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eitz, Constantin (k. k. österreichischer
Consul, geb. zu Dieburg im Darm»
städtischen im Jahre 1816, gest. zu
Doka in Inner-Afrika 26. Mai 1833).
Sein Vater war Oberforstmeister und
ließ den Sohn durch einen Hauslehrer
unterrichten. Im Jahre 1838 bezog N.
die Landes>Univeisitüt Gießen, wo er
sich dem Studium der Forstwissenschaft
widmete, dabei fleißig die Klinge Hand-
habte und durch seinen gesunden unver»
wüstlichen Humor in allen Kreisen beliebt
machte. Als sich ihm aber die Aussichten,
welche sein Vrotstudium ihm darbot,
wenig erquicklich zeigten, gab er es auf.
erwarb zu Gießen den Docrorhut der
Philosophie und piivatifiite einige Jahre
zu Gießen, indem er zugleich Unterricht
theils an Privatpersonen, theils in öffent»
lichen Lehranstalten ertheilte. AuS einer
Fußwanderung, welche er im Sommer
1843 in die Schweiz und in das südliche
Frankreich unternahm, wurde wider Er-
warten ein Ausflug in die weite Welt.
Durch ein zufälliges Zusammentreffen
mit dem damaligen englischen Consul in
Mailand geschah es, daß er, ohne nach
Gießen oder in seine Heimat zurückzukeh.
ren, sofort die Stelle als Hofmeister bei
den Kindern desselben annahm. In die>
sem Verhältniß verbrachte er mehrere
Jahre in Mailand unter den angenehm»
sten Umstanden, da er ja im Hause wie
ein Familienglied lieb und werth gehalten
wurde. Von Mailand begab er sich nach
Neapel, wo er als Priuatgelehrter lebte
und sich eine angenehme Existenz dadurch
gründete, daß er jungen Leuten cmS
höheren Ständen Unterricht ertheilte.
So kam er in die höheren Kreise der
Neapolitaner Gesellschaft, deren Liebling
er bald wurde. Aber bald änderten sich
die Verhältnisse deS dortigen geselligen
Lebens. Im Sommer 1tt4? begannen sich die politischen Zustände Neapels
immer schlimmer zu gestalten; nach der
dem papstlichen Nuntius dargebrachten
Serenade wurden Verhaftungen uorge»
nommen, wodurch auch einige Jünglinge
aus den Familien, mit denen R. im
Verkehre stand, auf das Castell St.
Elmo kamen. In Folge dieser unerquick-
lichen Verhältnisse, die ja auch für ihn
bedrohlich weiden konnten, schloß sich R.
zwei Landsleuten an, die zu jener Zeit
in Neapel verweilten und eben im Be.
griffe standen. Sicilien und Egypten zu
bereisen. Als Vierter gesellte sich noch
der Naturforscher und Reisende Nuppel
auS Frankfurt zu ihnen. R. ging nun mit
seiner Reisegesellschaft nach Aleiandria,
von da nach Kairo, wo er im Secre»
tariat des dortigen k. k. österreichischen
Konsuls eine Anstellung erhielt. Auf die»
sem Posten entwickelte er solche Umsicht
und Geschäftstüchtigkeit, daß er zum
Secretär deS österreichischen Konsulats
in Alexandria ernannt wurde, wo er sich
gleichfalls durch seine Gewandtheit und
Dienstbeflissenheit die Anerkennung seiner
Vorgesetzten erwarb. Als er bald darauf
zum Viceconsul in Cyartum befördert
worden war — der eigentliche Consul
Dr. von Mül le r war gar nie auf seinen
Posten gegangen — riefen ihn im Jahre
1836 die Verhandlungen über dieses
neueriichtete Konsulat für einige Zeit
nach Europa zurück, welche Gelegenheit
er auch zu einem Besuche seiner Heimat
benutzte. Ende Sommer genannten Iah-
reS begab sich R. über Wien und Trieft
auf seinen neuen Posten. Auf demselben
entwickelte er eine höchst verdienstliche
Wirksamkeit, zu welcher ihn geistige wie
körperliche Energie, heller Verstand,
große Gewandtheit, mit den Menschen
umzugehen, und endlich die Bekanntschaft
mit den Verhältnissen und Sprachen der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon