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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
Seite - 256 -
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Naimund 286 Naimund erklärte Liebling des Publicums. An fänglich bildete sich eine Art Opposition gegen seine Anerkennung, welche aus den Anhängern und Gönnern des be> rühmten Komikers Ignaz S chu ster be stand. Bald aber kam man zur Einsicht, daß dieser treffliche Darsteller und Rai mund recht wohl neben einander beste hen konnten, ohne daß Einer dem Ande- ren Eintrag machte. Indessen wuchs R. immer mehr und mehr in der Gunst des Publicums, in jeder neuen Rolle, als lustiger Fritz, als Sand elho lz in Väuerle's „Der verwunschene Prinz", als Jack in Meisl 's „Damenhüte u. m. a., feierte er neue Triumphe, bis er im Jahre 1823 seiner Eigenschaft als darstellender Künstler die neue als dra matischer Dichter hinzufügte, worauf sein Name bald berühmt und mit jedem Jahre, mit jedem Stücke, womit er die Bühne bereicherte, berühmter wurde. Bereits früher hatte sich Raimund in einigen Stücken als Autor versucht, in> dem er sich selbst Scenen und Couplets, die er geschrieben, einlegte. Der glück- liche Erfolg dieser Einlagen bewog auch seine Freunde, ihm zuzureden, selbst ganze Stücke zu schreiben, aber Raim und's schüchterne, bescheidene Natur war nicht dazu zu bewegen. Ein Zufall mußte dazu kommen, den Genius auf die rechte Bahn zu bringen. Es kam wieder seine Ein» nahmeund es fand sich keinpaffendcs Stück zu diesem Zwecke vor. Er selbst trug stch wohl mit einem Plane, kam aber nie zur Ausführung. So theilte er denn dem Localdichter Meisldie Ideen des „Ba- rometermacbers auf der Zauberinsel" mit. Mei öl begann auch mit der Be» arbeitung, war aber nicht über einige Scenen des ersten Actes hinausgekom- men, als er erklärte, das Stück in dem kurzen Zeiträume, in welchem Raimund es benöthige, nicht liefern zu können. In dicser Noth griff Ra imund selbst zur Feder und vollendete in kürzester Frist diese Zauberpofse. Sie kam im December 1823 zum ersten Male zur Aufführung ^man vergleiche die genaueren Daten un> ten S. 260,1.'Z urChronolog ie u n d GeschichtederTheaterstückevon Ferdinand Rai mund^ und hatte — obwohl der Autor nicht genannt war, denn erst mehrere Wochen später bekannte sich Raimund zum Vater seines Kindes — einen überaus günstigen Erfolg. Ermu» thigt durch denselben, schritt R. zum zweiten Versuche, und wieder im Decem» ber 1824 brachte er seinen „Diamant des Geisterkönigö", nach einem Märchen aus „Tausend und einer Nacht", und der Erfolg war ein noch günstigerer als jener des Barometermachers. Die ver- einigten Anstrengungen aber ala Dichter und Darsteller halten seine Gesundheit tief erschütter!' er warde anfänglich trüb- sinnig , hypochondrisch und endlich so krank, daß mcni für sein Leben besorgt wurde', aber die Behandlung seines Arz> teö, des Dr. Lichtenfels, rettete den Dichter, der nun wohl se,t dieser Zeit nicht mehr eigenllich krank, aber doch nicht mehr frei war von hypochon» drischen Anfällen. Bei seinem Wieder- auftreten am 6. November 182« gab ihm das Publicum den warmen Antheil zu erkennen, den eü an dem Dichter und Künstler nahm, und einige seiner Freunde benutzten diesen Anlaß, ihn durch Ueber» reichung einer Denkmünze, die sie auf ihn hatten prägen lassen, zu ehren. Wie» dergenesen, ergriff nun R. von Neuem die Feder, und schon im nächsten Jahre, November 1826, schenkte er der Bühne „Den Bauer als Millionär", welches Siück wohl den Rundgang durch den Erdball gemacht haben dürfte, denn gü»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Band 24
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Prokop-Raschdorf
Band
24
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1872
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
450
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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