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Gedichte find zerstreut in Journalen und
verdienten namentlich letztere gesammelt
zu werden. Bald darnach, nachdem man
seine Leiche im Walde gefunden, stand in
in der Pest-Ofner Zeitung (1857, Nr. 99
n. 100) seine Skizze: „Die Reconva-
lescente". Ueber Reich als Schriftsteller
schreibt Meißner, daß man aus den
Arbeiten, die von ihm vorhanden sind,
herausfinden kann. was auS ihm hätte
werden können. Eine Strömung von
Poesie geht durch Alles, wc>S er schrieb.
Eine weiche träumerische Natur, voll
überquellender Empfindung, waffenlos
gegen die Bosheit »nd die Mißgunst der
Menschen, ohne andere Erfahrung als
die seineS Herzens, verbrannte er rasch,
wie in reinem Sauerstoffe, und machte
in ein paar Jahren ein Unglücksleben
durch, wie kaum die Unglücklichsten in
Decennien. Wenn seine Gefühlswelt oft
überhitzt, seine Phantastik grell und ge>
waltsam ist, wenn seine Menschen, in
seinen späteren Erzählungen namentlich,
dämonisch über ihr Maß hinauswachsen,
dürfen wir nicht vergessen, welche Geier
an ihm fraßen und wie jung und erfah»
rungsloS er war. Seine Seele war keusch
und rein und lebte nur für die Kunst. Er
halte eine ideale Sehnsucht, die Höhen
zu erstiegen, die nur erklommen werden
können, und sein Herz brach, wie das
eines jungen Adlers, aus Schmerz dar>
über, daß seine Schwinge durchschos»
sen war.
O esterreichischc Zeitung 18L8, Nr. 264,
im Feuilleton'. „Zwei Verstorbene" ^d«r eine
ist der Dichter Adolph Schulte, der andere
Moriz Reich. — Presse (Wiener polit.
Blatt) !8»7, Nr, 89: „Moriz Reich". — Del
Tage 2 bote, aus Vöhmen (Pragrr Blut!)
l85?. Nr. 109, ,m Feuilleton. — Neue
Münchener Zei tung <889. Abendblatt
Nr, l39 u. 140: „Ein böhmischer Poet". —
Didaskal ia (Frankfurter Unterhaltung«'
blait. 4°.) 183?, Nr, 104: „Moiiz Reich". — Bohemia (Präger polit. und belletr. Blatt,
4".) 1837, Nr. 90, — Wiener Mi t thei .
lungen. Zeitschrift für israelitische Cultur»
zustande. Herausg. von Dr. M. Letter is
(Wien, 4°.) Jahr«, 1837. Nr, 17.
Noch sind bemerkenswerth: 1. Andreas Neich,
ein Künstler des 17. Jahrhunderts, der in
der ersten Hälfte desselben zu Wien lebte und
arbeitete. Nähere Nachrichten über seinen
Lebensgang fehlen und von seinen Arbeiten
sind auch nur ein paar Blätter bekannt,
eines, das den sitzenden Tod mit dem Kaien,
der darstellt, mit der Aufschrift: Hin geht die
Zeit u. s, w., unten bezeichnet: H,. Nsiod, iuv.
ot «xouä. ViennaL 8ol). ^Liiet zo. (Qu.Fol.)-
ferner ein von ihm selbst radirtes und bereits
sehr seltenes Blatt: Magdlllena wäscht dem
Herrn die Füße; links an der Wand ist eine
Uhr, bezeichnet: ^V. Nüioli inv. ot ßiuxit
(Fol). Warum ihm Nagler den Tauf»
namen Andreas beilegt, da er auf seinen
Werken einfach als A. Reich bezeichnet steht,
und er demnach ebenso gut Abraham, Adolph,
Adam, Alfred. Albert heißen könnte, gibt
Naal er nicht an. l^Nagler (G. K. Dr.),
Neues allgemeines Künstler>Lrnkon (München
1839, Fccischmann, 8«.) Bd. XU, S. 379.) —
2, Ignaz Reich (israelitischer Schriftsteller,
geb. zu Zsambek im Pesthcr Comitate Ungarns
im Iah« 18'N). Sein Vater lebte als Notar
der Zfambeker Israelltengemeinde in sehr bc>
scheidenen Verhältnissen. Als I n n a z l I Jahre
alt war, ergriff er, mit dem väterlichen Segen
ausgerüstet, den Wanberstab und versuchte
sein Wlück in der Fremde. Er ging nach
Großwardein, wo sein älterer Bruder lebte,
unter dessen Leitung er hebräische Studien
machte, überdicß besuchte er das dortige Gyui'
nasium, erlernte-die deutsche uno ungarische
Sprache und ging dann nacl> Pesth, wo er
im Jahre 1842 die philosophischen Studien
beendete. Armuth halber mußte er seine Stu<
dien unterbrechen und war genöthigt, in
Pesth eine Erzieherstelle anzunehmen, in wel<
cher Eigenschaft er bis zum Jahre 1848 thätig
blieb. Später erhielt er eine Lehrerstelle der
ungarischen und hebräischen Sprache an der
Pesther israelitischen Hauptschule. Schon seit
<S48 schriftstellerisch thätig, veröffentlichte er
in dem ungarischen, die israelitischen Interessen
vertretenden Blatte HIkV^n.i' Is raol i tn ,
eine Reihe von Artikeln: „Literarische Kra<
walle" (IroäalnN ki-kviUok) und dann meh»
rere patriotische Iudenlieder. Seine verdienst,
lichste Arbeit ist ein biographisches Werk,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon