Seite - 338 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
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einigen Tagen der überwältigende Gin»
druck des sinneberückenden Lebens und
Treiben« der ersten Großstadt des Reiches
überwunden war, ging R., der sich bei
seinem Bruder einquartiert hatte, den
Pflichten seines BerufeS nach und begann
den Besuch der Collegien. Dort traf er
mit einem Mitschüler, mit dem er in
Klattau freundschaftlich verkehrt hatte,
zusammen und dieser lud ihn zu Besuch
in das Haus seiner Eltern. R. folgte
dieser Einladung, welche für ihn den gün>
stigen Erfolg hatte, daß man ihm den
Antrag machte, die Stelle des abgehen»
denHofmeisterS dei drei jüngsten Knaben
zu übernehmen. R. nahm diesen Antrag
mit größter Freude an und so übersie-
delte er von seinem Bruder in das Haus
des Wiener Hof> und Gerichtsadvocaten
Ritter von Planer, eines Tirolers, wo
er alsbald wie ein Kind im Hause ange-
sehen wurde. Jeder äußeren Sorge los,
lebte er daselbst in den angenehmsten
Verhältnissen, lernte unter °den zahlreichen
die Familie besuchenden Gästen zwei als
Schriftsteller bekannte Beamte, den Iu-
gendschriftsteller Chimani und den
Poeten Cmi l — mit seinem wahren Na-
men Tr imel , Archivädirector in der k. k.
vereinigten Hofkanzlei — kennen. Da
Planer überdieß Rechtsanwalt der kais.
Hofoperndirection war, bot sich Rank
nicht selten Gelegenheit zu unentgeltlichem
Theaterbesuche, alleS Umstände, die all-
mälig seinen eigenen Schaffensdrang
weckten, der sich zunächst dem Dramati»
schen zuwendete, jedoch nicht über den
Versuch hinauskam. Mit gleichgestimm-
ten Collegen wurden verschiedene poetische
und andere Arbeiten ausgeführt, die
wechselseitig mitgetheilt und geprüft wur>
den und als seine Freunde Einzelnes durch
den Druck veröffentlichten, versuchte auch
R. sein Glück und überreichte einen kleinen Aufsatz in Prosa dem damaligen Redac-
teurdes„OesterreichischenMorgenblatteS"
Dr. Ludwig August Frank l . der sich,
wie es bekannt, jüngeren Talenten voll
Theilnahme zuwendete und sie freundlich
in ihren Bestrebungen forderte. Auf
dessen Einladung zu weiteren Beiträgen
entsprach er deffen Wunsche, Darstellun-
gen aus dem Volksleben zu bringen und
so erschienen jene Schilderungen aus dem
Böhmerwalde, welche allgemeinen Beifall
fanden und R. in seinem Schassen auf
jenes Gebiet führten, welches er später
so erfolgreich bebaute, nämlich auf daS
der „Geschichten nus dem Volke", daS
dein aristokratischen Roman gegenüber,
als neues und bei der stets immer mehr
herantretenden Bedeutung des Volks-
ledens interessantes Genre sich bald großer
Beliebtheit erfreute. Allmälig wuchsen
diese Bilder und Skizzen zu einem statt»
lichen Bande an, und durch Vermittlung
von Franz D in gelsted t, der, von einer
Pariser Reise kommend, eben damals
Wien paffirte. und sich für Rank'S Ar-
beiten intcrefsirte, wurde auch alsbald
ein Verleger (Ginh o rn) in Leipzig ge-
funden, der um den Preis von Tinhun-
dert und dreißig Gulden Eigenthümer
des Buches „Nus dem Böhmerwalde"
wurde, mit welchem R. in die Reihen der
Schriftsteller trat. DaS Buch, welches
Volkszustande, Dorfgeschichten, Sitten
und Bräuche mit saftigem Pinsel malte,
fand die freundlichste Aufnahme und R.
trat durch dasselbe mit älteren und jün-
geren Wiener Schriftstellern, wie mit
Bauernfe ld, Castell i . Anastasiuö
Grün, MorizHa rtmann, Ko mpert,
Nordmann, Hieronymus L o r m ,
Adalbert St i f te r , Lenau. I . N.
Vogl u.A. in nähere und entferntere
Berührung. An Aufforderungen zu neuen
Arbeiten fehlte es auch nicht und so ent>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon