegenpartei
richtete. Viele tüchtige, praktische, un>
mittelbar auf das Wohl der Nation ein«
wirkende Gesetze, wie z. B. über Com-
mafsation, Feldpolizei u. a. m. wurden
von ihm angeregt und eingebracht. Er
war dabei kein großer Redner, warf
nicht mit Phrasen und bestechenden
Redensarten um sich, aber seine Vorträge
klärten die in der Verhandlung stehende
Frage auf, führten zur Forrnulirung der
Artikel und zur endgiltigen Entscheidung.
In den Landtagsverhandlungen sucht
man vergeblich nach oratorischen Meister»
stücken in Pg.zmaudy's Reden, dafür
aber sind die Protokolle der Landtage
gefüllt mit seinen gewichtigen, verständi-
gen, gründlichen Aeußerungen, welche
überall die erstaunlichste Detailkenntniß
der in jedem einzelnen Falle bisher be-
stehenden Legislatur, wie der speciellen
Verhältnisse bekunden. So fanden denn
die Wahlen von 1848 den damals
67jährigen Mann auf denselben Wegen,
welche er bereits im Jahre 1823 betreten
und auf denen er nahezu ein Vierteljahr» hundert, ernst, würdevoll und des großen
Zieles, auf das die Nation lossteuerte.-
sich vollkommen bewußt, einherschritt.
Man hatte ihm bisher die ihm langst ge<
bührende Obergespanswürde, eben weil
er Mitglied der Opposition war. immer
vorenthalten, der neue Minister des In-
nern ernannte P. sofort zum Obergespan
des Stuhlweissenburger Comitates, wel>
ches durch die nationale Regierung ihm
verliehene Amt P., wie alt er auch war,
gern antrat. I n dieser Eigenschaft nahm
er Theil an allen Sitzungen des Ober»
Hauses im Pesther Landtage und wurde
als eines der hervorragendsten Mitglie»
der, im September zum Mitglieds des
LandesvertheidigungS « Ausschusses er»
wählt. Altersschwache aber, vielleicht
auch Unzufriedenheit mit der späteren
Wendung der Angelegenheiten, ließen
ihn jedoch keinen bedeutenden Theil an
den Arbeiten des Ausschusses nehmen,
und diesem Umstände wohl mochte er
es zumeist zu verdanken haben, daß, als
auch er unter Windisch'Grätz einge.
fangen wurde, die Gefangenschaft, deren
Last auf das Leben des Greises kaum
ohne Wirkung geblieben sein mochte, von ,
verhältnismäßig kurzer Dauer war. Der
alte Dionys hatte seine politische Rolle -
ausgespielt, er hatte aber Sorge getra»
gen, daß auf seinen Schultern eine jüngere
Kraft, die 'seines gleichnamigen Sohnes,
sich erhob. P. erlebte nicht mehr den po-
litischen Umschwung in den Verhältnissen
seines Vaterlandes. Er starb wenige
Jahre nach der Bezwingung Ungarns
mit dem fleckenlosen Rufe eines echten
Patrioten von altem Schrot und Korn.
im Alter von.73 Jahren. Aus seiner
Ehe mit Judi th von Pöly.Nagy
hatte er nur einen Sohn, Dionys ^s. d.
Folg.^, der im Geiste seines Vaters an
dem von ihm geförderten Werke fortzu»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon