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Napaport 388 Napaport
internationalen Kunstausstellung im Künstler-
Hause in Wien im April >8<>9, <8?« u. <«?!,
— Kataloge oer Aufstellungen im Künst>
lerhause seit 1869,
Rllpaport, Jacob (Arzt. geb. ;u
Umain in der Ukraine im Jahre 1778,
gest. ^i Lemberg in Gali;!en t. April
1833). Erscheint bald mit einem, bald
mit zwei v (Rapaport und Rappa-
port) geschrieben. Sein Vater war
Rabbiner und genoß als solcher einen
ausgezeichneten Ruf. Der Sohn erhielt
den ersten Unterricht in einer ccibalistisch-
talmudischen Schule und machte auf dem
ziemlich nuh. und fruchtlosen Gebiete
talmudischer Gelehrsamkeit große Fort-
schritte, nur sein eigener, vorwärtssne-
bender und von der Buchstibentüfte'
lei des Talmudismus wenig Heil erwa»
tenoec Geist wendele sich bald reelleren
Studien und zunächst jenem der Sprachen
zu. Im Alter von 18 Jahren begann
er das Studium der deutschen, lateini-
schen und polnischen Sprache, und machte
innerhalb zwei Jahren darin solche Fort»
schritte, daß er die besten Schriftsteller in
den genannten drei Sprachen mit vollem
Verständniß^ zu lesen im Stande war.
Um das Jahr 17N0. bei Ausdruck des
polmsch>russtschen KcicgeS, fiüchteieii stch
die Nltern nach Galizien und R, kam
nach Lemberg, wo er die philosophischen
Studien mit bestem Erfolge beendete und
dann bei seiner Vorliebe für die Natur»
Wissenschaft sich dem Studium der Medi»
cin zuwendete. Im Jahre 1804 erlangte
er daraus die Doctorwürde und widmete
sich sofort der Praxis, in welche ihn sein
Gönner und nachmaliger Freund Profes-
scr Valentin p. H i ld cnb rand sBd. IX,
S. 14), der den strebsamen jungen Mann
bereits zur Zeit, als er sein Schüler war,
liebgewonnen hatte, einführte. Bald er-
warb sich N. in seiner Sphäre einen so ausgezeichneten Ruf. daß Alles in Lem-
berg nur von ihm behandelt sein wollte
und seine eigenen Lehrer ihn zu ihren
ärztlichen Berathungen zuzogen. AuS
allen Ständen. anS Galizien und den
Nachbarländern, oft aus weiter Ferne
strömten die Kranken herbei, um seiner
Kunst sich anzuvertrauen. Aber nicht bloß
seine Geschicklichkeit war es. die ihn so
beliebt und gesucht machte, sondern auch
seine Bescheidenheit und Gelehrsamkeit
in dem von ihm ausgeübten Fache, seine
Humanität und Uneigennützigkeit, seine
Klugheit, ohne falsch zu sein, sein gefühl»
volles Herz, ohne von Schwäche sied
hinreißen zu lassen, endlich seine Gottes-
furcht, die jedoch weit entfernt von jeder
Frömmelei war. Obgleich von allen Sei-
ten seine Hilfe gesucht und er Tag und
Nacht den anstrengenden Dienst seines
Berufes ohne Unterschied gegen Arme
und Reiche, erstere oft auS seinen Mitteln
unterstützend, übte. so übernahm er noch
in gefährlichen Perioden, wenn Epide>
mien herrschte:!, unentgeltl ich den
Dienst in öffentlichen Spitälern. Dabri
war er seinen in jener Zeit unter einem
der Menschheit unwürdigen Drucke lei-
denden Glaubensbcüdern nicht nur ein
stets freigebiger Helfer in der Notli, son>
dem ein leuchtendes Vorbild, der ihnen
durch sein Bciipic! den so segenS-
reichen und fruchtbringenden Impuls
gab zur Erlernung nützlicher Kennt-
nisse und Wissenschaften' aus eigenen
Mitteln beisteuerte, um die Verbefscruna,
ihrer physischen Erziehung zu befördern:
in hebräischer und deutscher Spraä'e
eine Belehrung über die Vaccination
schrieb, gegen welche eben das Vorurtheil
unter seinem Volke auf dasHartnäckigste
ankämpfte; und endlich durch sein An-
sehen und seinen in allen Schichten
der bürgerlichen Gesellschnft herrschenden
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon