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». September um ^ 4 Uhr Nachmittags
seinen Geist aufgab. Die Theilnahme
des Publicums an dem grauenvollen
Schicksale seines Lieblings war außer»
ordentlich. Am 8. September fand seine
Beerdigung unter zahlreicher Theilnahme
von Freunden und Bekannten, die aus
der Residenz gekommen waren, und der
Landbevölkerung Statt. Nachdem die
Leiche in Pottmstein eingesegnet worden,
wurde sie
nach Pernitz gefĂĽhrt und dann
durch das Gutensteiner Thal an den
Ort ihrer Ruhe gebracht. Seine vorer>
wähnte Freundin, die auch Universal»
Erbin seines Vermögens—das 60.000 fi.
betragen haben soll — wurde, sorgte für
ein Denkmal auf sein Grab. ^Vergleiche
darüber das Nähere S. 277: VIII. Rai>
mund's Tod — Grab — Schedel und
GnthĂĽllungsfeier seines Denkmals.^ Man
ehrte den Verblichenen durch mehrere
Gedächtnißfeste und Ermneiungsblatter,
die ihn in den verschiedenen Rollen seiner
Dichtungen, welche er mit unvergeĂźlicher
Meisterschaft gespielt, darstellen. — Es
bleibt nur mehr Einiges ĂĽber seine Heirath
und die Herausgabe seiner Werke zu sagen
ĂĽbrig. Raimund hatte im Jahre 1820
die Tochter des Poffendichters Gleich,
Luise, eine des Dichters in jeder Hin»
sicht unwĂĽrdige Person, geheirathet und
sich in kurzer Zeit wieder von ihr ge>
trennt. Eine frĂĽhere Liebe Raimund's
war die zu ihrer Zeit beliebte Schauspie»
lerin Grünt hal des Leopoldstädter
Theaters, aber Raimund's eiferfüch»
tiges Naturell, das sich in einem beson»
ders heftigen Anfalle zu einer Ungezo»
genheit gegen das Mädchen hatte hin»
reiĂźen lassen, war Ursache, daĂź die Ver-
bindung zwischen ihm und der GrĂĽn-
thal aufgelöst wurde. Nach der Schei»
düng von semer Frau, welcher er jähr-
lich 3(10 fl. auszuzahlen hatte, knüpfte R. mit Antonie Wagner ein Verhält»
niĂź an, welches erst der Tod loste. Ueber
eine aus Raimund's Ehe mit Luise
Gleich abstammende Tochter vergleiche
S. 278, unterIX. Einzelheiten.— So lange
Raimund lebte, blieben seine StĂĽcke
als BĂĽhnenmanuscripte ungedruckt. Ein
Jahr nach seinem Tode wurde aber eine
Ausgabe seiner StĂĽcke veranstaltet, und
mit der Redaction unglĂĽcklicher Weise
der Dichter Ioh. Nep. Vogl betraut,
der in keiner Hinsicht seiner Aufgabe ge»
wachsen war. Sie erschien unter dem
Titel: „Ferdinand Aaimund'Z Läwmtliche
Merke. HnllUWgeben unn IlltMn Nep. Vugl",
in vier Theilen (Wien 1837, Rohrmann,
mit dem Bildnisse des Verfassers, 8».);
der 1. Band enthält: „Der Diamant
des Geisterkönigs"; — „Der Alpmkönig
und der Menschenfeind"; — der 2. Bd.:
„Moisasur's Zauberstuch"; — „Das
Mädchen aus der Feenwelt oder der
Bauer als Millionär"; — der 3. Bd.:
„Der Barometermacher auf der Zauber»
insel"; — «Die gefesselte Phantasie«',
— der 4. Bd.: „Die unheibringende
Krone"; — „Der Verschwender"; —
„Lyrische und prosaische Dichtungen"; —
„Raimund's Biographie". Nach etwa
zwei Decennien, im Jahre 1885, wurde
eine neue Auflage nöthig, welche jedoch
nur ein Wiederabdruck der vorigen und
bei Karl Hölz l in Wien in neun Bänd-
chen im Taschenformate — jedes der
acht StĂĽcke und die dĂĽrftige Biographie
mit dem noch dĂĽrftigeren Nachlasse je ein
Bändchen bildend — erschienen ist. Mitt»
lerweile aber hatte sich auch schon die
ausländische Industrie der Werke des
Dichters bemächtigt, und zwar Karl
Hoffmann in Stuttgart, der den
Poffendichter wĂĽrdig fand, in die in
seinem Verlage erscheinende „Classische
Theaterbibliothek aller Nationen"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon