Seite - 413 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
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Peche 413 Peche
erschloß ihr eine neue Welt, in der sie
bald heimisch werden sollte. Sie trennte
sich von ihren Schlangen, verließ die
Menagerie und trat mit ihrer Schwester
in das Chorpersonale des Bonner Thea
ters. In einer kleinen Rolle, die man
der' Choristin anvertraute, riß sie das
Publicum zur Bewunderung hin. Als
dann in einer kurzen Zeit die erste Lieb»
haberin erkrankte, übernahm die P. an
deren Stelle die Rolle der Jul ie in
„Romeo und Julie". Der Erfolg war ein
über alle Maßen herrlicher. I n Bonn
sah sie auch Aug. Wilh. von Schlegel,
der eben von ihrer Jul ie bezaubert
ward und sofort von ihr den Ausspruch
thai: „Sie bedürfen keiner gelehrten
Anleitung. Sie besitzen alles Wesentliche
und Ihr schönes natürliches Gefühl wird
Sie am sichersten leiten". Von Bonn, wo
mittlerweile ihr Ruf sich zu steigern und
verbreiten begann, ging sie nach Ham«
bürg, wo sie wieder außerordentlich ge«
siel. Von Hamburg kam sie an das
damals blühende-Darmstädter Hofthea«
ter, indem der Großherzog von Darm«
stadt die Hamburger Bühne für die
frühere Lösung ihrer Verbindlichkeiten
entschädigte. In Darmstadt spielte sie
nur erste Partien. Bald aber verbitterten
ihr Intriguen aller Art den Aufenthalt
so sehr, daß sie die erste Gelegenheit
wahrnahm, um ihr lebenslängliches En«
gagement gegen eine maßige Entschadi»
gungssumme zu lösen, worauf sie nach
Stuttgart und von dort nach einiger
Zeit, 1839, nach Wien ging, wo sie von
nun an als Mitglied der Hofbühne bis
zu ihrer Pensionirung Ende Mai 1867
in Thätigkeit war. Zwar war ihre Pen-
fionirung schon im April 1836 beschlossen
worden, aber sie wurde wieder rückgän«
gig gemacht. Jedoch trat sie in diesem letz«
ten Decennium nur mehr selten auf. I n früherer Zeit gab sie auf vielen deutschen
Bühnen Gastspiele mit glänzendem Er«
folge. Zu ihren Glanzrollen gehörten
außer der schon erwähnten Jul ie die
Marianne inGöthe's„Geschwistern",
die Recha im „Nathan", Thekla im
„Wallenstem", Annette in Bauern«
feld'S „Selbstquäler", die König in
von sechzehn Jahren, eine ihrer
herrlichsten dramatischen Gestalten, Mi«
randa, Emil ie Galot t i , diePor»
t ia. Ophel ia, die Vorleserin, die
Belle Is le in den „Gönnerschaften",
Marie in Müller und sein Kind",
Coronna von Saluzzo, Klarchen
in „Egmont", Marie in „Clavigo",
die Königin in „Don Carlos", die
Agnes Sorel in „Jungfrau von Or«
leans". Frau Peche zählte während der
ersten Hälfte ihrer 37jährigen Wirksam»
keit an der Wiener Hofbühne zu den
Zierden derselben. Sie repräsentirte die
harmonisch vollendeten zarten und sinni«
gen Frauengestalten; alles Scharfe, Ge»
waltsamwirkende, Schneidende, Grelle
war ihr fremd, der Reiz ihrer äußerst
lieblichen Erscheinung floß mit der Melo«
die der Stimme wunderbar zusammen
zu großer Wirkung, alles Umstände,
welche ihr den Uebergang in ein älteres
Fach geradezu unmöglich machten. Sa»
phir bemerkt treffend von Frau Peche:
„sie ist die Besitzerin der Kunst, die
Schönheit der Gestaltungen in ihren Rol«
len dadurch rein und klar hervortreten
zu lassen, daß sie zu dem Gefühle die
Bi ldsamkeit , zur Empfindung
das Maß und zur Leidenschaft die
Grenze hinzuzusetzen weiß. D.as zeit«
gemäße Element aller Kunst ist Mäßi-
gung und an diesem Elemente sind die
Darstellungen der Dlle Peche gezeitigt,
von diesem Elemente haben sie süßen
Feuerwein, milde Gluth und seelener-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon