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wiß wurde es überall, wo ie deutsche
Schauspiele!,' den Fuß hingesetzt, darge>
stellt, mehrere der darin vorkommenden
Melodien aber sind zu deutschen Volks«
liedern geworden. Im September 1827
brachte er „Moisasur'S Zauberfluch", im
Theater an der Wien, und schon wenige
Monate darnach, im Jänner 1828, die
„Gefesselte Phantasie", im Theater in
der Lcopoldstadt, zur Aufführung, Nach
dem Erfolge, den „Der Bauer all. Mil-
lionäc" gehabt, ist eS leicht erklärt, daß
beide Stücke minder gefielen, wenn sie
auch gleich allen Arbeiten Rai mund's
reich sind an poetischen Schönheiten. Im
letztgenannten Jahre wurde Raimund
von dem damaligen Pachter deS Leopold-
städter Theaters zum technischen Director
desselben ernannt, und am 17. April
1828 erscheint sein Name zum erste»
Male in dieser Eigenschaft auf d^em An»
schlagzettel. Ein halbes Jahr später, Octo>
bec1828, schenkte er demPublicumseinen
„Alpenkönig und den Menschenfeind",
welches Stück von Einigen o:m „Bauer
als Millionär" gleich, von Anderen noch
höher gestellt wird als dieses, und dessen
Erfolg ein über alles Mas! enthusiasti»
scher war. Sogar die Engländer über.
setzten es und nahmen es in ihr Repe»
toir auf. „Dieses Stück, schrieb damals
ein englisches Journal, ist das erste, wel
ches vor ein britisches Publicum gebracht
worden ist, aus der Feder eines lebenden
Schauspieldl'chters. der vielleicht der ori
ginellste unseres Zeitalters ist." Im De
cember 1829 erschien seine „Unheilbrin
gende Zauberkrone", welche der darin
vorherrschenden ernsten Haltung wegen
wenig Anklang fand. Im Jahre 1830
ging sein Contract mit dem Leopoldstad
ter Theater zu Ende. Er erneuerte ihn
nicht wieder und betrat am 3. August
1830 als F lor ian in seinem „Diamant Geisterkönigs" zum letzten Male als
Mi tg l ied diese Bühne. Er nahm seit
dieser Zeit kein festes Engagement mehr
an, sondern lebte ganz nach seinem külisi>
lerischen Behngen. durch Kunstieisen und
Gastspiele die Gelegenheit benutzend, sich
ein Vermögen zu erwerben, daS ihm ein
orgenfreies Alter bereiten sollte. Im
October 1830 gastirte er im Theater an
der Wien-, bis auf 43 erhob sich die Zahl
seiner Oastrollen, unter denen er in den
meisten seiner eigenen Stücke auftrat, in
Moisasur's Zauberfluch" zum ersten
Male den Gluthahn spielte, welche
Rolle früher immer Director Carl gab,
und auch in anderen beliebten Stücken,
dem „Gespenste auf der Bastei", „Ehe-
teufel auf Reisen" u, s. w., seine Rollen
mit ungeheurem Beifalle gab. Im Fe-
bruar des folgenden Jahres machte et
seinen ersten KunstauSflug nach Deutsch»
land, und zwar im Februar nach Mim-
chen. wo er mit außerordentlichem Er-
folge auftrat,, worauf er, von den An-
strsngungen des längeren Gastspieles an-
gegriffen, eine Erholungsreise in'S baye-
rische Hochgebirge unternahm. dann
nach München zurückkehrte und einen
Cyklus von 14 Gastrollen gab. Im
nämlichen Jahre noch reiste er nach
Hamburg, wo er am 1. September im
„Bauer als Millionär" auftrat, aber
schon mit der achten Gastrolle seine Vor-
stellungen beschloß, da cmck in Hamburg
bereits die Cholera ihre Opfer zu fordern
begann. Er ging nun über Frankfurt
a. M., Stuttgart nach München zurück,
wo er wieder vierzehn Male auftrat. AIS»
dann kehrte er nach Wien zurück, wo er
aber nur einmal im Leopoldstädter Thea
ter zu Gunsten einer durch die Cholera
schwer heimgesuchten Familie auftrat.
Im März 1822 reiste er nach Berlin.
Im April begann er sein Gastspiel und
u. Wuizbach, biolir, Lsiilon, XXIV, sGetn !9,Iu»i
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon