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Neuling 348 Neuling
dabei war jungen Eleven uud Elevinen
Gelegenheit geboten, sich, ehe sie an
größere Rollen gingen, auf der Bühne
eine Routine zu erwerben. Diesen Vor
Ichlag nahm Dupor t an und Reu
l ing erhielt den Auftrag, für die musi
kalische Ausstattung dieser Eintagsfliegen
zu sorgen, und so entstanden mehrere
Singspiele, deren Namen auf S. 349
folgen. Die meisten derselben enthielten
fünf bis sechs, von R> componirte Ge»
sangönummern, nämlich ein oder zwei
Arien, ein Duett, ein Ensemblestück und°
einen Schlußchor. Ohne Anspruch auf
musikalischen Werth zu machen, erfüllten
sie, den vorhandenen Kr.iften angepaßt,
ihren Zweck und fanden stets eine beifäl»
lige -Aufnahme und einzelne oftmalige
Wiederholungen. Im Laufe der Zeit sind
sie — und leider auch die besseren — ganz
in Vergessenheit gerathen. Ferner compo»
nirte er eine Reihe von Balleten und
dann mehrere größere Opern, von denen
nur die Oper: „Alfred der Große" —
aufgeführt zum ersten Male im September
1840 — einen nachhaltigen Erfolg erzielt
hätte, wenn nicht die wunderliche Laune
Balochino's, späteren Opemtheater»
Pächters, darauf bestanden wäre, den
tragischen Schluß des von Otto Mü l le r
gedichteten Librelto'S in einen fröhlichen
zu verwandeln! Dadurch wurde das
ganze Werk in seinem innersten Kern
vernichtet und dem Komponisten die
Freude daran so gründlich verleidet, daß
er sich um daS fernere Geschick seineö
Opus gar nicht weiter kümmerte. Im
Jahre 1882 nahm R. zur Herstellung
seiner angegriffenen Gesundheit einen
sechswöchentlichen Urlaub nach Marien»
bad, den er aber wegen plötzlicher Er>
krankung seines Collegen Esser schon
nach 14 Tagen unterbrechen und nach
Wien zurückkehren mußte. Als im folgen» den Jahre Lornet die Leitung der Hof»
Oper übernahm, erhielt R. in Rücksicht
deS gestörten Curgebrauches im vorigen
Jahre ^inen neuerlichen sechSwöchent»
lichen Urlaub in'S Bad. Aber noch nicht
waren zwei Wochen vorüber, als ihn
Eornet zurückberief, um die für seinen
Directionsantritt bestimmte Oper „Wil>
Helm Teil" zu dirigiren, da Reuling's
beide Collegen erklärten, die ihnen fremde
Oper in so kurzer Zeit nicht dirigiren zu
können. Dießmal aber' schützte R. seine
gestörte Gesundheit uor, die ihm eine
Unterbrechung der 2ur nicht gestatte und
kehrte erst nach sechs Wochen auf feinen
Posten zurück. Dort aber war man in
der Zwischenzeit nicht müssig gewesen.
Nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr
machte Corn et ihm die Eröffnung, daß
er Ende März 1884 seiner Function als
Kapellmeister am Hof-Operntheater ent-
höben sei. I n Würdigung seiner lang»
jährigen Dienstzeit erhielt der noch rüstige,
damals 82jährige Componist eine Pension
von 300 fl.'. Ende Mai 1838 verließ R.
Wien und kehrte in seine Heimat nach
Dllrmstadtzi«rück, wo er in Zurückgezogen»
heit lebte und sich ausschließlich der Lom»
position widmete, die ihm zu manchen
freundlichen Erfolgen uerhalf, unter ande»
ren im Jahre 1863, in welchem R. für
den Ggerer Gesangverein „Sängerbund"
eine Lantate comuonirte und bei seiner
Anwesenheit in Eger im gedachten Jahre
selbst dirigirte. Seine Aufnahme daselbst
glich einem kleinen Triumphzuge- und
im Jahre 1868, in welchem R. für daS
alljährlich in Würzburg stattfindende
Weihnachtöconcert eine Eonceit-Ouver»
ture und einen Festmarsch schrieb und
persönlich dirigirte. Auch damit feierte
er den glänzendsten Erfolg, nahm aber
auch für immer Abschied von der Oeffent»
lichkeit. Neul ing. 70 Jahre alt, lebt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon