Seite - 281 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
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28 l Nemönyi
Mutter, die !m Confiscationswege von
HauS und Hof getrieben worden war,
als letzte Stütze geweilt, bis ei ihr ein
Unterkommen verschafft. während er
selbst mit Mühe den Häschern entrann,
die er schon auf seinen Felsen fühlte. Es
war ihm gelungen, auf seiner Flucht
Hamburg zu erreichen, wo er gegen alle
weiteren Nachstellungen gesichert war,
denn die Hamburger Bürgerschaft hatte
sich !m hohen Grade edel gegen die
Flüchtigen jener Tage benommen und
auch Remänyi fand gastliche Unter-
knnft. Als in einigen Tagen zur Unter»
stühung der ungarischen Flüchtlinge ein
großes Concert gegeben wurde. trcit
Remenyi zum ersten Male vor einem
deutschenP^iblicum auf und erntete durch
sein zündendes Spiel ungeheuren Bei»
fall. Von d"M auf ihn fallenden Geld-
betrage der Einnahme behielt er für sich
nur. was er zu seiner Reise nach Eng»
land benöthigte, das Uebrige schickte er
seiner Mutter, welche von London we!»
tere Spenden ihres Sohnes erhielt.
Nach einigen in London gegebenen
Concerten schiffte er sich nach den Ver<
einigten Staaten ein, wo eg ihm gleich»
falls nicht an glänzendem Erfolge fehlte.
DaS ganze Jahr 1850 bereiste ei die
Hauptstädte Nordamerika's, dann lehrte
er nach Paris zurück, wo er einige Zeit
in völliger Zurückgezogenheit lebte. Im
Jahre !833 bereiste er Deutschland,
kam nach Wiesbaden und Weimar, an
welch letzterem Orte er sich mit Franz
Li'Szt, der ihm stamm» und kunstver»
wandten Feuerseele, freundschaftlich ver>
band. Im Jahre 4834 bereiste er Groß.
britannien und erlangte im folgenden
Jahre von der durch sein Spiel entzück»
ten Königin die Stelle eines Solo-
VioliN'Virtuosen am königlichen Hofe.
Von dieser Zeit an ist der Künstler be> standig a»f Kunstrcisen, ab nnd zu seine
Heimat besuchend; im Jahre 1862 befand
er sich in Berlin, wo Meyerbeer ihn
auf dem Piano begleitete, und in Wien,
im Jahre 1868 spielte er in Böhmen
und wieder in Paris, im Jahre 1867
in Konstantinopel vor dem Sultan. AlS
Gedeon Graf Räday nach Herrn von
Radnntfay'S Tode im October 1869
die Intendanz des Pestber National»
Theaters übernahm, forderte der Graf
den Künstler auf, die eiste Concert«
meistrrstelle im Orchester zu übevn.ehmen.
Nemenni folgte diesem Rufe und be>
hielt diele Stelle bis gegen daS Knde
des IahreS 187!, worauf er einen
öffentlichen Absagebrief an den Grafen
richtete, worin er demselben die Nieder»
legung seiner Stelle anzeigt, da der Graf
durch Engagement einer mittelmäßigen
italienischen Operngcs,llschaft der Ratio»
nal Muse entgegengetreten war, und es
Remänyi schien, daß bei dem ungarischen
Theater nicht die Hebung der National»
cnltur das Hauptziel, sondern vielmehr
andere Factoren maßgebend seien, die
sich um UngarnS Kmistvechältnisse sehr
wenig kümmern. — Remönyi ist auch
als Componist thätig und spielt in Con»
certen neben classischer M,isit auch eigene
Kompositionen, wogegen sich der kritische
RigoriSmnS zu wiederholten Malen schon
auflehnte. Ob deren welche im Stiche
erschienen sind, ist dem Herausgeber die»
seS Lcrckong nicht bekannt. So spielte
N. in seinen im Jahre 186l in Pesth
veianstalteten Quartett > Soiruen von
eigener Composition: .Pastorale" und
„Vi^aöo«; — „Vollbad"; — ,Könl>
gin Mab" , Traumbild nach Shake»
speare; — eine von ihm nach Mo»
csonyi transcribirte „Ungarische Ro»
manze" — und „Heroischer i?ii8 öla-
", ein Quartett. Außerdem find von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon