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Pecr 426 Peer
graph, und pm Viertel ernannte ihn zu
seinem Sprecher auf dem denkwürdigen
offenen Landtage von 1790. wo er sich
ebenso durch seine gediegene Geschäfts,
kenntniß. als durch seinen Freimuth und
echte Vaterlandsliebe hervorthat. Im
I. 1792 stellte Leopold I I . die Inns
brucker Hochschule wieder her und Peer
wurde Professor des römischen Rechts.
Im Jahre 4797 wurde er in Anerken
nung seiner Verdienste in den Adelstand
erhoben, 1799 Rector der Innsbrucker
Hochscbule, 1803 Appellationsrath und
1803 Director des juridischen Studiums.
Die politischen Ereignisse, welche blutig
genug über Europa hereinbrachen, ließen
auck das von Bergen eingeschlossene
Tirol nicht unberührt. Die Kriegsjahre
1796. 1799. 1800 — vom Tiroler
Bauer in fröhlichem Uebermuthe auch
die Perücken« oder Diätendefenfionen ge«
nannt — waren nur mehr Vorbereitun«
gen für die Jahre 1803 und 1809 ge-
wesen. in welchen die Landesvertheidi-
gung Tirols sich unsterblichen Ruhm er«
worben. Im letztgenannten Jahre hatten
innerhalb vier Monaten die Tiroler
außer der Capitulalion von Wiltau. die
vier Treffen am Berge Isel. jene bei
Mittewald und Pruh geschlagen und mit
eigener Kraft drei Feindesheere in
Schmach und Verderben geschleudert.
Bei den furchtbaren Conflicten dieser
großartigen Epoche waren, wie Peer's
Biograph schreibt, die Blicke der Guten
und Besten insonderheit auch auf Peer
wie auf den Cato ihres Landes gerichtet.
Seine Anhänglichkeit an Oesterreich und
an die alte Verfassung, seine Standhaf»
tigkeit in den finstersten Augenblicken,
seine immer gleiche Sprache und Gesm-
nung waren in der That bewunderns«
werth, und er, dessen lebendiges Wort
und Schrift durch eine Reihe von Iah. ren zur Bildung der tirolischen Jugend
so machtig gewirkt hatten, bestand nun
auch die Feuerprobe der That und des
vorleuchtenden Beispiels. Mit alt.
römischer Charakterfestigkeit, mit alt-
deutscher Biederkeit, mit einer von Rilck.
sichten und Nebenzwecken freien jugend<
lichen Thätigkeit, war er dem österreichi»
schen Hofcommissariat eine starke Säule
in den Augenblicken einer beispiellosen^
anhaltenden Vergessenheit und Verlas,
senheit. Ihm hatte Hormayr , sein
Schüler, vorzüglich die in den beiden
Psingsttagen — den Tagen von Aspern
— aufwallende Begeisterung von Pas.
seier und Meran zu verdanken, die so
wesentlich einwirkte auf den 28. und
29. Mai, welche die zweite Befreiung
des Landes herbeiführten. Auch nach der
dritten Befreiung im August, nack dem
Rückzüge des Marschalls Herzogs von
Danzig, als bis nach dem Frieden, bis
Anfangs November an der Spitze der
Verwaltung und Vertheidigung der
Name des durch seinen Opfertod unver»
geßlicken Andreas Hofer stand, war
Peer's Einfluß stets wirksam zur Auf.
rechthaltung der gesetzlichen Ordnung,
zur Niederhaltung gemeiner Selbstsucht
und zügelloser Leidenschaften. Die baye.
rische Regierung, unter welche Tirol nun
gerieth, ließ P. seinen österreichischen
Patriotismus entgelten; er wurde sofort
von seinem Posten entfernt und kam zu
dem altbayerischen ApMationsgerichte
nach Burghausen, wo sich jedoch sein
biederer Charakter alsbald Achtung ver«
'chaffte. Dort blieb er bis zur Wieder«
Vereinigung Tirols mit Oesterreich im
Jahre 1814. Nun kehrte P. in seine
heimatlichen Berge zurück, wurde dann
nach Wien als Hofrach des obersten
Gerichtshofes berufen und kam schon
1813 als Stadt- und Landrechts-Präfi-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon