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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 328 -
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Seite - 328 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25

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Nettich 328 Nettich den Umgang mit Gebildeten bereicherte sie täglich den bereits gewonnenen Schatz ihrer mannnigfaltigen Kenntniffe. I n dieser Hinsicht wirkte der Verkehr mit dem Dichter Ha lm, der ein Freund ihres Hauses war, im hohen Grade anregend und fast erscheint eS wie ein Act dankbarer Wiedervergeltung, wenn sie als Trägerin der Hauptrollen in seinen Dramen ihnen auf der Hofbühne zu Erfolgen verhalf, der ihnen auf ande» ren Bühnen nicht immer zu Theil ward. Dabei besaß Frau Rettich ganz unge» wohnliche Sprachkenntniffe und behan« delte fie daS Italienische, Französische, Englische wie ihre Muttersprache. Die Gabe der Declamation besaß sie in einer Art, wie nur wenige Künstlerinen sich der» selben rühmen können, und nur dadurch ist eS erklärlich, daß z. B. die oft schalen Declamationidichtungen Saphir 's zu einer Bedeutung gelangten, die fie sonst nicht erlangt hatten. Wunderte sich doch der Humorist selbst oft genug über den ungeahnten Erfolg seiner Reime» reien und Wortklaubereien, welche sogar Mode geworden und nachgeahmt wur» den. Als Vorleserin Ihrer kais. Hoheit der Erzherzogin Sophie stand sie auch in Hofkreisen in der höchsten Achtung. Nach dem Ableben der Künstlerin ließ die erlauchte Frau Herrn Rettich zu sich rufen, um ihm in den zartesten Wo» ten ihr Beileid über den unersetzlichen Verlust auszusprechen, den er und die Kunst durch ihren Tod erlitten, und schloß die Erzherzogin ihre Rede: , Ich selbst ver lor in ihr die Künstle, r in und eine Freundin". Während der Zeit der Krankheit der Künstlerin sandte sie jeden Morgen den Kammer« diener in die Wohnung der Frau Ret» tich, um gleich in den frühesten Morgen» stunden einen Berickt über daS Vesinden der Künstlerin zu erhalten. Es war eine seltene Frau, die mit den großen Talen» ten eines reichen Geistes die edelsten Vorzüge eines Weibes in sich vereinigte. — Ueber Frau Rettich als Mutter gibt uns Betti Pao l i einige Aufschlüsse. AuS ihrer Ehe mit Ka r l Rettich hatte die Künstlerin nur eine Tochter (geb. im Jahre 4834) und zur Erinnerung an die dahingeschiedene Schwester Emi l ie ge» nannt. Mit welch schwärmerischer Zart» lichkeit sie diese« Kind, das ihr einziges blieb, umfaßte, schreibt Betti Pao l i , weiß nur der, dem ein Einblick in ihr Verhältniß zu ihrer Tochter gegönnt war. Diese Liebe war ihr ein Cultus, der all ihr Thun und Lassen bedingte, dem sie freudig Alles opferte, unbeküm- meit, ob das Opfer nicht unuerhältniß» mäßig größer sei, als der damit zu er» reichende Zweck. Lieber hätte sie ihr eigenes Herz zerdrückt, als einen Wunsch Emilien'S unerfüllt gelassen. Die Gü» ter, die ihr eigenes Leben schmückten, hatten für sie nur in sofern Werth, als sie in ihnen Mittel sah, den künftigen Lebensweg ihres KindeS zu ebnen. Es ist charakteristisch für ihr ganzes Wesen, «daß die Mutterliebe, diese einzige Liebe, der kein Atom von Selbstsucht innewohnt, die stärkste und heftigste Leidenschaft war. die sie empfand". Emi l ie erhielt eine ungemein sorgfältige Erziehung,' bildete sich vornehmlich im Gesänge aus und widmete sich der Bühne. Sie wurde spater Gemalin deS italienischen Impre» sario Eugen Mere l l i und trat an meh. reren italienischen ^Bühnen unter dem Namen Madame Redi mit Erfolg auf. AuS dieser Ehe der Tochter mi tMerel l i sind zwei Kinder, Karo l ine und Fried« rich, vorhanden, welche seit ihrer Geburt im Hause der Großeltern sich befinden und deren Erziehung noch gegenwärtig
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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