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die bezüglichen Maßregeln aber dem
ungarischen Ministerium mittheilen werde.
So endigte die Audienz zu Schön-
brunn. Die Deputation kehrte auf der
Donau nach Pesth zurück, wo sie am
10. September Nachmittag ankam. Aber
die mittlerweile bekannt gewordene Nach.
richt von dem kais. Handschreiben an den
Ban gab der ganzen Situation ein
anderes Licht. In so stürmischer Periode
führte Päzmändy den Vorsitz im
Hause. Am 13. September begab er
sich an
der Spitze von sieben Mitgliedern zu dem
Erzherzog Palatin Stephan, um ihn im
Namen des Hauses zu bitten, er wolle das
Commando über die Drauarmee über«
nehmen. Am 30. September berichtete er
dem Hause über den ersten Zusammenstoß
mit den Croaten und daß sofort eine
Volksversammlung bezüglich des Land»
sturmes stattfinden werde. Am 8. Octo«
ber war auf den Mauerecken nächste«
hendes, „buchstäblich copirtes Placat" zu
lesen: „ I n der Nacht angelangte
neueste Nachrichten. General Roth
sammt seinem über 6000 Mann zäh-
lcnden Lager, 12 Kanonen und der
ganzen Kriegsmunition ist durch die
Obersten Moriz Perczel und Arthur
Görgey gefangen genommen worden.
In Wien ist eine Revolution ausgebro»
chen und nach Berichten des Regierungs-
commissärs im Oedenburger Comitate,
Alexander Niczky, der größte Feind
unseres Vaterlandes, der österreichische
Kriegsminister Graf Bai l le t 'Latour ,
aufgehängt worden. Unsere Truppen
ziehen dem Lager des Ie l laö iä ent>
gegen. Dionys Päzmandy". Indessen
nahmen die kriegerischen Ereignisse ihren
Fortgang. Pazmändy nahm noch
immer den Präsidentenstuhl ein. Am
Sylvesterabend 1848 legte er sein Amt
nieder. Ueber die Motive dieses Schrittes liegt nichts Authentisches vor. T6th
berichtet: „Als im December die Thron«
besteigung des Kaisers und Königs
Franz Joseph als gesetzlos erklärt
wurde, habe P Hzmandy der pragma-
tischen Sanction eine andere Deutung
gegeben, als Kossuth, der damalige
Dictator. Für dieses kühne Aussprechen
seiner Ansicht wurde er von den Lippen,
an welchen damals daS ganze Volk, also
auch Leben und Tod hing, mit irgend
Etwas bedroht, „was auch der zehnte
Mann nicht liebt"; seit dieser Zeit wurde
er mißmuthig. I n der dunklen Sylvester«
nacht sprach er den Beschluß aus, welcher
die Deputirten nach Debreczin beorderte,
er selbst aber blieb zu Hause." Nach Eini<
gen soll er an den Fürsten Windisch«
Grätz einen Brief geschrieben haben,
worin er denselben um Vergebung seiner
revolutionären Sünden bat, worauf der
Fürst dem rmmüthigen Patrioten Par»
don habe angedeihen lassen. Für die
Wahrheit dieser Vorgänge liegt nichts
vor, denn die von einem F. N. verfaßte
Schrift: „Ungarns politische Charak»
tere", welche diesen Hergang berichtet, hat
nicht geschichtliche Glaubenswüldigkeit.
Nachdem P. sein Amt niedergelegt, zog er
sich von allem politischen Treiben zurück,
begab sich nach Baracska, wo er die
letzten Jahre seines Lebens, das im
schönsten Mannesalter von erst 40 Iah-
reu endete, der Erziehung seiner Kinder
und der Bewirthschastung seiner Güter
widmete. P. war mit 3yd ia Do m on>
kos verheirathet, welche ihm drei Söhne
und zwei Töchter gebar. Die ersteren
sind B6 la . Dionys und Geysa, die
letzteren Wi lhelmine, vermalte Otto
Lonyay, und Serena.
Ungarns politische Charakter«,'. Gc»
zeichnet uon F. R. (Mainz 183l. I . G. Wirth
Sohn. 8<>.) S. 163. — Levit schnigg (Hein-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon