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Vainer 281 Nainer
herausg. uon I . Hirte nfeld (Wien ll. 8°,)
XI I . Jahrg. (<8Sl). S, «66, — Schmutz
(Carl), Historlsch'topographisches Lerilon uon
Steyermail (Gratz 1822. A, Kienreich, gr, 8°,)
Nd, I I I , S. 238. — Au« der nämlichen
Familie der Rainer zu Lindenbühel —
bei Megiser irrig „zum Lindenstuhl" «e>
nannt — war ein Johann Baptist R.
uon «728 bis l742, seinem Todesjahre, Abt
des BenedictineistifteS S. Paul im Laoant»
thale in Uülerkärnthrn, ^6«^«« ,^2>uH,e,-/),
Iliütoiil!, inona^tei'ii Oi-clin!« 8. NLusäicti
8".) p. l^o.'I
Rainer, Ludwig (Haupt der be»
rühmten Zillerthaler Sängerfamilie, geb.
im Zi l ler thale in Tirol am 18. Juli
1821). Ludwig R. ist der natürliche
Sohn des Joseph Ra ine r und
der M a r i e Ra iner . Der Vater
Ludwigs, Joseph R., gehörte einer
anderen, auch im Zillerthale ansässigen
Familie, Namens Rainer, an, wie denn
überhaupt der Name Rainer ein im Zil>
lerthale häufig vorkommender ist. Joseph
Rainer ist ein Baderssohn, der von
seinem Vater, dem alten Chirurgen, zur
Strafe für sein Vergehen nutMarie Rai-
ner nach Wien geschickt wurde. Marie
Rainer ist aber die Tochter eines Metz-
germeisterS, Joseph Rainer, auS Fü-
gen, gleichfalls im Zillerthale. Der
Metzgermeister Joseph Rainer war
selbst ein guter Tenorsäuger und Va!er
von acht Kindern, sechs Knaben und
zwei Madchen. Von diesen Kindern
waren fünf mit musikalischen Anlagen
ausgestattet. Diese Kinder, darunter
Felix, Auton, Joseph, Franz
und Marie, arbeiteten theils im Hause,
theils in der Fremde. Felix, der längere
Zeit in der Schweiz als Knecht gedient,
kam eines Tages heim. und erzählte, wie
Tiroler Sänger überall gesucht und geehrt
seien. Er selbst sei seines Knechtdienstes
müde und sei nach Hause zurückgekehrt, um seine Geschwister abzuholen und mit
sich als Zänger in die Fremde zu führen.
Der Plan fand allgemeine Zustimmung
und eö wurde nun auö den Geschwistern
Franz, Felir, Joseph und Marie,
eben jme Mar ie, die sich mit dem
Baderssohn Joseph Rainer vergangen
und dem kleinen Ludwig das Leben
gegebm, ein Quartett zusammengestellt,
welches nun auf gut Glück in die Fremde
zog, während der kleine Ludwig in der
Heimat blieb und einer alten Fäibermei«
sterin zu Zell in Wart und Pflege gegeben
wurde. Seine Mutter Marie, durchzog
indessen mit ihren Geschwistom die Welt.
Nach drei Jahren kehrten sie von ihrer
Künstlerfahrt, die gut ausgefallen war,
zurück und begaben sich, nach einem zwei»
monatlichen Aufenthalte in der Heimat,
auf die zweite Reise, auf welcher sich
Bruder Anton, der bei der ersten heim»
geblieben, mittlerweile aber seine treffe
liche Baßstimme ausgebildet hatte, den
Geschwistern anschloß. Auf dieser zweiten
Reise kamen die Zillerthaler Sänger zum
ersten Male nach England, wo sie an
dem österreichischen Gesandten Fürsten
Eßterhizy einen mächtigen Gönner
fanden. Durch denselben wurden sie dem
Könige Georg IV. vorgestellt, der sie
huldvollst aufnahm, längere Zeit in
Windsor beherbergte, wodurch die Tiroler
Sänger in London bald fashionable
wurden, überall die freundlichste Auf-
nahme fanden und ganz ungeahnte
Summen verdienten. Auck von dieser
zweiten Fahrt kehrlen die Tiroler zurück
in die Heimat, wo
sich
in der Zeit TinigeS
verändert hatte. Mariens Geliebter,
den sein Vater damals aus Strafe nach
Wien geschickt hatte, mußte sich auf das
Andringen seines alten Vaters mit einer
reichen Pinzgauerö Vauerntochter ver-
heirathen. Nun war Mar ie Mutter
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon