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Naffeiner 224 Naffeiner
Jahre 1826 führte er sein Vorhaben,
Priester zu werden, aus und erlangte am
1. Mai g. I . zu Briien die h. Weihen.
Nun wirkte er als Seelsorger, und zwar
zuerst als Frühmesser auf der Haid. spater
in Glurns, hatte aber seiner unentgelt»
lichen ärztlichen Praxis wegen, die er
im Vintschgau ausübte, manchen harten
Strauß mit den dortigen Wundärzten zu
bestehen ;daec aber bei einer ausgedehnten
Lungenkrankheit im Vintschgau von den
kaiserlichen BeHorden selbst aufgefordert
wurde, die ärztliche Behandlung der
Kranken zu übernehmen, hatte er auch
von dieser Seite Ruhe. Nach Errichtung
des Irrenhauses in Hall, wurde er zum
Caplan daselbst ernannt und wirkte zwei
Jahre auf diesem Posten. I n Hall bat er
um die Erlaubniß, in die Mission treten
zu dürf.'n, welche er auch erhielt, worauf
er im Späthecbste 1832 als Missionär,
bestimmt für die Diöcese Cincinnati in
Nordamerika, abreiste. In New'Uork
begann er sein Missionswelk. Das katho»
lische Leben der Deutschen war dort zu
jener Zeit völlig eistorben. Nach Beste»
gimg vieler Hindernisse kam durch seine
eifrige Mitwirkung die hölzerne Nikolaus,
kirche zu Stande. Allmällg erhoben sich
im Laufe der Jahre durch seine Mit»
wirkung in New'Iurk und der Umgebung
dreißig Kirchen. Aber auch auf die ferne-
ren Gegenden richtete R. sein Augenmerk
und wurde Gründer der ersten katholischen
Kirchen in Buffalo. Uttika, Rome, Syra»
kuS, Constableuille u. a. O. Bis Paterson
und Macapan drang er vor zu einer Zeit,
als noch keine Eisenbahnen diese fernen
Punkte näher rückten. Im Jahre 1841
siedelte R. nach Williamsburg im Staate
Rhode Island über. Dort erbaute er die
Dreifalügkeitskirche zuerst aus Holz.
kaufte dann in der Nähe an dreißig Bau>
Plätze, die später zum Friedhofe und zum Neubaue der schönen Dreifaltigkeitskirche
dienten. Im Jahre 1843 unternahm er
eine Reise nach Europa, um Missionäre,
an denen sich der Mangel in Amerika
fühlbar machte, zu werben. Nach seiner
Rückkehr ernannton ihn zwei Bischöfe,
jene uon Brooklyn und Neuark, welche
aus der. Mutter-Erzdiöcese New-Iork
hervorgegangen waren, zu ihrem Gene.
ral-Vicar. I n jeder Weise förderte R.
das katholische Leben in den ihm zuste»
henden Gemeinden, vornehmlich aber
durch Ermunterung und Unterstützung
katholischer Journale. Daß eü dabei an
Angriffen und Unbilden gegen ihn man»
nigfacher Art nicht fehlte, wird für Jene,
die nur einigermaßen die nordamecikani»
schen Zustände und die dort herrschende
zügellose Ungebundonheit kennen, keiner
Versicherung bedürfen. N. trat derglei>
chen Rohheiten bald mit Geduld und
Sanftmuth, bald mit Humor und Ge>
müihlichkeit entgegen. I n seiner Wirk»
samkeit als Missionär und besonders
folgende Momente hervorzuheben: sein
Widerwille gegen w a n d e r n d e M i s»
sionen, die ihm als schauspielermäßig,
des heiligen Missionszweckes unwürdig
erschienen, und dann seine Abneigung
gegen die sogenannte Kirchenmusik
aus Blech» und Holzinstrumenten, die er
und mit Recht durch den ungleich schöne»
ren und der Kirche würdigen Choral —
wie solcher im protestantischen GotteS»
dienste so erhaben hervortritt — erseht
wissen wollte. Nahezu drei Iahrzehende
hatte N. in segensreichster Weise in
Nordamerika gewirkt, aber dabei auch
seine Heimat nicht vergessen. Er ist
Stifter von vier nach ihm benannten
Stipendien, deren zwei für Söhne der
Verwandten und zwei für arme Iüng.
linge aus den Gemeinden Mals.
Glurns, Matsch und Haid bestimmt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon