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Neinhold 221 Neinhold
Gemüthes und die daraus hervorgehende
ergreifende, poetische und wahre Auffas-
sung der Natur nls seine ausgezeichnetste
Eigenschaft zu betrachten seien, wozu
auck die in der Kunstausstellung in Wien
im Jahre 1826 ausgestellten Landschafts
gemälde auS seinem Nachlasse die spre
chendsten Belege bildeten. — So uor>
züglich Rein hold als Künstler erschien,
so liebenswürdig war er auch als Mensch.
Sein? vortheilhafte Gestalt, sein sanfter,
ernster Blick, seine einnehmenden For-
men im Umgänge waren ein treuer Spie-
gel seiner sckönen Seele und zeigten einen
Mann von vielseitiger Bildung, dessen
anspruchlose Bescheidenheit ihm allen-
thalben Freunde gewann. Aber gerade
dieser wohlwollende Zug seines Herzens
war die nächste Veranlassung seines früh.
zeitigen Todes, durch welchen die Kunst
so viel verloren hat. Reinh old's Ge>
fährte auf der Reise nach Italien. Er-
h a rd, der schon in Wien einen Hang
zur Schwermuth gezeigt halte, versank
in Rom in immer schwärzere Melancho»
Ile, die endlich in Geisteszerrüttung
ausartete. Den Unglücklichen den rohen
Händen der Wärter in einem Irrenhause
zu überlassen, vermochte der zartfühlende
Rein hold nicht. Mit Hintansetzung
aller Rücksicht für seine eigene Existenz,
mit der uneigennützigsten Aufopferung
pflegte er den mittellosen und in wilden
Phantasien befangenen deutschen Lands,
mann einen Theil des Winters l824/5
hindurch. Endlich schien die Ruhe wie>
derzukehren, doch nur um desto schreck«
licher gestört zu werden. Die schauerliche
Nacht des 18. Jänner 1822, in wel-
cher der scheinbar genesene Erhard an
der Seite seines sorglos schlummernden
Freundes durch einen Pistolenschuß sein
Leben endete, drückte auch diesem den
Stachel des Todes in die Nilist. Rein- ho ld , der leicht bekleidet und des in
Italien so gefährlichen Nachtfrostes nicht
achtend, um Hilfe geeilt war, zog sich
eine Erkältung zu, welche in eine unheil»
bare Luftröhrenschwindsucht überging,
welcher der Künstler im Alter von 34 Iah.
ren erlag. Rein hold's Arbeiten sind
wenig in die Oeffentlichkeit gelangt, da
sie, kaum entstanden, gleich in den Besitz
der Besteller übergingen. I n Wien waren
zu sehen in den Iahres»Ausstellungen
bei St, Anna, 1822: „Ansicht an« drin
ltnlnthnenllcheü 'Dachgebirge"; — 1826:
„Nie Orntte Vn Gncumelln im Nanigieiche
Neapel"; — „Felsengchlncht uns dir Piano ai
Sarenta in Neapel"; — „Ansicht nun Oapn
lini den Galt nan Zulernn"; — „(ßegena an«
Sicilien"; — „FelZenschlncht mit Gratte an«
bei Plann t>i Sarenta". Eine während seines
Aufenthaltes in Rom von Rein hold
gemalte Ansicht des „Rera,« Aetna unu
Gaarmiila ans" befindet sich in den Samm-
lungen der Fürsteü Lobkowitz. Von
anderen Arbeiten Reinh o l d's, Zeichnun-
gen und Stichen, vornehmlich aus der Zeit
seines Wiener Aufenthaltes, sind anzufüh»
ren i „Partliie »ns dem Pratrr"; — „Nie atmen
Altanen eine« kalntlMriöclM Hachsscbirgrg mit
MeiiMllenWalke"; — eine „Alpcnliina-
; — ein „NleerHtnrm"; — „Pnrtliir
aes Znlzbnrger Manchbergr«"; — „Änlicht der
Nnie"; — mehrere im Jahre
182U in Farben ausgeführte Zeichnim-
gen des Großglockner; — Parthie des
Höllenthales bei Reichenau. Während
'eines Aufenthaltes in Paris stach er
mehrere Blätter zu einem großen Werke
über die Feldzüge Napoleon's, wel»
ches als Gegenstück des Prachtwerkes
äo I 'ÜF^^ erscheinen
ollte. Von diesen Blättern sind zu
nennen: „Nie Schlacht bei Jena"; — „Nie
tSliirmnnF nun Mrgns"; — „Nie Neuergabe
an Madrid" ; ->- „Nie Gefechte um
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon