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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 325 -
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Nettich 328 Nettich sie selbst so viel verdankte, gedachte, während Tieck in seinen dramaturgi» schen Blättern öfter in aufmunternder und anerkennender Weise seiner Elevin erwähnt. Zwei Jahre war Julie Gley am Dresdener Hoftheater thätig gewesen, und schon ergingen im Jahre 1827 an sie Einladungen zu Gastspielen in Prag und Hamburg. Aber ihre Blicke lichtete sie damals bereits nach der Wiener Hof» bühne, welcher das schöne Vorrecht, die erste in Deutschland zu sein, wohl zu jener Zeit Niemand streitig machen konnte. Das Wiener Burg »Theater, damals unter Schreyvogel 's gediegener Lei» tung, besaß einen europäischen Ruf. Im Winter 1828 war eS ihr endlich gegönnt, zu einem Gastspiele nach Wien zu leisen, welches in der Zeit vom 18. bis 19. De> cembernurdreiRollen umfaßte, das M ad» chen von Mar ienburg , in dem da> maligen beliebten gleichnamigen Stücke von Kra t te l , die Wi lhe lm ine in Bretzner'S „Rauschchen" unddieIiene in Schenk'S „Belisar". Dieses Gast. spiel hatte kein weiteres Ergebniß als im folgenden Jahre die Einladung zu einem zweiten, in welchem sie nebst der letzten der obgenannten Rollen noch die Jung» frau von Or leans, die Thekla in „Nallenstein", Hie Isabel la in den „Quälgeistern", einer älteren Bearbe!> tung von Shakespeare'S ,Viel Lär. men um Nichts", und dieTl i fena in „Wald von Hermannstadt", von Frau von Weissentyurn, spielte und mit dem Neifalle des Publicums den viel lohnenderen Schreyvogel 's erntete, der nun in ihr eine Kraft erkannte, die den vorhandenen Kräften der von ihm ge> leiteten Bühne stch ebenbürtig zeigte und welche zu gewinnen sich um so mehr lohnte, als eben das von ihr gespielte Fach einer Ergänzung bedürfte. Ueberdieß hatte der glänzende Erfolg ihres Wiener Gastspie^ leS ihren Künstlerruf gesteigert, eS kamen ihr von mehreren bedeutenden Bühnen Anträge zu, aber sie entschied sich für Wien, wo ihl Schreyvogel's Leitung für die Lösung künstlerischer Aufgaben eine sichere Bürgschaft bot. Nnchdem sie ihre Verbindlichkeiten an der Dresdener Hofbühne gelöst, an welcher sie noch in der ersten, zur Goethe>Fe!er veranstalte- ten Aufführung deS.Faust" als Giet. cker einen glänzenden Eifolg gefeiert, trat sie am 12. October 1830. wenige Monate nach dem Tode der Sophie Mül le r (gest. 20. Juni 1830). als Ju l ie in „Romeo und Julie" ihr En- gagement im Vulgtheater an. In dem« selben wurde sie bald der Liebling deS Publicums, vor dem sie in einer Reihe der schönsten Rollen, die sie schuf, na- mentlich als Olga in Raup ach'S „Ist» dor und Olga", als Mar ia Stuar t , als Cami l la in Houwa lds „Bild", als E lv i ra in Müller 'S „Schuld" ihre künstlerische Meisterschaft darlegte. Die Ferien benutzte sie zu Gastspielen i auf einem derselben, in Gratz 1832, ga» stirte sie zugleich m>'t dem Hofschauspieler Kar l Rett ich, und als dessen Braut kehlte sie nach Wien zuiück und wurde am 9. April 1833 dessen Gattin. Nun traten mehrere Umstände zu gleicher Zeit ein, welche der Hofbühne die kaum gewonnene Künstlerin wieder entführten. Durch die damals herrschende Eholera hatte sie zuerst ihren Vater verloren, bald darauf wurde sie selbst und ihre Schwester vom Typhus befallen, welchem die Letztere erlag. Tiefe Melancholie be> mächtigte sich nun der genesenden Künst» lerin, die nun eifrigst bestrebt war, die Stätte zu verlassen, wo sie in kurzer Zeit so schweres Leid erfahren. Aber eS waren noch andere Factoren thätig, um der
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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