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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 224 -
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Nemhold 224 Neinhold Rein hold weiter an seinen Vater, „so> gleich ein, daß ich wieder zu meinen lieben Eltern nach Hause müßte. Allein daS Gesetz der Liebe hielt mich an meine heilige Regel, und ich wagte eS nicht, an Sie'zu denken mit Wissen und Willen, eine Sache, die ohne Verletzung der Regel nie anders geschehen darf, als in der Absicht, für Eltern und Angehörige zu beten. Ein so eifriger Christ, wie Sie, mein bester Papa, weiß beinahe so gut als ein Geistlicher, daß es heiligere Bande gibt, als jene der sündhaften Natur, und daß ein Mensch, der dem Fleische abgestorben ist und nur noch dem Geiste lebt, eigentlich keinen anderen Vater haben könne als den himmlischen, keine andere Mutter als seinen heiligen Orden, keine anderen Verwandten als seine Brüder in Christo und kein anderes Vaterland als den Himmel!!! Die An- hänglichkeit an Fleisch und Blut ist. wie alle Geistlehrer einstimmig behaupten, eine der stärksten Ketten, mit,denen unS Satan fest an die Erde schmieden will." Solcher Anfechtungen des Satans hatte nun der kleine Rein hold sehr viele zu bestehen; denn „alle Augenblick zauberte ihm der Säten Papa und Mama, Nrü> der und Schwestern, Onkel und Tanten, selbst das Stubenmädchen im Nlternhause nicht ausgenommen, oor die Augen des Geistes". Nun aber darf der kleine Ascet ja nach Hause schreiben und die Eltern auf seine Rückkunft vorbereiten. Aber das „Gesetz der Liebe" bereitet ihm noch Gewissensqualen — und da geht denn der arme Junge hin zu dem Manuductor und bittet den geistlichen Aufseher, „nicht nur beim Schreiben, sondern auch sonst den Tag über an die Blutsfreunde den> ken zu dürfen. Die Erlaubniß wird er» theilt, die Zeiten der Meditation, der geistlichen Lesung und des Oowini ausgenommen. Aber es scheint, daß das einmal aufgethaute Gefühl der Kindesliebe zu mächtig war, und die Angst, die heilige Pflicht der Obedienz zu verletzen, treibt den gewissenhaften Knaben zum P. Rector selbst, damit er daS Schreiben „in Kraft des heiligen Gehorsams befehle". K a r l schreibt und bittet um Aufnahme in das väter» liche Haus, doch zugleich möchte er daselbst die gewohnte Lebensart fort» setzen, eine Einzelkamrner beziehen. Weder HauSmagd noch Stubenmädchen, noch eine seiner Schwest«rn solle bei ihm ein» treten, und die liebe Mama laßt er erin- nern , daß der heilige Aloifius seiner Mutter nie in's Angesicht sah, Er werde in der Welt und nicht der^Welt leben und hofft rein auS der Berührung mit der sündhaften profanen Welt hervorzu- gehen, wie die drei babylonischen Kncibcn mitten im Feuerofen unverletzt blieben. Zum Schlüsse des merkwürdigen Schrei» benS bemerkt der Knabe in einer Nach. schrift, der Rector habe ihn von einer Gewissensangst befreit, indem er ihm auf feine Frage, wie der Papst unfehlbar sein und doch das Unrecht der Ordens» auflösung begehen konnte, die Antwort gab: der Papst ist unfehlbar, wenn cr sx oatusärn, entscheidet, die Gesellschaft aber sei sx ouri«. aufgelöst worden, und die Curie lasse sich nicht vom heiligen Geiste, sondern oft von irdischer Staats» klugheit leiten. „Vielleicht leiden sie an eben dem Scrupel und dann kommt ihnen diese Auflösung heilsam", schließt der Brief des Knaben an den Vater. — Und was ist aus diesem Knaben gewor» den, der in seinem vierzehnten Jahre von solchen Scrupeln und Gewissensfragen, wie sie in diesem Briefe ausgesprochen stehen, gequält wurde? Die Geschichte der Wissenschaft nennt in der Folge
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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