Seite - 233 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Bild der Seite - 233 -
Text der Seite - 233 -
Neinisch 233 Neinisch
aber einen kürzeren Weg, dazwischen lag
jedoch das von den Franzosen besetzte
Rorai grande. Der Feind mußte also
überrascht und durch einen Angriff so
lange aufgehalten werden, bis Graf
Nugent nachgerückt käme. M. war
damals Oberstlieutenant und der Person
deS Commandirenden, Erzherzogs Jo-
hann, zugewiesen. Ohne Befehl abzu-
warten, nahm er die zur Bedeckung des
Erzherzogs bestimmte Schwadron und
warf sich rasch auf den im Rückzüge be<
griffenen Feind. Dieser, die Schwäche
seineS GegnerS nicht ahnend, gerieth
durch diesen plötzlichen Angriff in große
Verwirrung. Bald aber begann er sich
zu sammeln und zu neuem Kampfe zu
rüsten. Im Gefechte überschlug sich daö
Pferd, welches Reinisch ritt, dabei
erhielt er einen Säbelhieb und wurde
gefangen. Aber er hatte sich nicht ver»
rechnet: durch diesen Aufenthalt war eS
dem Obersten Nugent gelungen, noch
rechtzeitig auf dem Kampfplätze einzu»
treffen, und nun begann der Kampf
auf'S Neue. N. machte sich frei und be»
theiligte sich auch am Gefechte, daS mit
der Vernichtung deS 38. französischen
Infanterie- und 6. HuSzaren»Negimen<S
endete, wöbe! noch überdieß vier Geschütze
und drei Adler in die Hände der Unseren
kamen. Ungeachtet der schweren Kopf»
wunde, welche R. erhalten hatte, nahm
er doch an der Schlacht des folgenden
Tages Theil und trug durch sein ebenso
entschlossenes wie umsichtiges Verhalten
wesentlich zum siegreichen Erfolge deS
Tages bei, denn als der Feind zum
Angriffe auf Rorai grande und Rora!
piccolo schritt, lief unser Centrum Ge>
fahr, von dem Feinde durchbrochen zu
werden. Reinisch, der den Auftrag
hatte, mit einer Colonne dem angegriffe»
nen Feinde in die linke Flanke zu fallen, wartete nicht erst auf den Befehl zu
diesem Angriffe, sondern nahm eine noch
unthätig stehende halbe Brigade, beste»
hend aus drei Bataillonen Alvinczy und
zwei Bataillonen Oguliner und führte
sie dem Feinde entgegen. Durch diesen
Angriff und eine geschickte Verwendung
des Geschützes wurde Sacile der einzige
Punct, der des Feindes Rückzug decken
konnte, genommen. Bei dnn von dem
Obersten Csivich mit den Ogulinern
ausgeführten Sturm verlor der Feind
18 Geschütze und mehrere Tausend Ge»
fangene, und der Sieg war entschieden.
Seine Kopfwunde nahm aber nunmehr
einen so gefährlichen Charakter an, daß
R. nicht länger im activen Dienste ver>
bleiben konnte, er wurde daher in Frie-
densnnstellungen verwendet, und zwar
im April 1818 a!S Platzoberst in Grat),
wo er die Cadetten Compagnie emchtete
und fortwährend inspicirte. Im Juni
1832 wurde N. General und zugleich
Localdicector der Wiener'NeustädterMili»
tär>Akademie an Stelle deü zum Feld»
marschall'Lieutennnt und Divisionär in
LtaniSlau ernannten Johann Traut»
mann. Diesen Posten bekleidete Rei»
nisch biö zu seinem im Jahre 1843
erfolgten Ableben. Die Akademie gewann
unter seiner Leitung an Glanz und äuße»
rem Ansehen, auch fällt in seine Periode
der große Brand, der am 8. September
1834 die ganze Stadt, an 800 Häuser
und 35U Scheunen, einäscherte, von dem
jedoch die Akademie selbst verschont blieb.
Unter R. und auf seine unmittelbare
Veranlassung wurde im Jahre 1833 die
Schwimmschule erbaut, mehrere nicht
unwesentliche Aenderungen im Orgam-
sationS» und Nnterrichtsstatut vorgenom«
meri, ein Modellensaal errichtet, um den
Unterricht in den technischen Fächern zu
fördern, die Bibliothek aufgestellt und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon