Seite - 237 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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Nahl. 237 Nahl
wir geschlagen weiden. DaS ist daö ein
zige Mittel, um aus diesem Sumpfe hev
auskommen. Aber lange wird die Wir
kung nicht vorhalten." Rahl — obwoh
der Liebe nichts weniger als fremd —
blieb unvcrmalt. Noch in seinen späteren
Jahren war Hymen dem Künstler in
Gestalt eines anmuthigen Mädchens ge
naht. von dem mehrere Bilder in die
Oeffentllchkeit gekommen find. Das Mao
chen aber, welches dem Künstler anfäng
lich selbst zugethan schien, hatte denselben
plötzlich verlassen und war einem junge-
ren Manne — in ein kümmerliches Leben
— gefolgt. Der Verlust der Geliebten
und vielleicht auch die Art desselben hatte
den Künstler hart getroffen. Das Schwerste
war überwunden, aber, so schreibt ein
Biograph, der dem Verblichenen nahe
gestanden, immer ist es mir, cils habe
die markige Stimme an Festigkeit ver»
loren und das Auge ein feuchter Glanz
überzogen, wenn er der Verlorenen ge»
dachte. Auch meldeten bald nach seinem
Hingange die Vlälter. daß in einem
Städtchen, unweit Brunn, die Gattin
eineö geachteten Geschäflsmanncs — die
einstige Jugendliebe Rahl 's — lebe.
Der gefeierte Künstler besuchte später oft
noch daS Ehepaar und habe ei> gewöhn»
lich mit künstlerischen, von seiner Hand
gefertigten Arbeiten beschenkt. — Wie
auch schon in dieser Skizze erwähnt wor>
den, hat Rahl nach dem Verluste seiner
Stelle in der Kunstakademie im Jahre
1880 in seinem eigenen Atelier eine
Kunstschule eröffnet, welche von Jahr zu
Jahr an Zöglingen zunahm. Von denen,
die stch seither, in seinem Geiste ihr Ta-
lent ausübend, selbst in der Kunstwelt
einen Namen gemacht und mit einem
gewissen Stolze als Rahlsche Schü»
ler bezeichnet werden, sind zu nen»
nen: B i t t e r l i c h , R a h l'S rechte Hand bei seinen Arbeiten für S ina,
Todesco , Gustav G a u l , Grie»
penkerl, Mant ler , Georg Mayer,
Otto. Romako, die Ungarn Than
und Lotz. — Was nun die Ehren be»
trifft, die dem Künstler außer der ihm
bei Lebzeiten von allen Kennern gezoll»
ten Anerkennung und den bereits er»
wähnten, im Vaterlande erwiesenen Aus»
zeichnungm sonst noch zu Theil gewor»
den, sei bemerkt, daß ihn Griechenland
und Oldenburg mit ihren Orden auSge»
zeichnet, der Großherzog von Oldenburg
ihn zu seinem Hofmaler ernannt, die k.
Akademie der bildenden Künste in Mün»
chen, die «oai« äes deaux arts zu Brüs»
sel und verschiedene andere Gesellschaften
zu ihrem Mitgliede und daS freie deutsche
Hochstift zu Frankfurt a.M. zum Meister
erwählt haben. Die Wiener Commune
aber sehte dem edlen Künstler dadurch
ein bleibendes Denkmals daß sie die neue,
zunächst der Fasangasse eröffnete Gasse
nach seinem Namen „Rahlgasse" be>
nannte. Rahl starb in der Vollkraft
seines Lebens, im Alter von kaum
83 Jahren. Er war in den letzten Iah»
ren beständig — mitunter schwer — le!»
dend, und ahnte selbst die Gefährlichkeit
eines Zustandes, der sich namentlich in
drückenden, dumpfen Kopfschmerz kund»
gab. Jedoch bei den räthselhaften Er>
cheinungen seines Krankheitszustandes,
gelang es nicht, die Diagnose desselben
bei Lebzeiten richtig zu stellen, erst die
Obduction ergab einen acuten Verfet»
tungsproceß des Nierenepitels mit Hirn»
durchfeuchtung als Ursache seines TodeS.
2e!n Leichenbegängniß, daö am 12. Juli
1868 stattgehabt, war feierlich; die
Künstler Wiens, denen er im Leben nicht
'elten schroff gegenüber gestanden, ge>
dachten nach seinem Tode nur seiner Be>
deutenheit als Künstler und hatten stch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon