Seite - 248 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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die Ergebnisse seiner Vildung treulich 5
auch auf Andere zu verpflanzen und den
glänzendsten Veleg dafür bietet sein eige>!
ner Sohn. der die Grundlage des Ruh» >
mes, den er durch seine Schöpfungen er»
reichte, doch wohl zunächst dem Vater
verdankt, der sein erster Lehrer in der
Kunst war. Da Rahl der Erste war,
der nack langer Unterbrechung in Wien
wieder Größeres in seiner Kunst versuchte,
hatte er mit Schwierigkeiten zu kämpfen,
dk> er in bewunderungswürdiger Weise
durch seine Energie und Ausdauer be»
wältigte. Der Künstler hat sich auch im
Malen versucht, und namentlich war eS
die landschaftliche Natur, die ihn beson»
ders anlockte. I n der Zeichnung, auf
welche er von frühester Zeit großes
Studium verlegte, war er Meister.
I n der ersten Zeit versuchte er sich
in der punctirten Manier, welche durch
J o h n s-Bd. X , S. 23^ bei uns
zu großer Vollkommenheit gebracht
wurde, später widmele er sich ganz dem
Grabstichel und der Nadel und erlangte
dxrch seine Arbeit in dieser Richtung
großen Ruhm, Zu den schönsten Blättern
aus seiner ersten Periode gehören die
Bildnisse von Kran, Schmidt. Gal l ,
vornehmlich jenes von Dietrich st ein,
von anderen Blättern: „Hiob" nach
Wächter, „Belisar" nach Ebendemsel-
ben, die große Landschaft von Poussin
und die Madonna nach D 0 mcnich ! n 0 ;
aus seiner Glanzperiode sind aber her»
vorzuheben: „Die H. Margaretha" nach
Raphael, unendlich zart und dabei
docd kräftig, Kopf und Haare mit Mei>
sterschaft ausgeführt, das Ganze im
Geiste des Originals behandelt! die be-
rühmle Nacht von Correggio, viel-
leicht Ra hl'SHauplblatt. die Madonna
nach demselben Meister, Pordenone's
Iustina, die Madonna mit dem auf einem Kissen in einer Landschaft sitzenden
Kinde nach Perugino' die Darstellung
im Tempel nach Fra Bar to lomeo,
über welche sich Goethe in seinem Kunst
und Alterthum rühmend ausspracb; die
Schlacht bei Aspern nach Kr äfft und
dieMagdalena nach Correggio, welche
von Kennern über Longhi 's berühm»
tes Blatt gesetzt wird. „Deutschland,
schreibt einer seiner Biographen, zählt
ihn mit Slolz unler die größlen seiner
Kupferstecher. Reinheit, Zartheit und
Kraft des Grabstichels ohne Effecthasche.
rei bezeichnet man mit Recht als seine
charakteristischen Vorzüge. <3r verhält
sich zu seinen Originalen wie ein geistvol»
ler mitschaffender Nebersetzer. Mit Kennt»
ruß und Geschmack wählte er sie aus.
mit Gefühl gibt er ihren eigenthümlichen
Charakter wieder, ja er weiß sie, wo es
bei geringeren Werken gebricht, zumal
in der Zeichnung, nachhelfend zu uerbes»
sem; vom kleinsten Detail i» ihnen legt
er Rechenschaft ab, ohne die Totalwir-
kung zu verfehlen. Das Großartige, Tr>
habene sagt ihm mehr zu und gelingt
ihm besser als daS Anmuthige, und wenn
in der Art, wie er Werke beurtheilte und
wie er sie darstellte, manchmal EtwaS
zum Vorscheine kam, das wie Kälte aus-
sah, so bedenke man, daß in al len Din»
gen wahre Meisterschaft immer aussieht
wie Kälte. Sein Sohn ist der berühmte
Historienmaler Kar l Nah l ss. d. Vori-
gen S. 230^. — Schließlich sei, der Voll-
ftändigkeit halber, noch einer Stiftung
gedacht, die seinen Namen trägt. Der
Ofsicial Johann Saazer widmete näm°
lich im Jahre I8äl) ein Capital von
6793 fl. zu einer He in r i ch K a r l
Rah l> S t i f t u n g , von deren In-
tereffen jährlich am 21. Mai — dem
Gedächtnißtaize der Aüpernschlacht —
zur Hälfte drei pmsionirte Ofsiciere oder
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon