Seite - 337 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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herging, und die sorgsame Mutter nicht
selten einschreiten muHte, um das über-
laute Leben einigermaßen zu dämpfen.
In solcher Umgebung, in einer urwüch.
sigen, von der Cultur der Civilisation
kaum noch berührten Natur, der es über'
dieß weder an landschaftlichen Reizen noch
an anderen, ein sinnendes Gemüth an>
muthenden Eigenthümlichkeiten gebrach,
wuchs R. in strenger häuslicher Zucht
auf, anfänglich mehr die Schule der
freien Natur, als jene des Dorfes besu»
chend. Endlich aber, als der Knabe bereits
eilf Jahre alt war, mußte doch zu etwas
Rechten gesehen werden und R. kam auf
die Dorfschule. I n derselben war er bald
einer der fleißigsten Schüler. Die guten
Erfolge in der Schule bewogen den Lch.
rer und den Dorfgeistlichen sich für den
Knaben bei den Eltern zu perwenden,
daß sie ihn studiren lassen sollten, zu wel>
chem Zugeständniß sich endlich der Vater
auch herbeiließ und die Initiative zur
Verwirklichung einer höheren Ausbildung
darin ergriff, daß er den Sohn zuerst Cla»
vier schlagen lehrm ließ, und als auch da
die Fortschritte nichts zu wünschen übrig
ließen, eines Tages eine ganz neue Vio-
line nach HauS brockte, welche auch sein
Sohn Joseph, da dieser Talent zur Musik
zeigte, streichen erlernen sollte. AlS nnch
mehrjährigem Schulbesuch die Frage der
Standeswahl an die Tagesordnung kam,
neigten sich die Eltern zunächst auS öko>
nomischen Gründen dem Lehrelstande zu,
denn eS galt nur noch die kurze Zeit des
PraparandencurseS zu bestehen und das
Uebrige gab sich dann von selbst. Aber
was den Eltern so sehr zusagte, gefiel
um so weniger den Lehrern selbst und
insbesondere dem Dorfgeistlichen, welche
auf die Talente, den Fleiß und Eifer des
Knaben weisend, eine weitere Wissenschaft»
liche Ausbildung in's Auge faßten und endlich auch die Zustimmung des Vaters
erhielten. Nachdem sich R. für den Gin-
tritt in daS Gymnasium vorbereitet, und
in TauS die zur Aufnahme erforderliche
Prüfung mit dem besten Erfolge bestan»
den, war sein Geschick entschieden und am
1. October 1830 brachte ihn feln Vater
selbst auf das Gymnasium nach Klattau,
wo er sechs Jahre verblieb. Im ersten
Jahre erhielt er alles Erforderliche noch
von den Eltern, in den folgenden, von
seinem 14. Jahre an, übernahm er Privat»
stunden bei Kindern, später bei eigenen
Mitschülern und trug Lectionen, die er
selbst erst gelernt, sogleich als Lehrer
wieder vor und schuf sich so frühzeitig
jene Selbstständigkeit, die den rauhen
Weg durch's Leben einigermaßen ebnet.
Auch auf dem Gymnasium bewahrte R.
den schon in d« Dorfschule bewiesenen!
Fleiß und that sich namentlich in den
deutschen Ausarbeitungen hervor, deren
eine. ein Gelegenheitsgedicht, über Ver»
anstaltung deS Lehrers sogar gedruckt
wurde. Als der Zeitpunct zum Besuche
der philosophischen Schulen heranrückte,
waren die Eltern nur noch über den Ort,
wo der Besuch derselben fortzusetzen wäre,
unschlüssig, aber der Umstand, daß ein alte«
rerBruder Rank s in Wien denhöheren
Curs in der Iosephs»Akademie hörte,
gab auch hierin bald den Ausschlag und
R. sollte gleichfalls nach Wien gehen.
Es war diese Stadt, über welche die im
Hause des Vaters ein« und ausgehenden
Händler und Fremden die verlockendsten
Berichte gebracht, lange schon ein Ge>
genstand der Sehnsucht R.'s und diese
sollte nun auch gestillt weiden. Im Sep.
tember 1836, mit zwölf Gulden C. M,
in der Tasche, machte sich der 21jähr!ge
R. auf die Beine und erreichte nach sieben
Tagen, mitunter beschwerlicher Wände»
rung, die alte Kuiserstadt. Nachdem in
,bio2>,',Lerikon XXIV. l.Gedr. ?. August l872,) 22
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon