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Rom ein. Welchen überwältigenden Ein»
druck dort die Werke eines Raft h ae l,
Michael Angelo, Paul Veronese,
T i t ian auf den Künstler machten, muß
einer eingehenderen Biographie überlas»
sen bleiben; um aus der verzehrenden
Bewunderung herauszukommen, sich so»
zusagen selbst zu retten, mußte er zur
That schreiten und sich wieder mit dem
ganzen heiligen Eifer, der ihn sein Leben
lang nicht verließ, der Arbeit zuwenden.
Er miethete ein Atelier in der Nähe des
Malers Riepenh ausen und legte nun
Hand an ein neueS Bild: „Hagen und
Volker vor der Thüre der Chriemhildc".
Mit dem zweiten Werke, welches er da>
malS in Rom schuf, gewann er einen für
den Sohn wie für den Künstler gleich
schonen Erfolg, es war nämlich das
Stciffeleibild: „Der Schwur der drei
Schweizer auf dem Rütli" , das der
eigene Vater, um das treffliche Werk des
Sohnes durch den Stich zu vervielfälti.
qen, in größter Dimension in Kupfer
stach. Mehrere Aufforderungen deö Va>
ters. in die Heimat zurückzukehren, wußte
R. durch seine Beschäftigung mit stets
neuen Entwürfen und durch Nachrichten
über andere, bereits begonnene Arbeiten
zu vereiteln, und in der That entstand
unter anderen damals sein großes Histo»
rienbild: „Karl von Anjou findet auf
dem Schlachtfelde von Benevent die
Leiche Manfred's", welches er im Jahre
1838 seinem Vater nach Wien schickte,
wo es vom Allerh.,Hofe für die Belve-
dere'Gallerie angekauft ward, gewiß nicht
zu dem Zwecke. um, wie es leider der
Fall, zusammengerollt in den Magazinen
des Belvedere zu liegen. Glücklicher war
sein zweites: „Die Christenverfolgung",
welches Dr. Abend roth in Hamburg'
erwarb und das sich nun im Besitze des
Consuls Wagener in Berlin befindet. Nun kam R. wohl in seine Heimat, ver»
weilte aber nur ein Jahr in derselben
und kehrte, um seine Arbeiten fortzusetzen,
nach Rom zurück, das ihm eine zweite
Heimat geworden, und wo neben den
Werken der Kunst auch der Umgang mit
gleichstrebenden Künstlern, namentlich
mit dem berühmten Landschafter Jo-
seph Anton Koch sBd. XII, S. 184),
im hohen Grade anregend und fördernd
auf ihn wirkte. R. blieb nun bis zum
Jahre 1843 ununterbrochen in Rom. in
diesem berief ihn der Tod seines Vaters
nach Wien zurück. Mittlerweile war sein
Name durch die häufigen Sendungen
seiner Werke in die Kaiserstadt ein be»
rcits gefeierter, so daß bei seiner Ankunft
der Schmerz um den Verlust seines ge.
liebten Vaters durch die ihm von allen
Seiten gewordene ehren» und theilnahms»
volle Aufnahme einigermaßen gelindert
wurde. Ihm wurde damals die Aus»
zeichnung zu Theil, die Skizze zu einem
historischen Bilde Sr. Majestät dem Kai-
ser vorlegen zu dürfen, welche solchen
Beifall fand, daß er mit der Ausführung
desselben im Großen beauftragt wurde.
Gs ist das Bild: „König Manfred's fest.
licher Einzug in Luceria", welchem trotz
der kaiserlichen Bestellung gleiches LooS
wurde, wie dem oben erwähnten Gegen»
stücke: „Karl von Anjou bei Manfred's
Leicke". Nachdem er seine häuslichen
Angelegenheiten in Wien geordnet, kehrte
er wieder nach Rom zurück, wo er bis
zum Jahre 1843 blieb, in welchem er,
dem Rufe einiger Freunde folgend, über
Dresden, Berlin, Hamburg nach Hol»
stein reiste, wo ihn der dortige Adel viel.
fach beschäftigte. Nach mehrmonatlichem
Aufenthalte in Holstein ging er über
Belgien nach Paris, wo er von Seite
des österreichischen Botschafters Grafen
Apponyi in auszeichnender Weise auf»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon