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genommen wurde und damals dessen und
seiner Tochter, einer vermalten Gräfin
Eß te rh äzy.Bildniffe malte. Von Paris
eilte er nach Rom zurück, wo er an die
Ausführung der bei ihm bestellten Arbei-
ten ging und auch genug neue Austräge
erhielt. Nachdem er sein Gemälde:
„Manfred's Einzug in Luceria" vollen-
det, überbrachte er dasselbe im Jahre
t84? selbst nach Wien und folgte von
dort einer neuerlichen Einladung nach
Holstein, wo an ihn auch eine Einladung
des Königs Christi an VII I . gelangte,
die ihn nach Kopenhagen berief. Dort
vollendete R. das Bildniß des Königs
und mehrerer Mitglieder des dänischen
Adels, und sollte eben die Ausführung
einer Gallerie der berühmtesten Dänen
für das Museum in Friedrichsburg über»
nehmen, als der Tod deS KonigS dieses
Vorhaben vereitelte. R. beabsichtigte
nun, wieder in sein römisches Atelier
zurückzuführen, reiste sofort nach Paris,
wo er den König Ludwig Phi l ipp
malen sollte, aber gerade ankam, als der
König auf der Flucht Paris verlassen
hatte. Die Ereignisse in Deutschland,
noch mehr jene im eigenen Vaterlande
ließen ihn nun seine Absicht, nach Rom
zurückzukehren, aufgeben. R. blieb in
Deutschland, dort trieb ihn seine glü»
hende Begeisterung für die deutsche Sache
auf die Rednerbühnen für die Wahlen
zum deutschen Parlamente. Vogt in sei»
ner vortrefflichen Charakteristik dieses ur>
wüchsigen Künstlergenies ^siehe dieQuel-
len G. 24t^ gibt in wenigen Zügen ein
drastisches Bild der damaligen Wirksamkeit
Rahl's. Dann begab sich der Künstler
auf den Kampfplatz nach Schleswig-Hol»
stein. Kurz vor seinem Eintreffen daselbst
hatte aber die preußische Regierung den
Separatfrieden von Malmö geschlossen,
der daS arme. nicht gerüstete Land nun völlig der Wuth des Feindes preisgab.
Mißmuth und Groll im Herzen, trat
Rahl die Reise nach Wien an. Dort
nahm ihn die akademische Legion in das
Künstlercorps auf und schickte ihn —
wahrhaftig zu des Künstlers Glücke,
de»:n wäre er in Wien geblieben, er wäre
entweder auf denBarrikaden als Kämpfer
gefallen oder hätte vielleicht ein Loos wie
Blum und Messenhauser gefunden
— kurz vor Augbruch der October-Revo°
lution — in's Studentenparlament nach
Eisenach. An eine Rückkehr nach Italien
war unter den damaligen Verhältniffen
nicht zu denken; ein Aufenthalt in Wien,
wo damals und in nächster Zeit Alles
unter dem Drucke einer Reaction seufzte,
der kaum geringer war, als jener der
Revolution, war für einen Mann von
Rah l's Gesinnung auch nicht angenehm,
so zog er denn vor der Hand nach dem
friedlicheren München, wo er ein histori-
sches Bild, welches ihm Graf Ugarte
schon im Jahre l846 aufgetragen hatte:
„Leopold der Tugendhafte auf den
Mauern von Ptolomais", in Angriff
nahm. Dann folgten „Arion" und „Bo>
reas", welche er nach Wien schickte, wo
beide eine sehr beifällige Aufnahme fan»
den. Im künstlerischen Verkehre mit
G e n e l l i . B e r d e l l a , S tange ,
Z! mmermann u. A. verlebte R., zum
Schaffen und zu Studien vielfältig an-
geregt, längere Zeit in der Isarstadt, um
endlich im Jahre 1889 einer ehrenvollen
Berufung an die Wiener Kunstakademie
zu folgen. Enthusiastisch strömten ihm
die Schüler zu, und die bedeutenden
Fortschritte, welche dieselben unter feiner
Leitung machten, gaben glänzendes Zeug-
niß für die Aufopferung und Beharrlich«
keit, welche Rahl in diesem neuen Be»
rufe an den Tag legte. Aber dieser künst»
lerische Pädagogen»Lenz war nur von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon