Seite - 307 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
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Neschauer 307 Neschauer
nahm er die Darstellung der März»
tage in Angriff und schuf mit dersel»
ben die erste ausführliche, auf Quellen»
studien beruhende Geschichte dieses epoche»
machenden Abschnittes der österreichischen
Staatsgeschichte. Trotzdem litt daö in
Wald hei ms Verlag erscheinende, mit
theilweise prächtigen Holzschnitten aus»
gestattete Werk dadurch, daß dessen
Erscheinen zu sehr beschleunigt wurde.
Ein journalistisches Wiener Treigniß that
außerdem dieser Arbeit wesentlichen Gin»
trag. Kurz nach der Auögabe der zwei»
ten Lieferung seines Buches begründete
nämlich R. in Gemeinschaft mit drei
Collegen im Bureau der „Morgenpost"
auf Grundlage des vom Wechsler
Mayer um 13.000 fl. angekauften
Journals „Wiener Tagblatt" daS Iour»
nal „NeucS Wiener Tagblatt", demo»
kratisches Organ, ein Volksblatt, welches
in der Wiener Journalistik für die klei>
nen Blätter das werden sollte, waö die
„Neue freie Presse" für die großen
geworden ist. Eine Reihe von Preß-
Processen, welche R. im Jahre 1868 als
verantwortlicher Redacteur dieses Blattes
zu bestehen hatte, ferner seine Verurthei-
lung zu zehnmonatlichcm strengen Arreste
halfen dem Blatte und seinem Redacteur
zu Namen und Bedeutung. Die ange»
strengte Thätigkeit aber bei dem „Neuen
Wiener Tagblatt" ließ die gleichzeitige
Abfassung seines umfangreichen Werkes
nicht zu, und so übertrug sein Verleger
die Fortsetzung der r>on ihm im ersten
Bande bis zum Abende des 15. März
1848 geführten Geschichte der Wiener
Revolution an den Literaten Morij
Smetaczko, welcher die Arbeit zum
Abschlüsse brachte. Unter dem Ministe-
rium Potoc l i war R. nicht blos jour»
nalistisch, sondern auch als Parteimann
persönlich thätig. Im Vereine mit Man« nein d<r sogenannten „Linken" des Ge»
meinderatheS gründete er die deutsche
Fortschr i t tspartei in Niederöster»
reich, die im Interesse des Kleinbürger»
thumS in einer seiner Zeit vielbesvroche»
nenen Audienz von dem damaligen Mi»
nister » Präsidenten Grafen P o t o c k i
durch eine Deputation, deren Sprecher
R. war, die Herabsetzung des Wahlcen»
sus für den Landtag forderte, und trotz»
dem diesem Wunsche nicht Folge gegeben
wurde, in allen Wahlbezirken NienS den
damaligen Kandidaten deS deutschen
Vereins den Wahlsieg streitig zu machen
suchte. R. war während dieser Zeit
Gegenstand der heftigsten Angriffe, die
jedoch für ihn keinen weiteren Nach»
theil hatten. Er hatte das in, den unte»
ren Volksschichten einflußreichste Wiener
Blatt, das „Tagblati", und eine bedeu»
tende Partei in der Bürgerschaft für
sich; die letztere namentlich deßhalb, weil
die „Fortschrittspartei" vor Allem zum
Kampfe gegen die herrschende Korruption
aufforderte und in der That den Sturz
einzelner bisheriger Abgeordneten herbei»
führte, welche die Ausbeutung ihrer
politischen Stellungen zu persönlichen
Zwecken, in einer mit der Wurde eines
Volksvertreters geradezu unuereinbnren
Weise betrieben hatten. Auf dem St.
Pöltener Parteitage erst kam es wieder
Angesichts der Gefahren, mit welchen daS
Ministerium Ho henwa rt»Sch äffle
die Stellung der Deutschen in Oesterreich
bedrohte, zu einer Verständigung zwi-
schen sämmtlichen liberalen Fractionen
der Wiener Wählerschaft. N. und seine
früheren Genossen im Central-Wahl»
comitä der Fortschrittspartei traten nun
in das vom Parteitage eingesetzte 2en>
tral-Wahlcomitä ein und trugen weseni»
lich dazu bei, der deutschen VerfafsungS»
partei auch im neunten Bezirke Wiens,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon