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Nettich 337 Nettich
herausgegebenen „Theater-Album". — <2)Ihr
Bild al« Mar ia de Mol ina in Halm's
gleichnamigem Drama, von Eybl in Oel
gemalt, befindet sich in der von Kaiser Io<
jeph I I . gegründeten Gallerie der Wiener
Hofschauspieler im Burgtheater unweit der
kaiserlichen Loge.
VI. Handschrift. Das „Deutsche Stan,m<
buch" enthält in ftcsimilirter Schrift fol>
gende, nicht blos geschriebene, sondern von der
Künstlerin im Leben auch verwirllichte Devise:
„Du mußt der Kunst dich ganz, nicht halb
ergeben,
Sonst taugt nicht dein? Kunst und nicht
dein Leben.
Wien. d: 12/9 <««2. Ju l ie Rettich,"
VII. Degräbniß und Viabdenkinal. Fremden-
Blat t . Von Gust. Heine (Wien, 4<>.) t866,
Nr. 102: „Julie Nettich'« Leichenbegängniß".
'— Neue freie Presse <866, Nr, 38«:
„Julie Nettich'S Begrabniß" s^ mit der von
Dr. Laube an ihrem Sarge gesprochenen
Rede). — Presse i8üL Nr. 102, im Local.
Anzeiger: „Leichenbegängniß der Frau Julie
Rettich".— Wien erZ ei tun g 186L, Nr. 83,
S. i?4: „Lei6>enbegängniß der Frau Rettich".
— Wrabdenkmal. Frau Julie Rettich liegt
in Wien auf dem protestantischen Friedhofe
begraben. Ein schöner Granitsockel, der in
einem Medaillon das wohlgetroffene Vildnih
der Künstlerin weist, trägt folgende Inschrift:
Juwel der Kunst, Juwel der Frauen, > Im
Kleinen groß, im Großen unerreicht; > Treu
jeder Pflicht, ward jede Pflicht Dir leicht, j
Dich werden wir nicht wieder schauen.
VIII. Caietan Cerri zeichnet von Julie R ct>
tich folgende zutreffende Silhouette: „Cine
geborene Tragödin, Diese hehre, schlanle
Gestalt, dieses edle Ebenmaß der Glieder und
Formen, diese imponirende, würdevollernste
Erscheinung, das Alles ist gemacht, um vom
hohen Kothurn getragen zu werden- OoaleS,
blasses Gesicht mit ausdrucksvollen, leichtbe»
wegten und' scharfgezeichneten Zügen; brau«
neö Haar; weite Stirne; duntelfeuriges, be>
sonders schöngeschnittenes Auge; Adlernase;
um den Mund ein eigenthümlicher, halb gut<
müthiger, halb sarkastischer Zug; wohlgeschul»
tes, wirksames Organ; vorzügliche Aussprache;
ungeziertes und doch vornehm gemessenes
Portamento; riesiges Gedächtniß. Um das
Genie dieser großen Künstlerin auf der Nühne
vollkommen würdigen zu können, muß man
sie in zwei so diametral entgegengesetzten
Rollen, wie beispielsweise „Elektra" und
v. Wurzbach, biogl.Leiiton. XXV. sEedr. „Neuberin", nacheinander gesehen haben. Im
Privatleben heiter, warm, deutschhäuslich und
durch Geist und Gemüth ungemein anregend
und fassend; besondere bemertenswerth ist
auch ihre enorme Belesenheit."
Rettich, Karl (k. ?. Hofs ch au spie»
ler, geb. zu Wien 3. Februar 1803).
Sein Vater Franz R. war Hofsecretär
bei der k. k. obersten Iustizstelle und
selbst durch mehrere Jahre Mitglied der
Wiener Hofbühne. Die Sache verhielt
sich eigenthümlich. Wahrend seiner Stu»
dien begegnete Kaiser Joseph H. dem
jungen Mann im Augarten, in dei
Lectüre eines Theaterstückes vertieft. Der
Kaiser, leutselig, wie er war, ließ mit
demselben in ein Gespräch sich ein und
erfuhr von ihm, der den Kaiser nicht
kannte, welche Begeisterung für die
Schauspielkunst er empfinde. Der Kaiser,
dem die Act und Weise N.'S gefielen,
versprach sich für ihn zu verwenden und
hielt Wort. Auf seinen ausdrücklichen
Befehl wurde vor dem Ausschüsse eine
Talentprobe mit R. vorgenommen, welche
so günstig ausfiel, daß N. in die Reihe
der Hofschauspieler eintrat und durch
neun Jahre ein beliebtes Mitglied der
Hofbühne war. Der Kaiser Joseph be»
wahrte ihm zeitlebens seine Huld. Spä>
ter faßte Franz R. eine zärtliche Nei»
gung für ein Fräulein Fur lan i von
Felsenburg, dessen Vater aber eine
eheliche Verbindung nur unter der Bedin>
gung gestatten wollte, daß Rettich die
Bühne verlasse und in den Staatsdienst
übertrete. Kaiser Franz I. gestattete
nun R. den Uebertritt von der Bühne in
den Staatsdienst, welchem R. seit 1798
angehörte. Bei der obersten Iustizstelle
angestellt, starb er als Protokollsdirector
dieser Stelle am 16. October 1818 im
Alter von 80 Jahren. Die Gattin folgte
ihm am 26. December 1820. — Ein
3. Februar 1873.) 22
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon