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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 226 -
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NeinholV 226 Nein hold Petzold, der sich in Erbschaftsangele genheiten in Wien befand, leinte ihn daselbst kennen und schätzen und machte ihm den Antrag, ihn nach Leipzig, zu begleiten. Und im Herbste 1783 reiste Rein hold nach Leipzig und blieb vor- derhand daselbst. Dort erlangte Rein- hold daS akademische Bürgerrecht, von dort schrieb er eifrig für daS Wimer Freimaurer-Iournal, die „Real-Zeitung", und des Freiherm von Gemmingen „Magazin für Wissenschaft und Kunst" wohlhonorirte Beiträge. Dabei unter» stützte ihn die Loge „Zur wahren Ein» tracht" auch nach Kräften; nachdem aber die Jesuiten seinen Aufenthalt erforscht hatten, glaubt? Reinh old sich in Leip» zig nun nicht mehr sicher. Auf Born'S Rath begab er sich im Mai 1784 nach Weimar zu Wieland, der mit den Wiener Aufklärern in innigster Verbin» düng stand und an den er Empfehlung«, schreiben von B lum au er und Gem» m ingen mitbrachte. I n Weimar ist der Wiener und ehemalige Iesuitenzögling Reinhold Haus» und Tischgenosse Wieland'S. Dort athmete er die Luft gemeinsam mit all' den großen und tresf» lichen Männern, die auf thüringischem Boden das goldene Zeitalter der Litern» tur schufen. In Wieland's Tochter fand Reinhold eine treffliche Lebens» gesährtin , im „Mercur", dessen Mit» redacteur er 1783 wurde, das Feld literarischer Thätigkeit; Herder ward sein Freund und der Großherzog ernannte ihn zum Sachsen'Weimar'schen Rathe. In Jena entwickelte R. eine reiche lite» rarische Thätigkeit Ms philosophischem Gebiete. ^Die Titel seiner Schriften fol- gen auf S. 228.^ Zunächst schrieb er meist kleinere philosophische Abhandlun» gen im deutschen „Mercur". In einer größeren, im Jahre 1788 ohne Namen herausgegebenen Sckrift. betitelt: «Her» zenSerleichterung zweier Menschenfreunde in vertraulichen Briefen über Lava» ter's Glaubensbekenntniß" , sprach er zuerst die freisinnigen religiösen Ansichten aus, welche ihn in das protestantische Deutschland geführt hatten. Als dann der österreichische Geschichtschreiber I . M. Schmidtin dem 1788 herausgegebenen ersten Bande seiner neuen Geschichte der Deutschen sich gegen ZutHer's Refor» mation ausgesprochen hatte, veröffent» lichte Rein hold bald seine „Ehrenret- tung der Reformation", worin er seine Ueberzeugungen von den Grundsätzen und dem Geiste beS echten Protestantis» mus darlegte. Zu tiefen Studien regte ihn die 1781 erschienene „Kritik der reinen Vernunft" von Kant an. Es ist interessant, was Reinhold's Sohn in der Biographie seines Vaters darüber berichtet, wie derselbe bei der ersten auf» merksamen Durchlesung des Kant'schen WerkeS nichts als einzelne schwache Licht» funken aus einem Dunkel heivorschim» mein sah, daS sich kaum bei der fünften ganz verloren hatte. In seinen nach mehrjährigen Studien herausgegebenen Briefen suchte R. vorzüglich durch die- jenigen Resultate auf das Werk aufmerk» sam zu machen, welche sich daraus auf die Grundwahrheiten der Religion und Moral ergeben. Im Herbste 1787 wurde R. als außerordentlicher Professor der Philosophie in Jena angestellt, welche Stelle der einstige Iesuiten»Zögling dem Weisen von Königsberg, Kant, ver> dankte, der von Reinhold zuerst gründ, lich verstanden und dessen Apostel er wurde. Sieben Jahre wirkte er auf die» sem Posten, lind es war eine bedeutungS- volle Zeit, als die Universität Jena, an ihr Reinhold und mit ihm die im Jahre 1783 gegründete Ienaische „All-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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