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Neischer 246 Reiser
Schuhen außer Stande, solcher Ueber»
macht nur einigermaßen mit Gifolg sich
entgegenzustellen. Es wurden also, um
nicht dem Gegner Anlaß zu blutigen
Repressalien zu geben, die Compagnien
entlassen und Reischer, der vom Feinde
geächtet war, suchte Rettung in der
Flucht. Als hierauf das Land bayerisch
wurde, hatte er die mannigfachsten
Widerwärtigkeiten und Verfolgungen
aller Art zu bestehen, selbst nachdem
ihm die Rückkehr in seine Heimat ge>
stattet worden war, in der er aber sein
ganzes Vermögen eingebüßt hatte. Die
bayerische Regierung vergaß
sich in ihrer
blinden Verfolgungswuth gegen R. so
weit, daß sie ihm mit Decret vom I.Mai
1810 jede Bewerbung um irgend eine
Bedienstung untersagte. Dabei wurde
ihm aber auch der Paß nach Oesterreich
verweigert. Ihm blieb also nur heimliche
Flucht übrig, die er zuletzt auch glücklich
bewerkstelligte. Er begab sich nun nach
Wien, wo er bei Kaiser Franz seine
Lage darstellte. Mit Decret 6clo. 13. De-
cember 1810 erhielt er nun eine Weg-
meisterstelle zu Kuchau in Böhmen,
später in Eger, und kehrte, als Tirol
wieder österreichisch wurde, dahin zurück,
wo er mit Decret vom 1. October 1814
feine frühere Stelle bei St. Johann er»
hielt. Daselbst diente er, im Jahre 1839
mit einem kleinen Gehaltszuschuß bedacht,
bis 1841, in welchem er in den Ruhe-
stand übertrat. AlS aber im Sommer
1848 Tirol wieder unten Waffen trat,
führte K. am 8. August als Obercom»
Mandant die sämmtlich zusammengezoge«
nen Schützencompagnien an, aber zum
Kampfe wurde ihm keine Gelegenheit
geboten. Ob R. noch lebt, ist dem Her»
ausgeber dieses Lexikons nicht bekannt.
Im Jahre 1886, in welchem er seinen
Stutzen dem Ferdinandeum in Innsbruck,. als eine geschichtlich denkwürdige Waffe,
zum Geschenke gab, war er noch am
Leben und damals 78 Jahre alt.
Peternader (Anton), Tirols Landesuerthei'
digung nebst interessanten Biographien und
Skizzen merkwürdiger Tiroler 3andesverthei>
diaer (Innsbruck «823, Witting, »».) Theil I,
S. «81—2N4: „Thomas Reischei". — Vol l« ,
und SchützeN'Zeitung (Innsbruck, 4°.)
X I . Iahrg, (!«»«), Nr. 4: „LebenLgeschichte
eines Stutzens" fauch abgedruckt im „Oester«
reichischen Vollsfreund" 185s, Nr. «2, im
Feuilletons
Reiser, Othmar (Bürgermeister
der Stadt Marburg, geb. zu Kappet
bei Villingen im Schwarzwalde am
21. August 1792. gest. zu Marburg
in Steiermark Mitte Jänner 1868)..
Stammt auS einer Tiroler Familie, die
in der zweiten Hälfte deö 18. Iahrhun»
derts im Großherzogthum Baden sich
jeßhaft gemacht. Sein Vater, ein Grund»
besitzer zu Kappel bei Villingen in
Schwaben, ließ den talentvollen Knaben
studiren, da er auf die Unterstützung des
damaligen Fiustabtü Bert hold von
St. Blasien, eines nahen Verwandten,
rechnete. Als aber in den Jahren 1806
und 1807 die Aufhebung des Stiftes
erfolgte und Abt Bert hold mit seinen
Conuentualen Schutz in Oesterreich fand,
wo ihm das Stift St. Paul in Kärnthen
angewiesen wurde, blieb Othmar R.
sich selbst überlassen und fand endlich
keinen anderen Ausweg, als den, seinem
Gönner, dem Abte, nachzureisen. Cr
führte diesen Tntschluß im Hochsommer
1810 auch aus und gelangte nach einer
beschwerlichen Wanderung nach St. Paul,
wo ihm sein Oheim, der Fürstabt, ge»
stattete, die philosophischen Studien in
Klagenfurt zu vollenden und die Ferien
in St. Paul zuzubringen. Im Uebrigen
mußte sich R. seinen Lebensunterhalt als
Lehrer in einem achtbaren Klagenfurler
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon