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Netter 26ft Ncitcr
Zeitgenoß; arbeitete früher in einem Buch,
Handlungsgeschäfte in Brunn;' um das
Jahr 1837 «erließ er aber seine Heimat und
ging nach Nordamerika, um sich daselbst eine
neue Eiistenz zu gründen. Als der nordame»
rikanische Krieg ausbrach, trat er in die
Union5>Armee, in deren Reihen er 26 Schlach'
ten und Gefecnte mitgemacht und mehrere
Wunden erhalten hat. I n dcr Schlacht am
Potomak hatte er — wie es scheint, damals
als Hauptmann — drei Regimenter (»leich
drei!!) mit solcher Brauour vorgeführt, daß
er in Würdigung dessen zum Vrevet-Major
i»> Gencralstabe der Unions'Aruiee ernannt
und mit dem grüßen Verdienstkreuze decorirt
wurde. Er besuchte in dieser Eigenschaft im
Jahre 18L7 die Heimat, um seine Mutter, die
als alte Witwe in Vrünn lebte, wieder zu sehen.
Wiener Zei tung «8L7, Nr. 24t, S. N6-
„Ein Vrünner in der noidamerikariischen
Armee". — Fremd en > V l att. Von Gust,
Heine (Wien, 4°.) 18L7, Nr. 277.^ —
6. Matthäus Reiter (geb. 27, October
l?20. gest. 28. Mai 1828), ei» Priester, dessen
Andenken seines humanen Sinnes, seiner
Menschenfreundlichkeit wegen fortlebt. Er lebte
in Salzburg, wo die Armen und Bedräng»
ten, ferner oie Kinder, an denen er mit wah>
rer Liebe hing, an ihm einen zweiten Vater
besaßen. Dcr berühmte Aegydius I a i 6 war
sein Freund und Vorbild, und in seinen»
Geiste zu handeln, war sein eifiigstes Bestre»
ben. Auü eigenen Mitteln, die er durch die
größte Sparsamkeit und Beschränkung seiner
eigenen Bedürfnisse erwarb, ließ er zu Thun-
dorf eine Schule bauen und in den schweren
Hungerjahren l8!6 und 1817 war er den
armen Witwen, Waisen und mittellosen Stu>
direnden ein wahrer Nettungscngel. Sei»
Pfarrhof war immer von Dürftigen förmlich
belagert, aber auch die verborgene Armulh
suchte er auf und half, so gut er helfen tonnt,',
und öffentlichen gemeinnützigen Instituten ließ
er reichliche Unterstützung zukommen. So
bedachte er bei Lebzeiten schon das Bürger»
spital, das Nruderbaus, das Schullehrcr»
Seminar mit namhaften Summen, wie er
ein Gleiches mit dem Änabenseminar in Frel)>
sing that. Als in den Jahren 1816 und 1817
das Institut der Negelschwestern in Hallein
wegen des damals herrschenden Nothstandes
der Auflösung »abe war, errettete er es durch
eine namhafte Unterstützung. In seinem letzten
Wille» setzte er die Armen und Schulen der
Pfarrgemeinde Amcring und ihrer Filialen zu Universalerben ein. Er war fleißig als
Schriftsteller thätig. Von seinen zahlreichen
Werken, meist Andachtsbücher, welche Kay»
ser's „Bücher Leiikon". Vd. IV, S. 432, an»
führt, sind zu nennen: „Andachtsübungen für
gemeine katholische Christen" (3, Aufl., Salz»
bürg 1813, Mayr, 12»), auch in französischer
Uebersetzung - „I^iv!'» c!e äcvntion" (ebd.
l8«2. 8",); — „Katholisches Gebetbuch zur
Beförderung des wahren Christenthums"
(Salzburg 1783, l7. oerb. Aufl. 1830. Mayr.
12«.),- — „Nachtrag biographischer und schrift»
stellerischer Notizen zu ?. Aegyd. I a i s '
Geist und Leben" (ebd. 1828. Mayr, mit
I a i s ' Vildniß, 8«.); auch gab er den 4. Band
uon ?. Ia iS ' „Predigten, die Alle «erstehen
und die Meisten brauchen können" nach dessen
Tode heraus. sEH centempel der tatholi»
schen Geistlichen u. s. w. (Wien 184«, Iac.
Dirnböck, 8°,) S, i52.) — L. Michael Rei-
te r lebte im ersten Decennium des laufenden
Jahrhunderts als Caplan an der St, Mathias»
Pfarre zu Linz, wo er den Ruf eines großen
Kinderfreundes besaß. Unter den Kindern
welchen er im Jahre 1«l2 den Fiimungö»
unteriicht ertheilte, befand sich auch ein 14jäh»
riges taubstummes Mädchen, die Tochter
eines TaglZhners, die trotz ihrer Taubstumm»
heit doch so große Lernbegierdc zeigte, daß
Caplan Reiter dem Kinde seine besondere
Aufmerksamkeit zuwendete und darüber nach»
sann, wie er sich der Taubstummen an, besten
verständlich machen könne. Da Niemand in
Linz und der nächsten Umgebung lebte, der
ihm einige Anweisung hätte ertheilen können,
so suchte er. theils durch eigenes Nachdenken
die richtigen Mittel zu finden, theils aus
Büchern sich Aufschlüsse über den Taudstum»
men>Unterricht zu verschaffen. Der Erfolg
war in solcher Weise lohnend, daß ihm bald
uon mehreren Seiten taubstumme Kinder zum
Unterricht zugesendet wurden, welche gleich»
falls unter seiner Leitung die erfreulichsten
Fortschritte '.nachten. Nun nahm sich die Ge>
srllschaft adeliger Frauen des wackeren Kinder»
freundes an und veranlaßte eö, daß er in
das Wiener Taubstummen-Inslitut gesendet
wurde, um sich dort mit allen Vortheilen in
der Methode des Taubstunnmn-UntN'richtes
bekannt zu machen. Nach seiner Rückkehr
nach Linz mehrte sich die Zahl seiner taub»
stummen Zögling?, die er durch seinen Unter»
richt aus der Nacht ihres unverschuldeten
Unglückes wieder dein geistigen Leben zurück»
gab. ^Ehrentempel der katholischen Geist«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon