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389 Vnpoport
Spaltung im Iudentlmme hervorgerufen
werde. Indem ei die aufreckt;» erhal»
tende Einigkeit im Iudenthume vor Allem
betont, häl! ei es für seine Ueberzeugung,
daß die unerläßlichen Reformen ohne
zwangsweises Aufdringen an die noch
nickt reifen Gemeinden sich von selbst
entwickeln müssen. Und R. hatte Reckt,
es war und ist ja im Iudenthume die»
selbe Erscheinung wie im Christenthume.
Nicht um denCultuS im engeren Sinne
handelt es sich bei allen diesen Glaubens-
bestrebungen, sondern un> die bedrohte
Wissenschaft, um das unzureichende Un>
teriichts» und Erziehungswesen. Und
nickt an Lehrkräften fehlt eS so sehr, als
vielmehr an Lernenden, da diese sich
schwer aus dem Sumpfe der angeboruen
Trägheit herausziehe» lassen und es auch
noch genug Facloren gibt, welche in der
allgemeinen Verdummung dcis sicherste
Heil für das Gedeihen ihres eigenen
Ichs finden. Rapoport selbst war ei»
durch Wissen und Denken z» aufgeklärter
Jude, um daS Unhaltbare der Reformen
seiner Religion nickt zu erkennen, aber
ebenso fühlte er, daß in Glaubenssachen
jeder Zwang ebenso ungerecht als ge»
fährlick sei. Er selbst, wenn er daS
Ueberhandnehmen der Gleichgiltigkeii
gegen die Rttualgesehe wahrnahm, konnte
seine Trauer über diese Erscheinung nicht
verhehlen, aber wenn man in ihn drang
einzuschreiten, erwiderte er in seiner sauf-
ten Weise: „er könne sich nur mii freund-
lichen, eindringlichen Ermahnungen be-
gnügen, denn weiter d ürfe ein echter
Rabbiner nicht gehen. Am we-
nigsten dem geistlichen Führer einer Ge-
meinde stehe es zu. zu sprechen: „So
will ich — so befehle ich". Und wie er
seine oberhirtliche Stellung in der Ge-
meinde ausfaßte, bezeichnete er am tref.
fendsten, als er, die Beglückwünschungen ;>i seiner 70jährigen Geburtsfeier erwie»
dernb, unter andern den Ausspruch that:
„Ich habe mich in meinem Ra b b!ner>
amte stets als Diener der Gemeinde
und nicht als ihren Herrn betrachtet".
Die literarischen Leistungen R.'S bestehen
weniger aug selbstständigm Werken a!S
auS Abhandlungen. welche in ver»
schiedenen israelitischen Zeitschriften er-
sckienen sind und in welch letzteren er
eben die Schätze seines Geistes und um»
fassenden Wissens niedergelegt hat. Die
Titel seiner selbstständig erschiene»
nen Schriften sind: „Freie Nearbeitung dez
Nlllina'5 „GZtrr" umi Nnrine, »I« Pnrmi-
Illlwll. Zlljn eine «Anleitung" (Wien 1827,
r>. Schmid, 8<>.)', auch dem Jahrbuche
„Lik^ui 'L liH>'Ittiiü" deigegeben,' —
„Sendschreiben an die NMintr-VcnllVinInny
zu Frnnktnrt n. M., !<ebrll!5ch mit deutscher
Ulbersetzuiill, »an Nut. Riichl, eim' (Frank»
fürt a. M. 184». 8«.)! — „C°!mndi5che5
, gelchichtliche, gtaglllPliiHche, ir-
Hegen5tiinl>t iu alfaketischer <vri>-
nunll, bll>!>nl>elnl>, ÜN5 den Glllmndrn, Midri»
schim, Eurgnmim u. 5.m. geschüpN. Nunl> I nur
den Lnchztllben « uminzsend" (Prag i8ö^i,
M. I . Landau, 4«.). Von seinen zahl
reichen, in Zeitschriften, Sammel- und
anderen Weiten enthaltenen Aufsätzen
und Abhandlungen sind besonders be>
meikenswerth: in dem Jahrbuche Lik-
Icnre ba- ' I t t i iu die Biographien be.
rühmter Rabbiner, u. z. „Biographie
deS La'ach'a, und Geschichte seiner Schrif.
ten" (Jahrb. l828). - „Biographie des
li . ^2t3,n und Geschichle seines Werkes
'H,ruck" (Jahrb. 1829)'. — „Biographie
des 6»on Hä,> und Geschichte seiner
Werke" (ebd.): — „Zeit und Geburtsort
deS ttl'28».r nn,.X»,Iil, seine religiösen
Dichtungen und EinigeS über die Gebete
überhaupt" (Jahrb. 48AN)'. — «Zufthe
und Verbesserungen zu den drei lehtau-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon