Seite - 323 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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Nandhartinger 323 Nandhartinger
zu Ruprechtshofen bei Melk in
Unterösterreich 27. Juli 1802). Seinen
Vater, der Schullehrer in Ruprechts.
Höfen war, verlor er im ersten Lebens,
jähre, die Mutter heirathete zum zweiten
Male und der Stiefvater unterrichtete R.
in den deutschen Schulgegenständen, in
der Musik, besonders im Gesänge. Als
er zehn Jahre alt war, bewarb er sich
um eine Stelle als Sängeiknabe in der
f. k. Hofcapelle in Wien; er reisle, um
sich der Concursprüfung zu unterziehen,
im Jahre 1812 nach Wien und gewann
unter 40 Mitbewerbern die Stelle. Ne-
ben der besonderen Begabung der Natur,
indem seine Stimme von 0 unter den
Linien bis zum dreimal gestrichenen ho-
hen I' vollständig hinaufreichte, hatte
eine gute Schule dem Talente nachge»
holfen und ihn in diesem Erfolge wesent»
lich unterstützt. R. kam nun nach Wien,
wurde im k. k. Stadtconvicte, wo die
Sängeiknaben verpflegt und unterrichtet
weiden, aufgenommen und besuchte die
lateinischen Schulen. Sieben Jahre blieb
nun R. als Sängerknabe im Convicte
und erwarb
sich durch seine liebliche Solo»
stimme unter den Besuchern der k. k.
Hofcapelle manche Gönner. Der Hof<
capellmeister Eybler componirte eigens
für ihn Offertorien mit hohem Stimm»
umfange. Nach einem solchen Solo, wel>
ches er mit lieblicher Stimme gesungen,
wurde R. von dem damaligen Kronprin»
zen Erzherzog Ferdinand zum Früh-
stücke eingeladen, eine Auszeichnung,
welche auf den strebsamen Knaben nur
ermunternd wirkte. Im Stadtconuicte
befreundete
sich R. mit Franz Schubert,
der ebenfalls dort als Sängerknabe
untergebracht war. Im Jahre 1812 war
aber Schubert ausgetreten, um fich
fortan ausschließend der Komposition zu
widmen. Da jedoch im Convicte viel Musik gemacht wurde, fand er sich immer
wieder in demselben ein, brachte seine
eigenen Kompositionen mit. welche dann
gewöhnlich Nandhart inger sang und
Schubert mit dem Klavier begleitete,
unter denen z B. der nachmals so be-
rühmt gewordene „Erlkönig" vor ande>
ren zu erwähnen ist. Es wird dieses Um»
standes hier deßhalb gedacht, weil er
zum Theile Rand hartinger's Rich»
tung in der Liedcomposition erklärt. Als
R. die philosophischen Studien begann,
verlor er plötzlich seine Stimme; indessen
setzte er die Studien im Convicte fort,
und da er überhaupt musikalische Anla>
gen besaß, trug ihm der Hofcapellmeister
Sal ier i an, ihm unentgeltlichen Unter»
richt in der Komposition zu ertheilen.
Als er aber im Conuicte nicht die Er»
laubniß erhielt, außerhalb desselben täg>
lich Unterrichtsstunden zu nehmen, so
faßte R. den Entschluß, den ferneren
Aufenthalt im Convicte aufzugeben. Er
that es auch, erhielt sich durch Unterricht»
geben und empfing nun Sa l i e r i ' s
Unterricht bis zu des Letzteren Tode, Der
tägliche Besuch be! Sal ier i brachte R.
mit den erlten Musikgroßen jener Zeit,
namentlich mit jenen der Bühne, in nä>
here Berührung; so lernte er bei dem
berühmten Maestro die Catalani , den
Lablache, Tamburin! , R u b i n !
kennen. Auch Liszt kam damals als
zehnjähriger Knabe zu Sal ier ! in
Unterricht. Indessen hatte R. im Jahre
1828 die juridischen Studien beendet
und bewarb sich um eine kaiserliche An>
stellung. Durch Zufall kam er zur Kennt-
niß, daß der Obersthofmeister der Erz»
Herzogin Sophie, Ludwig Graf Szs-
ch«nyi. einen Privatsecretär für sich
aufzunehmen wünsche. R. wurde durch
den Grafen Wurrnbrand, deö Gra>
fen Szächvnyi Schwager, diesem uor>
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon