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Neinhardt Reinhardt
Mahratten noch mehr Uebergewicht er-
halten hatten, nahm die Begum So m ru
ihren Aufenthalt zu Delhi in einem
prachtvollen Palaste, den sie sich bauen
ließ. Sie leistete hier durch ihre Talente
und ihre Unerschrockenheit dem Kaiser
be! mehreren Gelegenheiten wesentliche
Dienste, und die außerordentliche Frau
wurde von ihm mit dem Tüel z^n-oi-
niesa (Zierde des Geschlechts) belohnt.
AlS die Engländer Herren von Delhi
geworden waren, kam die Begum
So mru oft, in europäischer Kleidung
mit Hut und Schleier, bald im Palankin,
bald zu Pferde oder auf einem Elephan»
ten in das Hauptquartier; sie schien
80 Jahre zu zählen, war von mittlerer
Größe und mußte einmal schön gewesen
sein. Sie wußte sich von dem Verdachte
zu reinigen, mit den Mahratten in Ve»
bindung gestanden zu haben und starb
endlich zu Delhi im Alter von 96 Iah»
ren. In ihrer Hauptstadt Serdana hatte
sie unter andern eine schöne Kirche bauen
lassen. Der oberwähnte Sohn A l o i S
L u d w i g B a l t h a s a r R e i n h a r d t -
Sombr.e vermalte sich mit einer Iu»
liane Anna Lefevre, aus welcher Ehe
eine Tochter Dominica Theresia
Re inhar t 'Sombre stammt, welche
am 8. October 1806 mit dem berüchtlg-
ten englischen Residenten, dem Schott-
länder Georg Alexander D y c e ,
von dem Pater AngeluS, Präfecten
der Tibetanischen Mission und Rector
der katholischen Kirche zu Serdana, ehe»
lich getraut wurde. Domin ica The»
tesia gebar ihrem Gatten im Jahre
1808 einen Sohn Dav id Dyce Och»
ter loni Re inhar t de Sombre,
den Verfasser des in der Folge angefoch»
tenen Testamentes. Außerdem aber soll
Georg Dyce noch zwei illegitime
Töchter hinterlassen haben. D a v i d Dyce Ochterloni Reinhardt de
Sumbre, der Erbe eines ungeheuren
Vermögens, man schätzt eS außer einer
großen Menge liegender Ländereim auf
über 70 Millionen Francs — nach An<
deren gar Sterling! — wurde bald
Gegenstand der zärtlichen Obhut der
ostindifchen Compagnie, welche ganz
folgerichtig dachte, daß nach seinem Ab»
leben ein solches Erbe nothwendiger
Weise die Dividenden der Actionäre
steigern müßte. Die in der Quelle ange-
gebenen Aufsätze der Presse geben nun
ein anschauliches Bild des verruchten
Systems, daS schon bei der ursprüng.
lichen Erziehung des jungen Crösus
angewendet wurde, den man durch
Trinken, Spielen und Umgang mit zwei»
deutigen Frauenzimmern physisch und
moralisch zu Grunde zu richten suchte.
Als nun gar die alte Begum Sombie,
die Urgroßmutter des Dyce Ochter»
lon i , am 27. Jänner 4836 das Zeit-
liche gesegnet und ihr Urenkel der allei'
nige Erbe ihres ungeheuren Vermögens
wurde, wendete sich die zärtliche Sorgfalt
der ostindischen Compagnie mit verdop>
pelter Innigkeit dem glücklichen Erben
zu, dessen völlige Verkommenheit die Com»
pagnie zu den schönsten Erwartungen
berechtigte. David DyceOch ter loni
hatte sich am 26. September 4840 mit
Miß Mary Anna I o r r i s St . V in-
cent, Tochter des englischen Admirals
St. Vincent, vermalt und lebte mit
ihr einige Zeit in London ganz glücklich,
eine lucullische Pracht entfaltend, so daß
Eugen Sue in seinem Romane: „Per
ewige Jude" das Original zu dem im
Romane auftretenden indischen Prinzen
im obigen Dav id Dyce Ochterloni
gefunden hatte. Aber das eheliche Glück
zwischen Dav id Dyce und M a r y
Anna war nur von kurzer Dauer. Die
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon