Seite - 277 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
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Wunsche seiner frommen Mütter nach
zukommen, begann er nach beendeten
philosophischen Studien im Jahre 1828
zu Raab das Studium der Theologie,
welckem er durch drei Jahre oblag, es
aber, als die Mutter starb, aufgab und
sich nun ausschließlich dem Studium der
ungarischen Sprache zuwendete, daS er
jedoch während seiner theologischen Lauf>
bahn nie ganz aufgegeben hatte. Wäh>
rend desselben machte er auch die Ve»
kanntschafl des ungarischen Dichters An»
dreas Horväth sBd. IX, S. 313^.
der, damals Pfarrer zu TH6th, später zu
Pazmand, den Candidatm Remäle,
während er zu iiiaab Theologie stu>
dirte, liebevoll aufnahm und ihm die
Theilnahme auch danu noch bewahrte,
nachdem R. dem theologischen Stu-
dium bereits einsagt hatie. Horuä,tl)
schrieb damals eben sein nachmals von
der ungarischen Akademie mit dem gro»
ßen'Preise von 2(10 Stück Ducaten ge-
tröntes EpoS «^rriilä^, welkes er
Remäle vorlas und der über das Ge°
horte rücksichtslos seine Anficht auS-
sprechen mußte. Nachdem R. das Stu-
dium der Theologie bereits aufgegeben,
blieb er dennoch in Naab, wo er Musik-
lectionen gab. sich mit dem Studium der
ungarischen Literatur beschäftigte und
in den Ausflügen nach Pazmand zu dem
Dichter Horvä th eine ihn erhebende
geistige Erholung fand. Im Jahre 1831
unternahm R. eine längere Reise durch
das südl,che Ungarn, Croatien, Steter»
mark, Kärnthen, Salzburg nnd Bayern,
von welcher er »833 über Ober» und
Niederösterrei'ch nach Raab zurückkehrte.
Er hatte aus derselben die verschiedene»
Lehranstalten besucht, im nächsten Hm>
blicke, um das Nützliche in denselben
in seinem Vaterlands zur Anwendung zu
bringen. AIs dann um dieselbe Zeit ei» ConcurS für die Lehrkanzel der magya.'
riscken Sprache in Fiume ausgeschrieben
wurde, begab er sich zur Bewerbung um
dieselbe nach Aqram, ging aber, ohne
den Lrfolg abzuwarten, da ihm seine
materiellen Mittel ein längeres Verwei»
len nicht gestatteten, 1834 nach Wien,
wo er eine Stelle in der Erziehungs«
anstatt des Herrn Ferdinand Weidn er
annahm und in derselben durch drei
Jahre im Erziehuiigsgeschafte thätig
war. Im Jahre 1838 erhielt er von der
s. k. niederösierreichischen Landesregie»
rung die Bewilligimg zur Errichtung
einer Lehranstalt für ungarische Sprache
und Literatur und im Jahre 1841 einen
Ruf an die Wiener Hochschule und zur
kön. ungarischen Leibgarde, um an erste«
rec Vorträge über die vorgenannten
Gegenstände, in letzterer über deutsche
Sprache zu halten. Im Jahre 1844
erlangte R. an der Wiener Hochschule
die philosophische Doctorwürde und
wurde noch im nämlichen Jahre Mit»
glied der philosophischen Facultät. Im
Jahre 4847 fiel cnif ihn die Wahl zum
Lehrer der Erzherzoge Albrecht und
Wi lhe lm in der ungarischen Sprache.
Als dann im Jahre 1848 über seinen
Antrag eine Lehrkanzel der ungarischen
Sprache und Literatur an der Wiei'cer
Hochschule systemifirt wurde, erhielt R.
die Professur derselben! worauf er noch
im folgenden Jahre die Supplinmg der
Lehrkanzel über höhere Erziehungakunde
übernahm. In seinem Fache schriftstelle»
lisch thätig, hat R. bisher folgende
Schriften herausgegeben: »Vchrlinch der
ungarischen spräche" (Wien <840, Tendler
u.Comp.; 3. Aufl. «880. 8".)'. — ,Än».
Iqse „Mlischil CIll»!kel" l>bd. 1843. 8«.)'.
'' (ebd. 4843,
d. i. Der Wunderboctor und Hausfreund
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon