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theilte sie hinsichtlich der Comitate. Kaum
majorenn geworden, wurde er Vicege»
span des Komorner Comitates und bald
darauf in den ungarischen Landtag ge-
wählt, in welchem er so zu sagen auf den
Schultern seines verdienstvollen Vaters
emporklimmend, bald eines der bedeu-
tendsten Mitglieder der Opposition wurde.
Man vergleiche über seine vormarzliche
parlamentarische Thätigkeit, 3. Täth's
treffliche Charakteristik in Csengery's
„Ungarns Redner und Staatsmänner".
Bd. I, S. 376—391. Ernster Ereignisse
gewartig, traf auch ihn das.Jahr 1848,
in welchem er wieder in den Landtag
gewählt wurde. Am 8. Juli 1843 wurde
der erste Landtag in Pesth eröffnet.
Päzmändy war nicht anwesend. Er
befand sich damals mit Ladislaus Sza«
lay in Frankfurt a. M. als ungarischer
Gesandter bei dem deutschen Parlamente
imd bei der deutschen Centralgewalt.
Als am 40. Juli das Unterhaus zur
Wahl seines Präsidenten schritt, fiel die-
selbe auf den abwesenden Pä.z mä ndy.
Sie geschah durch Namenaufruf und mit
Stimmzettel. Um halb ein Uhr verlas
der Alterspräsident Palöczy ^s. d.
S. 246 dies. Bds.) das Resultat des
Scrutiniums. Unter 307 Abstimmenden
hattenDionySP.266, GrafTeleki27,
Nyäri 6, Stephan Bezersdi 2,
Szentkiraly i , Murgu, Länyai
und Kazinczy je 1 Stimme erhalten.
Als ihm diese Auszeichnung, welche zu-
gleich der Beweis eines außerordentlichen
Vertrauens seiner Nation war, nach
Frankfurt berichtet ward, eilte er sofort
nach Pesth zurück. Dort begrüßte ihn,
als er den Prasidentenstuhl zum ersten
Male einnahm, daS donnernde Ajen
der ganzen Versammlung. In schwierig,
ster Zeit verwaltete er sein so wichtiges
Amt. Einmal, am 9. August, bei Gele- genheit der Debatte über die Elementar»
schulen, überließ er seinen Platz zeitweilig
dem zweiten Viceprästs Grafen Pal f fy ,
um als Redner an dem parlamentarischen
Kampfe theilzunehmen. dessen Gewoge
alsbald um den edlen Kämpen und
sein Amendement emporschwoll, so daß
P 5 lffy zuletzt genöthigt war, die Sitzung
um 4 Uhr aufzuheben. In der Sitzung
vom 4. September, in welcher die Absen»
düng einer Deputation nach Wien an Se.
Majestät den Kaiser beschlossen wurde,
erklärte P., daß uur er als erwählter
Präsident des Hauses der Sprecher der«
selben sein könne, was auch angenommen
wurde. Die Deputation erhielt von dem
Landtage die gemessene Ordre, sich nicht
länger als 24, höchstens 48 Stunden in
der Kaiserstadt aufzuhalten und jeden
Aufschub über diese Zeit als abschlägige
Antwort zu betrachten. Ihre Aufgabe
war. Se. Majestät den Kaiser zu bitten,
die croatische und serbische Schilderhebung
deSavouiren und sobald als möglich in
die Mitte ihrer getreuen Ungarn kommen
zu wollen. Am 6. September Abends traf
die Deputation in Wien ein. Unter Be«
rathungen über die Anrede und erforder»
lichen Aenderungen in derselben ver»
gingen die Tage bis zum 9. September,
an welchem es in mehr als 80 Wagen
nach Schönbrunn ging, wo die Depu»
tation von Sr. Majestät empfangen wurde.
Auf die Anrede, welche Pä.zmändy
gehalten, erwiederte der Monarch, daß
er seiner geschwächten Gesundheit wegen
nicht im Stande sei, nach Ungarn zu
kommen, daß er ferner die bei dem unga«
rischen Landtag in Fassung befindlichen
Gesetze erst prüfen wolle, was jedoch als
keine Schmälerung der Märzerrungen-
schaften betrachtet werden solle, daß er
endlich die Integrität der ungarischen
Kronländer aufrecht zu erhalten wünsche,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon