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Naffael 216 Vaffael
Raffllel, Ignaz Wenzel (Compo-
nist, geb. zuMünchengrätz in Böh»
men 16. October 1762, gest. zu Wien
23. Februar 1799). Ei erscheint auch
öfter Raphael geschrieben. Besuchte
die Schulen in Prag, wo er auch Unter»
riG im Gesänge und Clavierspiele er-
hielt. Nach beendeten philosophischen
Studien trat er !m Stifte Hohenfurth
in den Cisteicienselorden und wurde von
seinen Oberen nach beendeten Probejah»
ren nach Prag geschickt, wo er die theo»
logischen Studien mit ausgezeichnetem
Erfolge zurücklegte und sich bereits den
strengen Prüfungen daraus unterzog,
als er im Jahre 1785 mit einem Male
anderen Sinnes wmde und um Entlas»
lafsung aus dem Orden bat. Seine große
Neigung zur Musik, der er sich fortan
ausschließlich zu widmen vor hatte, soll
Ursache dieses Berufswechsels gewesen
sein. Er wirkte nun als Tenorsanger
und Orgelspieler, nach beiden Seiten hin
Bewunderung erregend. Nun folgte er
einem Rufe nach Pesth als Director deS
dortigen Theater»Orchesters, in welcher
Stellung er mehrere Jahre blieb, dann
begab er sich nach Wien, wo er bald in
musikalischen Kreisen freundliche Auf»
nähme und vielfache Anregung fand. I n
Wien verlegte er sich auch auf Composi»
tion und schrieb Mehreres im Kirchen»
und Theaterstyle, waS Beifall fand. Be-
sonders gesielen mehrere Lieder seiner
Komposition, und ein Ballet, betitelt:
,Das Veilchenfest"; seine Canons waren
zu seiner Zeit so beliebt, daß sie in Wien
von Musikfreunden mit besonderer Vor>
liebe vorgetragen wurden. Sein mü'sika-
lisches Talent mag ihm auch in Wien
einflußreiche Freunde erworben haben,
denn er erhielt bei dem k. k. geheimen
Zahlamte daselbst eine Anstellung als k.k.
Raitofficier, in welcher er bis zu seinem früh erfolgten Tode — er starb, erst
37 Jahre alt — verblieb. Seinen Tod
meldeten die damaligen Blätter wie folgt:
„Die Tonkunst beklagt den Hintritt R.'s,
der mit oen glücklichsten musikalischen
Talenten begabt war, wodurch er der
Liebling aller Derjenigen wurde, welche
seine Compositionen, seine angenehme
Tenorstimme und sein vortreffliches Spiel
auf dem Piano zu hören Gelegenheit
hatten. Er hat sich im hohen Kirchen»
gesange, in Theatralcompositionen und
in Liedern mit gleich gutem Erfolge ge>
zeigt . . .". Von seinen Compositionen
sind im Stiche erschienen: „Z ^e>« va-
ne" (Offenbach 1793), erscheint al«
cemöaio« (Wien 1796, 4«.)'.
" (ebd., Fol.); —
„Marsch lieg niederüsterreich. stünaischln Ourpl
der Fieillilüssm" (Augsburg, bei Gombart,
1796 5); — „Märsche der löblichen Menkr
Mlgerschalt zurLeit dkz allgemeinen Aufruf»"
(ebd.); — „GretI nnd O°i>I. Gin Neb"
(Wien); — ,Vikd der Freude bei Anknntt
dl5 Glzherpgs Uarl" (Wien 1796); —
„Antini eines Gelterrkichers an ziine Nlitkrü-
der. Gin Vlllkzgrsang, beim «Manier in NnziK
grzüst" (ebd. 1797). Außer diesen im
Stiche erschienenen Stücken sind noch
anzuführen die Kirchencompositionen:
„N°5 Vater Dnser" und ein „?s ^)s«,n
?n«ckn?nl«", welche beiden Werke man
erhaben und voll hohen Schwunges
fand; die Theater>Compositionen: „3»z
Neüchenüsi« , Ballet 1793, ein Mu°
ster sogenannter Nusio«, pailante; —
„Pizgmlllilln", Ballet, und „Virginia", Me»
lodram. — R. war mit einer Pragerin,
Namens Girzik, verehlicht. Sie war
an dem Theater in Linz angestellt gewe»
sen und hat, ihren Gatten überlebt. Ich
habe bei K n r l F ranz R a f a e l die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon