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Nessel 317 Nessel
englische Admiralität. Jahr um Jahr
harrte er auf Erledigung, erhielt aber
feine. Als dann im Jahre 1837 Se.
kais. Hoheit Erzherzog Ferdinand
Max nach London reiste, wendete fich
Nessel in smier Angelegenheit an ihn
als seinen obersten Chef. Aber daS Er>
gebniß der Bemühungen des kaiserlichen
Prinzen sollte R. nicht mehr erfahren.
Der Tod hatte ihm den Schmerz erspart,
sich trotz solchen Fürsprechers um sein
gutes Recht betrogen zu sehen. England
hatte die Prämie an fünf verschiedene
englische Kompetenten, deren Namen die
Admiralität nicht einmal bekannt gab,
vertheilt. Die Rückstellung der ihr über»
sendeten Documente Ressel's konnte
nicht erlangt werden: denn, schreibt der
englische General-Consul in London, sie
scheinen verloren gegangen zu sein! Aber
mit solch einem gewissenlosen, eines
Amtes, und sei eö auch in England, wo
freilich in dieser Hinsicht noch VieleS sehr,
sehr faul ist, unwürdigem Vorgange, find
Ressel's Prioritätgansprüche doch noch
nicht erledigt. Der übrigen zahlreichen
Erfindungen Nessel'S, sowie seiner ver>
schiedenllitigen Arbeiten wird aufS. 318
in den Quellen ausführlich gedacht.
Wir weifen nur noch einen kurzen Blick
auf Ressel's amtliche Schicksale. Im
Amte stand der Erfinder der Propeller»
schraube als „Projectenmacher" schlecht
angeschrieben und erfuhr in Folge dessen
mannigfaltige Versetzungen, endlich gar
jene — in Disponibilität. Unter solchen
Verhältnissen kam das Jahr 1848 heran.
Die ersten Zeichen! der Märzaufstand der
Arsenalott! und der Abfall der Venetia-
ner Marine ließen ahnen, was noch zu
erwarten sei. Nessel befand sich zu jener
Zeit in Istrien auf Commission, Frau
und Kinder lebten in Venedig. Die Lage
war sehr kritisch geworden und Nessel 's nächster Gedanke war darauf gerichtet,
den außerhalb Venedig befindlichen Theil
der Flolte zu retten. Er begab sich also
unverzüglich nach Trieft und bewog den
Civil» und Militär'Gouvemeur Grafen
Gyulay, allda ein neues Marine-Com»
mando — da jenes von Venedig in
Feindeshand sich befand — zu schaffen.
In der That ertheilte ihm Graf Gyu-
lay die Vollmacht dazu. Mit der ihm
eigenen Kaltblütigkeit schritt Nessel an
seine schwierige Aufgabe. Die Italiener
wurden sofort entlassen und für die
nöthigen Administrativ «Behörden trug
Nessel Sorge. So hatte man wenigstens
daS Schiffsmateriale gerettet, wclcheS
man später mit verläßlicher Bemannung
versah. Nnd Nessel'S Lohn? Er wurde
nicht quiescirt, sondern zunächst zum
provisorischen Maiine'Sub.Illtendciüten
ernannt. Bei Reorganisation der Marine
aber wurde er Mcirine.Forst'Intendant
mit 800 st, Gehalt, wozu er gegen das
Ende seiner Tage eine Zulage von
200 fl. erhielt! So wurde die Treue
belohnt!! Seine eigentliche Lebens», rich»
tiger Duldergeschichte hat ein Ende. Auf
einer im Jahre 1837 unternommenen
Dienstreise in der Malaria des Laibacher
Moores wurde er in den ersten Tagen
des October vom Typhus befallen, dem
er schon, fern vom häuslichen Herde und
der Psiege seiner Familie, nach fünf Ta>
gen erlag. Selbst in der Hitze deS Fiebers
hatte ihn seine Gegenwart nicht verlassen.
Auf der Rückseite eines Receptes hatte
er letzte Worte an seine Familie gerichtet.
Darin warf er einen Rückblick auf ein
Leben, in welchem sein unermüdlicher
NrsindungSdrang ihm nur Kampf und
Schmerz bereitet hatte. Im Angesichte
deS TodeS mit der Wahrheitsliebe eines
Sterbenden behauptete er noch sein An-
recht auf die Schraube. Seiner Witwe
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon