Seite - 238 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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fast vollzählig zur Bestattung eingefun-
den. Eine Stunde nach seinem Tode
zeichnete Griepenkerl den Kopf des
Meisters, den der Tod nur unmerklich
verändert hatte. Rahl liegt auf dem
Schmelzer Friedhofe begraben. Ueber die
Vernachlässigung seines Grabes wurde
erst vor wenig Jahren — 1867 — bitter
geklagt. Bald nach seinem Tode hatte
wohl Hansen ein Grabmonument für
seinen liebsten Freund entworfen. Gin
Frescobild: «Der Meister wird vom
Todesengel in's Schattenreich hinabge»
führt", nach einer Skizze Bitterlich's,
sollte es schmücken. Bis t867 war jedoch
nichts weiter geschehen. Wohl ist Bit»
terlich erst jüngst selbst dem Künstler
und Freunde in's Jenseits gefolgt. Das
Veizeichniß seiner bedeutendsten Werke,
einzelne Verfügungen aus seinem Testa-
mente und einige Aussprüche der Fachkritik
über ihn fiehe in den Quellen.
I. Uebersicht der uorznglichsten Werke des Ma-
lcr« Karl Nahl. Meine Absicht, ein vollstän-
diges Verzeichniß seiner Werke zu bringen,
scheiterte an dem Umstände, daß viele der«
selben — namentlich die Bildnisse — sich
im Privatbesiße, befinden und dieselben über«
Haupt nie in die Oeffentlichkeit gelangt sind.
In der kurzen Zeit, die ihm zu schaffen ge<
gönnt war, hat er doch überraschend viel ge>,
macht, eenn nach Angaben von Personen,
> die dem Künstler nahe gestanden und sein
Bilder>Verzeichnih eingesehen haben mochten,
hat er 3 Landschaften, 19 Genrebilder, 20 re.
ligiöse Gemälde, meist große Altarblätter,
46 Studientöpfe, 60 Historien und mytholo-
gliche Bilder und 420 Porträts, im Ganzen
also über !>7Ü Staffeleioilder, gemalt. Hier
folgt nun ein Verzeichniß seiner bedeutendsten
Werke, und zwar zuerst die Altarbilder, dann
die historischen und mythologischen und zuletzt
die Viloniffe interessanter oder historisch be
deutender Persönlichkeiten,
i,) Altarbilder. „Madonna sitzend, mit dem
Kinde im Schooße". 1829; — „Taufe Christi",
1880, dieses und das vorige in der Pfarr-
bofcapelle zu Bromberg; — »Der H. Flo>
rian", in der Kirche des Marktes Aspang; — „Ein H. Florian", Altarbild in der Pfarr>
kirche zu Höllenthon; — „Der H. Michael",
Hochalwrbllltt im Stifte Reichersberg"; —
„Die Vermälunss Mariens«: — „Der H.
Joseph von Calafanz", dieses und das vorige
für die Vialistenkirche in der Ioftphstadt in
Wien. 1841; - „Maria Himmelfahrt", Far>
benskizze, 1848 Eigenthum des Herrn Tb,
Hansen, — in der von Hansen im by-
zantinischen Style umgestalteten griechischen
Kirche am altm Fleischmarkt in der innern
Stadt Wien die Bilder der Fa?ade und im
Vestibüle, und zwar über dem Portale: „Die
h, Dreieinigkeit"; zwischen den Mittelfenstern:
„Die H, Katharina", „Der H, Simon"
und „Der H, Georg"; im Vogenfelde unter
dem Thurme: „Die H. Madonna mit dem
Kinde, vor der zu beiden Seiten Engel mit den
Lilien anbetend knien", alle auf Kupfertafeln,
auf Goldgrund, nach den Typen des griechi>
schen Ritus stylmäßig ausgeführt im Auftrage
des Baron S ina ; — „Die Entwürfe für
das Vestibüle daselbst", darstellend: „Die uier
Evangelisten", „Die Chöre der Engel" und
„Die griechischen Kirchenväter", von Rahl 's
Schülern Bit ter l ich, Eisen m enger und
Griepenkerl n.1 tr68«o ausgeführt; —
„Die Patrone der erzberzoglich Rainer-
schen Familie in der Capelle des von Han-
fen völlig umgestalteten Schlosse« des Crz>
Herzogs Leopold zu Hornstein.
L) Mythologische und allegorische Bilder.
„Prometheus, Pandora zurückweisend", 1834;
— „Oreade", 1832 — „Paris entführt die
Helena", 1863; — „Iason raubt das goldene
Vließ", 186l; — „Perseus befreit die Andr°>
meda", 1863; — „Die Opferung Iphineniaü",
1861, die letztgenannten vier Bilder Eigen»
thum des Baron S ina ; — „Kriegsgeschichte"
und „Strategie", Fresken im Waffenmuseum
des k. k. Arsenals, beide auch in Photogra-
phien; — „Herkules dient auf Geheiß des
Orakele der Indischen Königin Omphale",
18«!), befand sich im Besitze des Architekten
Theophil Hansen; — „Ruhm" und „Ehre",
Fresken im Waffenmuseum des k. k, Arse«
»als, auch in Photographien; — „Muth"
und Klugheit"; — „Einigkeit" und „Macht",
Fresken, ebenda, auch in Photographien; —
„D!e vier Kardinal'Tugenden der Regenten
Oesterreichs: 1. Macht, 2. Religiöse Begeiste«
rung, 3, Muth, 4, Milde", historisch-symbolische
Kompositionen für das k. k. Arsenal; Legat des
Künstlers für die k. k, Akademie der bilden»
den Künste in Wien; — „Die uier Elemente:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon