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rühmt gewordenen Bilde: „Die Hunde
Hütte" trat ei in die Reihe der ersten
Maler dieser Thiergattung und wurde
wieMind seiner Zeit der „KaheN'Rafael"
von Künstlern und Andern der „Hunde»
Rafael" genannt. Im Jahre 1838 nahm
er die Einladung des Fürsten Paul
Tszterhäzy, ihn nach London zu be>
gleiten, an, und fand dort im Hause des
Fürsten die gastlichste Aufnahme und
Gelegenheit, bedeutende Persönlichkeiten
der Politik und Kunst kennen zu lernen.
Unter Anderen wurde er mit den zwei
berühmten Thiermalern Edwin Land»
seer und Constable bekannt. Auch
fertigte er für das Londoner Witzblatt
„Punch" während seines Aufenthaltes
in der Themsestadt manche humoristisch,
historische Zeichnung. Von Iondon begab
er sich nach Paris, wo er Hornce Ver-
net, Ary Scheffer. Dela röche u.A.
kennen lernte, in den Gallerien Studien
machte. Skizzen entwarf, worauf er nach
Wien zurückkehrte. Bald nach seiner An»
kunft in Wien vermalte er sich 1840 mit
Louise Har tmann, mit der ei bis
an sein im Alter von 30 Jahren erfolg-
tes Lebensende in glücklichster Ehe gelebt.
Noch sei hier bemerkt, daß Ranf t l und
Danhauser die Gypsmaske von dem
lebenden Beethoven abgenommen, welcher
für Beethoven höchst unangenehmen Si-
tuation jedocb die beste Büste deS großen
Tondichters zu verdanken ist. Ueber
Ranft l 's lebhaften Antheil an den Er-
eignissen des IahreS 1848, i» welche er
fördernd eingegriffen. versprach Dr.
Fr an kl noch zu berichten und über den
für ein edles freie« Bürgerthum begei»
sterten Patrioten Ranft ! insbesondere
zu schreiben, was jedoch bisher nicht ge-
geschehen ist. Aus Ranftl 'S oberwähn-
ter Ehe entstammte ein Sohn Gustav,
der sich anfänglich den technischen Stu- dien widmete, mit einem Male aber sich
vom Nörsenspiele hinreißen ließ, das sein
vorschnelles Ende herbeiführte. Er hatte
nämlich auf der Börse große Verluste
erlitten. Er wurde krank, und es hieß.
er habe den Typhus, jedoch in Wahr»
heit hatte er in Folge der durch die
Verluste eingetretenen Aufregung eine
Gehirnstörung erlitten, der er auch,
erst 27 Jahre alt. Anfangs Novem-
ber 1867 erlag. Im folgenden Jahre
errichtete seine Mutter, wie es heißt, einem
von ihrem Sohne kurz vor seinem Able-
ben geäußerten Wunsche nachkommend,
aus dessen Vermögen und zu seinem An»
denken eine Stiftung, welche .Techniker.
Stiftung deS Gustav Ranftl absolvirten
Technikers" heißt. Die Mutter selbst,
welche schon nach dcm Tode ihres Gatten
alle Freude verloren hatte, verfiel nun,
durch den Tod des einzigen Sohnes in's
tiefste Herz getroffen, in unüberwindliche
Trauer und erlag endlich dieser tiefen
Melancholie im Mai 1869. Die durch
Zeitungen in's Publi'cum gebrachte Nach-
richt, sie habe sich aus Gram selbst durch
Cyankali vergiftet, wurde von den Ver>
wandten öffentlich widerlegt und auf
Grund vorgenommener Seccirung eine
Herzlähmung als Ursache ihres TodeS
bezeichnet. Das Atelier des Künstlers
ging in Folge ihrer letztwilligen Anord»
nung in daS Eigenthum der Genossen-
schaft der bildenden Künstler Wien« über
und wurde im Juni 1869 im Künstler,
hause in derselben Ordnung aufgestellt,
in der eS in deS Künstlers Wohnung bis
zu seinem Tode sich befand. Es enthält
Erinnerungen an befreundete Kollegen,
eigene fertige und angefangene Arbeiten,
Skizzen, Studien auf Leinwand und
Papier, Möbel und Antiquitäten.
I. Uebersicht ler vorMßlichertn Mder M. Z.
Nanfll'«. In den Ilchies.ÄusstellunLen dei
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon