Seite - 201 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Bild der Seite - 201 -
Text der Seite - 201 -
Neineggs 204 Neineggs
wenig Beschäftigung fand, gab er auch
diese Laufbahn auf und widmete sich dem
Bergwesen. Er ging nun, von einigen
Menschenfreunden unterstützt, nach Schem»
nitz in Ungarn, wo er das Beigfach
studirte und in einiger Zeit eine Prallt»
kantenstelle mit kleinem Gehalte erlangte.
Daß eine solcke Stellung einem Manne
von Reine ggs' Sinnesart auf die
Dauer nicht genügen konnte, begreift sich
leicht, und in der That träumte R. nur
immer von Reisen in die weile Welt,
namentlich m den Orient, in welchem er
seine ärztlichen Kenntnisse verwerthen
wollte. Daß er sich ernstlich mit dem
Vorhaben trug, seinen Plan auszuführen,
dafür spricht der Umstand, daß er sich
auf Erlernung der türkischen Sptache
verlegte und seine medicinischen und chi»
rurgischen Studien mit allem Eifer wie»
der aufnahm. Aber ohne alle Mittel ließ
sich ein solches Vmhaben doch nicht gut
ausführen. Nun sollte auch dafür Rath
geschafft werden. Ein ungarischer Cava»
lier, der den Hof verlassen und auf sein
Gut sich zurückziehen mußte (man nennt
einen Grafen Kohary; wie es scheint,
war es Johann (III.) Graf Ko h ary
>M. X I I , S. 279. Nr. 6)). wurde
mit R. bekannt, der ihm bald seine
Pläne auseinander sehte. Diese mochten
den Beifall des Grafen gefunden haben.
Tines Tages waren der Graf und Rei-
neggs aus der Gegend verschwunden
und wurden nicht wieder gesehen. Erst
aus einem aus dem Nachlasse ReineggS'
veröffentlichten Werke erfuhr man zum
Theile seine weiteren Schicksale. Der
Graf und R. waren in den Orient, und
zwar nach Georgjen gegangen, der Graf
soll daselbst zu TifliS in einem Kapuzi»
nertloster in Kummer und Elend gestor»
ben sein, R. aber versuchte sein Glück
weiter, erwarb sich Gönner und Freunde, allmälig auch ein bedeutendes Vermögen,
wodurch sein Ansehen wuchs. Der Prinz
Herakl ius ernannte ihn zu seinem
Arzte und R. verstand eS, durch seine
mannigfachen Kenntnisse im Bergfache
und in den Naturwissenschaften sich nütz»
lich zu machen. So lehrte er die Geor>
gier Pulver bereiten, Kanonen gießen,
Erz schmelzen u. dgl. m. Im Jahre 1780
bereiste er im Auftrage des Prinzen H e»
rakliuSden Kaukasus. Dann kam er nach
Rußland, wo er in St. Petersburg von
der Kaiserin Kathar ina hulduoll em»
»fangen und dazu benützt wurde, den
Fürsten Herakl ius zu bewegen, Ruß»
lands Oberhoheit anzuerkennen. was
auch im Jahre 1788 geschah. Zuletzt
scheint R. seinen bleibenden Wohnsitz in
St. Petersburg genommen zu haben;
wenigstens erhielt er den Titel eines kais.
russischen Collegienrathes, DirectorS oeS
Instituts für junge Wundärzte und eines
beständigen Secretära des rrichsmedici-
nischen Kollegiums mit einem ansehu-
licken Gehalte. Auf seinen öfteren Reisen
in den Kaukasus hat er Materialien zu
einer historisch'tovographischen Beschrei»
bung dieses Landes gesammelt, welche
einige Jahre nach seinem Tode von Fr.
Enoch Schröder (u. fortg. d. Gersten»
berg) unter dem Titel: „tMllrisch-tupll-
graphische Neschreilmüg des AnnKasnZ an« A.'s
nllchgelllssenin Papiercu", 2 Bände (Gotha
179« u. 1797, gr, 8«.. mit 3 K. K. und
1 Karte) herausgegeben wurde. Von
anderen wissenschaftlichen Arbeiten R.'s
sind bekannt: „HH,«i«?na!ll« <?/lsml'el «n
sia." (I^rnaviae 1773, 4«.); — zu
Tiflis übersetzte er die Grundsähe der
Polizeiwifsenschaft des Herrn von Son»
nenfelS in'S Persische, aus welcher
Sprache sie der Fürst He rakliuS selbst
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon