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"Reinhardt 212 Neinhardt
Laster deö Asiaten, während der Flitter
wochen niedergehalten, traten nun um
so unbändiger hervor, und es kam zuletzt
so weit, daß die Verwandten seiner Gat
tin den reichen Indier für verrückt er
klären und ihn in ein NarrenhauS sper
ren ließen. Richard Dyce Sombr
gelang es aber. seinen Wächtern zu ent
springen, er begab sich nach Paris, wo
er im Juli 1844 anka-n und seinen
Geisteszustand von den ersten Aerzte,
der Seinestadt prüfen ließ, die ihn für
völlig zurechnungsfähig und geisteöge>
fund erkannten. Nach mannigfachen Wan
derungen auf dem Continente, 1848 in
Deutschland. 1848 in Rom, kehrte er
1849 nach London zurück, wo er am
1. Juli 1831 mit Hinterlassung eines
Testamentes starb. I n diesem Testamente
hatte nun Dav id Dyce Reinhardt
Sombre, nachdem er kinderlos wnr —
denn eine Tochter Penelope aus seiner
Ehe mit Miß Mary Anna Io r r iS
St. Vi i : cent war schon wenige Monate
nach der Geburt gestorben — auö Rache
gegen die Verwandten seiner Frau, die
ihn ein Jahr hindurch, 1842—1843, bis
zu seiner Entwcichung als Narren ein»
gesperrt gehalten hatten, enterbt und
die ostindische Compagnie zum
Erben eingesetzt. So wäre denn diese
zum längst geplanten Ziele gekommen.
Aber so leicht sollte eS ihr nicht werden,
die Frucht des von ihrgestreuten SamenS
zu pflücken. DaS Testament wurde von
mehreren Seiten angefochten, und zwar
von der Witwe Mary Anna Dyce
Ochterloni, daml von den zwei ille»
gitimen Schwestern desselben, nämlich
Anna Mary vermalte MajorTroup?
in London und Georgine vermalte
Baron So laro l i in Turin, und vom
englischen Fiscus, welcher mit der Witwe
und mit den beiden illegitimen Schwe» stern die Nichtigkeit sämmtlicher Verfü»
gungen deS Erblassers prätendirte. Der
Proceß zog sich längere Zeit hin, bis der
englische Gerichtshof bei sorgfältiger
Prüfung aller vorhandenen Familien»
Papiere im Jahre 1888 — und seit
dieser Zeit datirt der Zeitungslärm —
die Entdeckung machte, daß der Urgroß»
Vater deS Erblassers, von welchem eigent»
lich die Nabobschätze herrühren, kein
gebomer indischer Fürst, sondern ein
Abenteurer deutschen Stammes, ein ge-
wisser Walter Reinhardt , gewesen
sei, und demzufolge den. Colleteral.Vc»
wandten des Stammvaters auch Erb-
anspräche auf das mittleiweile von dem
englischen FiscuS verwaltete Vermögen
zu uindiciren seien. Das darauf erfolgte
Erkenntniß deS englistden Gerichtshofes
siel nun folgendermaßen aus: Der Wilwe
des Erblassers. Mary Anna Dyce
Sombre, fällt ein Drittheil deS ganzen
Vermögens zu; die beiden illegitimen
Schwestern, welche übrigens »on Dav id
Dyce Ochterloni bereits bei ihrer
Verheirathung jedezwei Millionen Francs
Augsteuer erhalten hatten, wurden mit
hren Ansprüchen abgewiesen, die übrigen
zwei Drittheile gehören den Verwandten
des um dass Jahr 1780 ausgewanderten
Walter N e i n h a r d t ' S o m b r e ,
wenn diese über ihre Verwandtschaft sich
rechtsgenügend legitimiren können. Die
Frage war nun, wer und wo sind diese
Verwandten? Und um die Beantwor»
ung dieser Frage, die im Ganzen eben
,icht schwer erscheint, wenn die Abstam-
üung Wal ter Reinhardt'S auö
Montafon in Vorarlberg einmal festge-
stellt ist, zu verwirren und in ein unlös»
areS Dunkel zu hüllen, haben daS
Bankhaus Coutts u. Comp. in Lon»
on, wahrscheinlich im Interesse der oft»
adischen Compagnie und von derselben
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon