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Neichftadt Neider
S, 868: „Ueber das Vildniß des Herzogs von
Reichstadt", von Agr icola,
V. Cm angeblicher Soli« d« OcrWgs uon Ncich-
stadl. Ein katholischer Lehrer in Wermsdorf
uei Würzen in Sachsen behauptet ein Sohn
des Herzogs von Rcichstadt zu sein, und
zwar aus Legaler Ehe mit einer ungarischen
Gräfin, mit welcher der Prinz auf einer unweit
Debreczin gelegenen Besitzung getraut worden
sein soll. In einem bei der sächsischen Ge>
sandtschast in Wien eingereichten Gesuche hat
er sich an die betreffende geistliche Vehörde
um die Ausfolgung seines Tauf» und des
Tl'auungsscheines seiner Eltern gewendet und
sein Gesuch mit Pr inz Eugen Joseph
Napoleon Von aparte unterzeichnet. So
meldete das Wiener Fremden-Blat t 1868,
Nr. N l .
VI. Todteuftier des Oerzagg uan Neichstadt in
Pari«. Dieselbe wurde durch Darstellung
eines Drama's im,Theater ^uiki^u eamia.u.2
begangen, daS den Titel führte: „a 2t ans,
die letzten Stunden des Herzogs von Reich«
stadt". Zuvor ward die Ouvertüre uon „Wil>
Helm Tell, dann sine klagend!» Symphonie
aufgeführt. Noch ehe das Stück begann, zer<
flössen die Frauenzimmer in Thränen, und
auch bei den Männern herrschte eine Rüh-
rung, die trotz der Fadheit und Unbeholfen»
heit, womit die Dichter Merui l le und
Francis ihren Gegenstand bearbeitet habe»,
nicht nachließ. Man sah hier einen Jesuiten
Lvrard und einen preußischen, in Wien
angestellten Adeligen, die beide uon Napo,
l eo n Gnadengeldcr erhallen hatten, und jetzt
mit Ungeduld den Tod seines Sohnes ab>
warteten. Andererseits pflegen sorgsam den
Sterbenden der Arzt Staude inhem, wie
ihn die Dichter nennen, ferner ein Unbekann»
ter, nämlich der Mann von Reichstadt's
Amme, der ihm nach Wien folgte, aber
1? Jahre vergeblich um des Herzogs Nedie«
nung warb, außerdem die Tochter des Die»
ners und ein Officier Paolo Tudel i , der
sich nach dem Fallen des Vorhanges mit
Reichstadt'S Milchschwester verhciralhet.
Den Herzog selbst betreffend, wußten die
Autoren offenbar nicht recht, wie sie ihn dar>
stellen sollten, denn man wußte überhaupt in
Paris nicht uiel über den jungen Mann; die
Flugschriften über ihn sind nus dem Stegreife
geschrieben, die Bildnisse aus dem Stegreife
gezeichnet. Uebrigens stirbt der Herzog als
Franzose; er läßt im Augenblicke des Todes die dreifarbige Fahne bringen und fein
letztes Wort ist: diese Fahne sei mein Leichen-
tuch! das Schwert seines Vaters zerbricht er,
lein Anderer soll sich dessen bedienen. Ohne
diese Bemerkung hätte Herr u. Arg out die
Aufführung des Stückes nicht erlaubt; man
unterhandelte uier Tage lang über die Re-
daction diesrs Satzes, zwei Tage nur hatte
das ganze Stück die Autoren gekostet. Merk-
würdiger als das Drama war das Publicum,
Im H-woizu counyuo sieht man Pariser
uon echtem Schrot und Korn, die, wenn sie
ei» Schauspiel anhören, gmi ein Wort nut<
reden. So oft der Jesuit Cvrard den Tod
des Herzogs wünscht, riefen zwanzig Stim°
men: das ist abscheulich, nieder mit den
Jesuiten! Wenn dann ter Herzog beklagt,
nicht wie sein Vater für Frankreich gewirkt
zu haben, brach im ganzen Hause der lauteste
Enthusiasmus aus. Am begeistertste» n>nr
das Pubücum, so oft der Herzog im Sinne
der Propaganda sprach, und es entspannen
sich unter den Zuhörern höchst belehrende
Unterredungen, wie man über den Rhein
gehen »nd „den Nationen ein wenig aufhel«
fen" !iiüsj>, Vo» Deutschland war schr uiel
die'Rrde. So lautlt der Vericht eines Augcw
zeugen über die Aufführung dieses Drama's,
VII. Wappc» des SerMS uon Aeichstnlt. In
einem mit dem Herzogsmantel und Hute ge-
zierten Onalschilde zwei gegen die rechte Seite
über einander schreitende Löwen in einem
durch eine schmale goldene Querlinic gcthcil'
ten rothen Felde. A!s Schi ldhal ter er>
scheinen zwei schwarz,goldene Greife mit Feld-
panieren, in welchen das herzogliche Wappen
zu sehen ist.
Neider, Franz Seraph Thristoph
(Maler. geb. ;u Wien 13. Juli 1729,
gest. ebenda 30. August 1791). Ueber
den Bildungsgang, die näheren Lebens»
umstände und die Arbeiten dieseS Kunst»
lers melden die Quellen, die seiner ge>
denken, nichts. Cc lebte und arbeitete in
Wien und malte Porträte und Conve»
salionsstücke. — Von einem C. Neider
berichtet P! l lwein in seinem Lerikun der
Salzburger Künstler. Eine uon demsel>
den sehr schön gezeichnete Karte deS Zil>
lerthales befindet sich im 2. Theile von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon